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Bildrechte: BR/ Thim

Nachdem 20.000 Haushalte nach einem Kabelbrand ohne Strom auskommen mussten, gibt es nun Hinweise, die darauf hindeutet, dass ein Anschlag dahintersteckt. Ein Bekennerschreiben einer linksextremistischen Gruppe ist aufgetaucht.

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Anschlag auf Münchner Stromnetz: Gibt es eine heiße Spur?

Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf das Münchner Stromnetz wertet die Polizei ein anonymes Bekennerschreiben aus, wonach ein Technologiekonzern nahe des Tatorts Hauptziel war. Die Ermittler haben eindeutige Spuren von Brandbeschleunigern gefunden.

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Von
  • Simon Emmerlich
  • Christoph Dicke

Die Kühltruhe taut auf, das Kabel-Fernsehen streikt, in einer Arztpraxis verdirbt Corona-Impfstoff: Für eineinhalb Tage blieben tausende Haushalte im Münchner Osten nach dem großflächigen Netzausfall am vergangenen Freitag ohne Strom. Für den folgenreichen Kabelbrand in einer Baugrube im Münchner Werksviertel am Ostbahnhof übernahmen am Sonntag mutmaßlich Linksextreme in einem anonymen Bekennerschreiben die Verantwortung. Hauptziel des Anschlags war laut den anonymen Verfassern der Elektronik- und Rüstungskonzern Rohde und Schwarz.

Bekennerschreiben wird überprüft

Laut Münchner Polizei wird derzeit die Echtheit des auf der Online-Plattform "indymedia" veröffentlichten Schreibens geprüft. "Auch wenn wir seit gestern ein Bekennerschreiben haben, ermitteln wir trotzdem in alle Richtungen. Das heißt, wir legen uns jetzt nicht im ausschließlich linksextremen Bereich fest, sondern schauen uns alle Spuren und Erkenntnisse an, die wir in dem Zusammenhang gewinnen können", sagte Polizeisprecher Andreas Franken am Abend dem BR. Zehn Beamte der Ermittlungsgruppe "Volt" sind mit dem mutmaßlichen Anschlag befasst.

Der Verdacht der Brandstiftung habe sich unterdessen bestätigt, da die Polizei Spuren von Brandbeschleunigern gefunden habe. Weitere Details wollte man aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Die Bayerische Zentralstelle für Extremismus und Terrorismus (ZET) bei der Generalstaatsanwaltschaft München ist in die Ermittlungen eingeschaltet.

Mutmaßliches Ziel Rohde & Schwarz kaum betroffen

Anders als rund 20.000 Haushalte im Münchner Osten war das mutmaßliche Anschlagsziel, der Technologiekonzern Rohde & Schwarz, nach eigenen Angaben vom Stromausfall am vergangenen Freitag nicht sonderlich betroffen. Die Auswirkungen seien "sehr überschaubar" gewesen. Das hat das Unternehmen heute auf BR-Anfrage mitgeteilt. "Rohde & Schwarz sichert seine kritischen Infrastrukturen gegen Störeinflüsse von extern durch ein umfassendes Sicherheitskonzept ab", heißt es im Statement des Konzerns. Der Geschäftsbetrieb sei nicht beeinträchtigt und laufe in gewohnter Weise. Zu möglichen Hintergründen könne das Unternehmen keine Auskünfte erteilen.

Verfassungsschutz: Linke Anschlagsserie seit Frühjahr 2020

Der Bayerische Verfassungsschutz beobachtet seit Frühjahr 2020, dass in der linken Szene verstärkt zu Sabotageaktionen - vor allem gegen den Ausbau des 5G-Netzes - aufgerufen wird. Im Verfassungsschutzbericht für 2020 sind eine Reihe entsprechender Vorfälle aufgelistet: Brandstiftungen an zwei Trafokästen einer Mobilfunkanlage in Unterhaching im Februar 2020, an einem Funkmasten des BR in München im Mai 2020 und an einem Mobilfunkmasten in München im Juli 2020. Die Sachschäden summieren sich auf mehrere Millionen Euro. Beim Verfassungsschutz rechnet man mit weiteren Aktionen dieser Art und einer allgemein steigenden Gewaltbereitschaft im linken Spektrum.

Polizei bittet um Zeugenhinweise

Über das Wochenende sind laut Polizei bereits einige Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, diese seien jetzt Gegenstand der Ermittlungen. Nach wie vor bittet die Polizei Zeugen, die am 21.05.2021 gegen 03:50 Uhr verdächtige Fahrzeuge oder Personen in der Grafinger Straße am Ostbahnhof in München beobachtet haben, sich bei einer Polizeidienststelle zu melden.

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