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Stromtrassen-Gegner fordern regionale Energiewende | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Demonstranten mit Plakaten

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Stromtrassen-Gegner fordern regionale Energiewende

Rund 70 Stromtrassen-Gegner haben vor der Staatskanzlei in München demonstriert. Sie wollen damit Druck auf die Koalitionsverhandlungen von CSU und Freien Wählern ausüben. Ihnen geht es nicht nur um ein Nein zum Bau großer Gleichstromtrassen.

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Im Wahlkampf hatten die Freien Wähler mit dem Slogan "Für Energiewende statt Trassenwahn" für eine dezentrale Stromversorgung geworben. Das solle jetzt in den Koalitionsvertrag eingebracht werden, fordern die Stromtrassen-Gegner bei der vom Bund Naturschutz und dem Aktionsbündnis Süd-Ost-Trasse organisierten Kundgebung. Da für die Planung der Stromtrassen maßgeblich der Bund zuständig ist, richten sich die Forderungen vor allem darauf, eine dezentrale Energiewende in der Hand von Bürgern und Kommunen voranzubringen.

Mehr Erneuerbare Energien und regionaler Handel mit Strom

Der Wunsch sei, dass die Freien Wähler diese Dezentralität wirklich in die Wirtschaftspolitik der Staatsregierung hineinbringen, sagte Herbert Barthel vom Bund Naturschutz: "Bayerische Wirtschaftspolitik muss eine dezentrale Energiewende planen und nochmal neu prüfen, was brauchen wir in Bayern an neuen Stromtrassen." Ein stärkerer Ausbau der Erneuerbaren Energien vor Ort und ein regionaler Handel mit Strom könnte große Stromtrassen vom Norden in den Süden überflüssig machen, so die Hoffnung.

Stromtrassen-Gegner fordern Ende der 10-H-Abstandsregelung

Dafür müsse auch die so genannte 10-H-Abstandsregelung abgeschafft werden, fordert Dörte Hamann vom Aktionsbündnis Süd-Ost-Trasse. Die Regelung besagt, dass ein Windrad mindestens 10 Mal so weit von der nächsten Wohnsiedlung entfernt sein muss, wie es hoch ist. Bei einer Höhe von 200 Metern wären das dann zwei Kilometer.

Die Freien Wähler hatten sich bisher immer klar für die Abschaffung der Regelung eingesetzt. Die CSU auf der anderen Seite will daran nicht rütteln, schreibt in ihrem Wahlprogramm, dass sie weiter an der 10-H-Regelung festhalten will. Weitere Ideen zur Energiewende findet man dort aber nicht. Die CSU sei dem Thema in den letzten Jahren aus dem Weg gegangen, sagt Herbert Barthel vom Bund Naturschutz. Welche Rolle diese Themen in den Koalitionsverhandlungen spielen, darüber tritt momentan wenig nach außen.

Protest auch gegen Erdkabel

Nach langem Streit und nach Protesten der Anwohner entlang der möglichen Trassen-Korridore, hatte der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer 2015 im Bund dafür gestimmt, dass beide großen Gleichstromtrassen - die SüdLink und die SüdOstLink - durch Bayern gebaut werden, unterirdisch mit Erdkabeln. Doch auch gegen diese Lösung wurde der Protest in den letzten Monaten wieder stärker. Die Gegner zweifeln an, dass überhaupt große Stromtrassen vom Norden in den Süden nötig sind. Konzepte zur dezentralen Energieversorgung seien nie eingeflossen in die Planungen.

Ausbau der Stromtrassen verzögert sich

Der Ausbau der Stromtrassen in Bayern lief zuletzt schleppend. Die Bundesnetzagentur sprach im August sogar davon, dass die Energiewende "in Gefahr" sei. Statt 2022 könnten die zwei großen Gleichstromtrassen erst 2025 fertig werden, teilte der mit dem Ausbau betraute Netzbetreiber Tennet dem Bayerischen Rundfunk im August mit. Durch die von der Politik beschlossene Verlegung der Kabel unter die Erde sei eine komplett neue Planung nötig, so Tennet.

Probebohrungen in Oberfranken und der Oberpfalz

Ebenfalls im August hat der Netzbetreiber Tennet für die Leitung SüdOstLink mit Probebohrungen an 16 Orten in Oberfranken und der Oberpfalz begonnen. Das seien aber nur Voruntersuchungen und noch keine Festlegung auf einen bestimmten Trassenkorridor, sagte Tennet. Der endgültige Verlauf werde erst nach weiteren Bürgerdialogen festgelegt.