Strom- und Gaskosten explodieren: Das raten Verbraucherschützer

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Strom- und Gaskosten explodieren: Das raten Verbraucherschützer

Strom- und Gaskosten explodieren: Das raten Verbraucherschützer

Die stark steigenden Heiz- und Stromkosten machen zur Zeit vielen Menschen Sorgen. Wenn Post vom Anbieter im Briefkasten liegt, bedeutet das oft satte Erhöhungen. Doch nicht alles muss man hinnehmen. Die Tipps der Verbraucherschützer.

Die Gasumlage als Grundlage, die allgemeine Marktsituation – in den Briefen der Versorger stehen viele Gründe, warum Strom und Gas deutlich teurer werden. Das doppelte und mehr sollen viele Haushalte demnächst zahlen. Doch nicht alle Erhöhungen müsse man akzeptieren, sagen Verbraucherschützer. Denn jeder Vertrag sei anders.

Pauschale Empfehlung für Verbraucher nicht möglich

Viele Verbraucher sind derzeit verunsichert und wenden sich deshalb an die Verbraucherzentrale. Doch die könne derzeit keinen allgemeinen Rat an die Kunden geben, sagt Energieexpertin Marion Gaksch von der Verbraucherzentrale Bayern. Ihr Telefon steht nicht mehr still. "Man kann im Moment überhaupt keine pauschale Empfehlung geben, ob man wechseln soll oder nicht, weder beim Strom oder Gas," sagt sie.

Strom- und Gasanbieter vergleichen lohnt sich

Es komme auf die jeweiligen Angebote an, die konkret am Wohnort des Kunden bestehen. "Es gibt riesige Preisunterschiede, auch von einem Grundversorger zum anderen, da muss man wirklich in aller Ruhe die Preise vergleichen, was anderes bleibt einem da nicht übrig, es gibt keine pausschale Empfehlung." Auch eine Obergrenze für Preiserhöhungen gebe es nicht. Es werde gerade in der Politik diskutiert, ob es da eventuelle Höchstgrenzen geben soll. "Im Moment ist es einfach nur Angebot und Nachfrage", so Gaksch.

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung des Strompreises / Gaspreises, wenn man einen neuen Vertrag abschließt:

Beispiel Nürnberg – Kosten steigen

Rund um Nürnberg versorgt die N-Ergie mehr als 100.000 Kunden. Allein die Kosten für Fernwärme sind gerade um 73 Prozent gestiegen. Dazu auch die Gaspreise, je nach Tarif. Das Unternehmen ist sich im klaren, dass das nicht jeder zahlen kann. Doch diese Zahlungsprobleme abzufedern, dass sei nicht Aufgabe des Energieversorgers, erklärt der Vorstand für Markt und Vertrieb, Maik Render.

Grundsätzlich sei eine soziale Unterstützung der Bürger vonnöten. Im Einzelfall seien es da 4.000, 5.000 Euro pro Haushalt mehr im Jahr. Das können viele nicht zahlen. Aber "wir wissen nicht, wer hilfsbedürftig ist, wir haben nur einen Anschlussnehmer", erklärt Maik Render. Daher werden sie ab Oktober zusammen mit der Stadt Beratungstermine anbieten.

Gunther Geiler vom Mieterbund Nürnberg muss derzeit viele Fragen beantworten.

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Kündigungen bei Zahlungsverzug möglich

Die sind auch bitter nötig. Denn viele haben nicht nur Angst, dass kein Strom und Gas mehr fließt. Es droht Mietern sogar eine Kündigung, wenn sie die Nebenkosten nicht mehr bezahlen können, erklärt Gunther Geiler vom Mieterbund Nürnberg. Denn die Nebenkosten gehören erst einmal ganz normal zu den Betriebskosten dazu. Das könne theoretisch auch zu einer Kündigung führen.

"Zumindest wenn mehr als eine Monatsmiete betroffen ist, muss man damit rechnen", erklärt der Geschäftsführer und Rechtsberater des Nürnberger Büros des Mieterbunds. Geiler hofft, dass von diesen Kündigungsmöglichkeiten niemand Gebrauch macht, weil jeder weiß, in welcher kritischen Situation die Menschen sind.

Diese Situation müsse vermieden werden, sonst drohe Tausenden Menschen die Obdachlosigkeit. Während der Corona-Pandemie gab es ein Moratorium, dass Mieter aufgrund von Zahlungsrückständen nicht gekündigt werden durfte. "So etwas müsste es auch heute geben", das sei eine klare Position des Mieterbunds, erklärt Gunther Geiler.

Große Sorgen bei den Verbrauchern

Die Bundesregierung ist nach wie vor gefragt, auch die Verbraucherschützer sehen dringenden Handlungsbedarf. Es müsse alles daran gesetzt werden, die Energiepreise zu stabilisieren. Und Menschen mit niedrigem Einkommen brauchen Unterstützung. "Da stehen wirklich viele schon vor der Frage, fliege ich jetzt aus der Mietwohnung, kaufe ich mir etwas zu essen oder bezahle ich den Strom. Da gibt es wirklich existenzielle Beschwerden, und nicht nur einzelne, das betrifft Hunderttausende", sagt Marion Gaksch, Referentin für Energie der Verbraucherzentrale Bayern

Die Frage nach Gas, Wärme und Energiekosten – sie ist noch nicht beantwortet – und ist wohl die Herausforderung des kommenden Winters.

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