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Stromschlag auf Güterwaggon: Wie geht es dem Überlebenden heute? | BR24

© BR/Sarah Beham

Junge überlebt 15.000 Volt Spannungsbogen

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Stromschlag auf Güterwaggon: Wie geht es dem Überlebenden heute?

Vor genau einem Jahr kommt es am Bahnhof in Osterhofen zu einem tragischen Unfall: Zwei Freunde klettern auf einen Güterwaggon - dort werden sie von einem heftigen Stromschlag getroffen. Einer der Freunde stirbt, der andere überlebt. Wie geht es ihm?

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Vor genau einem Jahr passierte am Osterhofener Bahnhof im Landkreis Deggendorf etwas ganz Schlimmes: Eine Gruppe von Jugendlichen wollten feiern – zwei Jungs kletterten auf einen Tankwaggon eines abgestellten Güterzugs. Plötzlich bildete sich von der elektrischen Oberleitung mit 15.000 Volt Spannung ein sogenannter Lichtbogen: Das ist fast 70 Mal mehr Spannung als in jeder Steckdose im Haushalt.

Ein 16-Jähriger war sofort tot

Ein 16-Jährige wurde sofort getötet. Sein 15-jähriger Freund wurde vom Dach des Kesselwagens geschleudert und erlitt schwere Verbrennungen. Doch er überlebte. Ein Jahr nach dem tragischen Unfall erzählen der Überlebende - er heißt Adrian - und seine Mutter, wie es ihnen seither ergangen ist. Und wie sehr dieser Leichtsinn das Leben der beiden verändert hat.

155 Tage Krankenhaus

Rettungskräfte sagen heute, dass es an ein Wunder grenzt, dass der mittlerweile 16-jährige Adrian Hanauer aus Plattling lebt. 155 Tage verbrachte er im Krankenhaus, eine Woche lag er im Koma. Über 25 Kilogramm hat er in der Zeit an Muskelmasse abgenommen, ist heute immer noch sehr dünn und kann nicht zur Schule gehen. Er hat das Gehen und vieles wieder lernen müssen. Noch heute geht er mit zwei Krücken, er hat von den Verbrennungen zahlreiche Narben am Körper. Und er trägt eine Schiene am Fuß. Doch der Junge kämpft sich zurück ins Leben und hat eine Botschaft an andere Jugendliche: "Man soll einfach aufpassen. Die Zeit verging nicht einfach so im Krankenhaus - ich kann gar nicht beschreiben, wie schlimm die Zeit war." Adrian bereut, dass er damals so leichtsinnig war.

Bundespolizei warnt vor Mutproben und Leichtsinn

Immer wieder klettern Jugendliche auf Güterwaggons und kommen dabei der Oberleitung zu nahe. Die Bundespolizei warnt auf ihrer Homepage und auf Flyern vor der Gefahr von elektrischem Strom in Oberleitungen. Stromschläge an Bahn-Oberleitungen sind fast immer tödlich. Doch Adrian hat überlebt. Heute (16.4.) wird er am Nachmittag zuerst zum Osterhofener Bahnhof gehen und dann zum Grab seines verstorbenen Freundes. Dort hat die Mutter des verstorbenen Jungen, Nicole Thilo-Körner, ein Kerzenherz und eine sogenannte Schatzkiste aufgestellt - hier kann jeder Freund seine Erinnerungen an den verstorbenen Jungen aufschreiben.

© Privat

Das Grab des verstorbenen Niko

Kontakt nie abgerissen

Die hinterbliebenen Freunde des Jungen - darunter auch Adrian - haben seit dem Unfall weiter Kontakt zur Mutter des verunglückten Jungen: "Ich wollte Adrian helfen, dass er seinen Mut nicht verliert. Dass er gut durch die Zeit kommt. Wir wollten uns immer treffen - aber da war er auf Reha, jetzt kam Corona. Nach Corona wird das nachgeholt", erklärt Nicole Thilo-Körner. Davon ist auch Adrian überzeugt. Und der hat seinen Mut nicht verloren und auch nicht seine Lebensfreude.

Mutter ist für ihn da

Doch das hat lange gedauert: Der 16-Jährige hat viele Kämpfe im Krankenhaus geführt, hat knapp 25 Kilogramm an Muskeln abgenommen, musste vieles von Neuem lernen. Heute ist er Zuhause, übt mit Trainingsgeräten. Er ist sich bewusst, dass er eine zweite Chance im Leben bekommen hat - diese will er nutzen, gemeinsam mit seiner Mutter, die ihn unterstützt und für ihn da ist.

"Es war nicht einfach, aber wir haben das geschafft. Die Ärzte vom Adrian sagen auch, wo sie ihn gesehen haben: Unglaublich. Sie hätten das nie gedacht…. Es ist ein Wunder – es ist ein Wunder." Adrians Mutter

Freund schreibt Song für Verstorbenen

Als Erinnerung und in Gedenken an den verstorbenen Jungen, hat ein Freund ihm einen Abschiedssong nach dem Unfall geschrieben. Denn die beiden haben vor dem Unglück immer gemeinsam Musik gemacht.

© Corvin Vorman

Als Erinnerung und in Gedenken an den verstorbenen Jungen, hat ein Freund ihm einen Abschiedssong nach dem Unfall geschrieben. Denn die beiden haben vor dem Unglück immer gemeinsam Musik gemacht.

Nicht nur die Lebenseinstellung von Adrian ist eine andere, sondern auch sein Alltag – Adrian trainiert viel zuhause, damit er wieder rausgehen kann. Bis dahin dauert es aber noch. Doch die Arbeit lohnt sich – Adrian und seine Mutter sind dankbar, dass sie eine zweite Chance bekommen haben. Das haben sie vor allem den damaligen Ersthelfern zu verdanken, die Adrian reanimiert haben. Adrian hat sie vor ein paar Monaten getroffen:

"Ich hatte eine Chance, danke zu sagen. Es war für mich ein Muss – es ist für sie eine Arbeit, für mich mein Leben. Die ganzen Ersthelfern, die da waren, waren Schutzengel." Adrian

Sie haben Adrians Leben gerettet – und nicht nur seins verändert, sondern auch das seiner Mutter: Sie sagt, sie gehe heute glücklicher durchs Leben. Materielle Dinge seien unwichtig geworden, und seit dem Unfall beschäftigt sie vor allem eins: "Ich möchte gerne einmal Oma werden."

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