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Nach dem massiven Stromausfall im Münchner Osten ermittelt die Polizei wegen Brandstiftung. Auslöser für den Blackout war ein Kabelbrand in einer Baugrube. Inzwischen sind rund 80 Prozent der insgesamt 20.000 betroffenen Haushalte wieder versorgt.

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Brandstiftung? Erste Zeugenhinweise nach Stromausfall in München

Nach dem massiven Stromausfall in München sind bei der Polizei erste Zeugenhinweise auf eine mögliche Brandstiftung eingegangen. Auslöser für den Blackout war ein Kabelbrand. Inzwischen sind rund 80 Prozent der betroffenen Haushalte wieder am Netz.

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Von
  • Frank Jordan
  • Manuel Rauch
  • Tobias Bönte
  • BR24 Redaktion

Ein Knall – und dann war alles dunkel – über Stunden. Nachdem am frühen Freitagmorgen in einer Baugrube im Münchner Osten Stromkabel in Brand geraten waren, blieb bei rund 20.000 Haushalten in den Stadtteilen Berg am Laim, Haidhausen und Ramersdorf der Strom weg.

Wie die Stadtwerke München am Samstagmorgen mitteilten, seien inzwischen mehr als 80 Prozent der betroffenen Haushalte wieder am Netz. "Wir haben die ganze Nacht durchgearbeitet und kommen sehr gut voran", twittern die Stadtwerke. Voraussichtlich bis zum Mittag seien alle Haushalte wieder versorgt.

Die Münchner Feuerwehr twitterte am Freitagabend, dass sie Anlaufstellen zum Aufladen von Mobiltelefonen oder elektrischen Geräten eingerichtet hat. Durch den Brand wurden rund 50 Stromkabel vollkommen zerstört, etwa 150 Trafostationen fielen aus.

Verdacht auf Brandstiftung - Ermittlungen dauern an

Unterdessen dauern die Ermittlungen der Polizei weiter an. Wegen des Verdachts auf Brandstiftung ermittelt das für Staatsschutzdelikte zuständige Kommissariat. Wie ein Sprecher des Münchner Polizeipräsidiums dem BR bestätigte, sind bereits erste Zeugenhinweise eingegangen. Diese Hinweise müssten nun einzeln geprüft werden, so der Polizeisprecher. Auch weiterhin bitte man jedoch alle Bürgerinnen und Bürger, die am Freitagmorgen gegen vier Uhr etwas Verdächtiges im Bereich Berg am Laim beobachtet haben, sich bei der Polizei zu melden.

Die Feuerwehr war am frühen Morgen zu der am östlichen Rand des Werksviertels gelegenen Baustelle alarmiert worden. Nach Angaben der Berufsfeuerwehr hatten Passanten ein seltsames Knistern bemerkt. Es folgte ein lauter Knall. Als die Einsatzkräfte eintrafen, brannte es im abgezäunten Bereich einer Baustelle lichterloh. Die Feuerwehr konnte die Flammen löschen. Die betroffenen Stromkabel sind unterirdisch verlegt, waren für Bauarbeiten aber freigelegt worden.

© Peter Kneffel / dpa-Bildfunk/
Bildrechte: Peter Kneffel / dpa-Bildfunk/

Brandstiftung? Die verschmorten Kabel am Freitagmorgen.

Zusammenhang mit Brandanschlag auf BR-Funkmast?

Sollte sich der Verdacht der Brandstiftung erhärten, stellt sich die Frage, inwieweit dieser erneute Fall mit der Serie von Brandanschlägen auf Infrastruktureinrichtungen zusammenhängt, mit der sich die Münchner Polizei seit über einem Jahr beschäftigen muss. Auch ein Funkmast des Bayerischen Rundfunks in Freimann wurde dabei von Unbekannten im vergangenen Mai angezündet. Die Schäden hier und an den anderen betroffenen Örtlichkeiten summieren sich inzwischen auf über drei Millionen Euro. Die Täter werden in der linksgerichteten Szene vermutet.

Auch der öffentliche Nahverkehr war in der Früh vom Stromausfall betroffen. Die Straßenbahnen konnten nicht aus dem Betriebshof an der Einsteinstraße ausrücken. Es kam zu erheblichen Ausfällen und Verspätungen. Auch einige Ampeln fielen aus.

Betreuungsstelle für Betroffene

Feuerwehr und Rettungsdienst richteten inzwischen zwei Akutbetreuungsstellen für betroffene Bürgerinnen und Bürger ein. Wie die Branddirektion mitteilt, können sich Hilfesuchende im Schulzentrum in der Quiddestraße und im Berufsbildungszentrum in der Orleansstraße einfinden. Außerdem wurden zwei Anlaufstellen eingerichtet, wo vom Strom abgeschnittene Menschen notwendige elektronische Geräte - etwa Mobiltelefone - anschließen und aufladen können. Diese befinden sich auf Parkplätzen von zwei Supermärkten in der Balanstraße (Hausnummer 50) und in der Neumarkterstraße (Hausnummer 64). Die Feuerwehr setzt Lautsprecherfahrzeuge ein, um die Anwohner in den betroffenen Stadtvierteln über die Angebote informieren und bittet darum, diese Informationen an Nachbarn und Hilfebedürftige weiterzugeben.

Keine Kühlung: Praxis muss Corona-Impfstoff wegwerfen

Unterdessen bringt der Stromausfall auch den Corona-Impfplan in einer Münchner Arztpraxis durcheinander. Weil dort in der Früh die Kühlung nicht mehr funktioniert hat, mussten 50 Dosen des Impfstoffs Astrazeneca entsorgt werden, berichtet die Ärztin dem BR. Das sei etwa die Menge, die dort pro Woche verimpft wird.

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