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Stricken für Frühchen - Hilfsprojekt aus Georgensgmünd | BR24

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Bildrechte: BR-Studio Franken/Julia Demel

Für Frühchen gibt es in den Kliniken kaum passende Kleidung. Deshalb hat Sylvia Pusch aus Georgensgmünd eine Initiative gestartet, die Kleidung für die Winzlinge strickt. Beruflich betreut sie Babys von Eltern, die dazu nicht in der Lage sind.

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Stricken für Frühchen - Hilfsprojekt aus Georgensgmünd

Für Frühchen gibt es in den Kliniken kaum passende Kleidung. Deshalb hat Sylvia Pusch aus Georgensgmünd eine Initiative gestartet, die Kleidung für die Winzlinge strickt. Beruflich betreut sie Babys von Eltern, die dazu nicht in der Lage sind.

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Von
  • Julia Demel

Nur 770 Gramm wog das Frühgeborene, das Sylvia Pusch zuletzt betreut hat. Die Mutter des Babys war einfach nicht mehr in der Klinik erschienen. Sylvia Pusch ist gelernte Erzieherin, arbeitet jetzt aber als Fachkraft für Bereitschaftsbetreuung: Das heißt, sie betreut Babys und Kleinkinder von Eltern, die dazu nicht in der Lage sind, solange bis die Situation der Eltern geklärt wurde oder eine Pflegefamilie gefunden werden konnte. Das ihr anvertraute Frühchen gab den Ausschlag für ihr Strickprojekt

Kleidung für Frühchen ist Mangelware

Denn in der Cnopfschen Kinderklinik in Nürnberg gab es kaum Kleidung für den Kleinen. Viel zu groß waren die Mützchen, Söckchen und Strampler für das nur mehrere hundert Gramm leichte Baby. Vier Wochen lang ist Sylvia Pusch jeden Tag zu ihm gefahren, um ihm zu geben, was ein Baby auch im Brutkasten braucht: Nähe, Hautkontakt und Stimmen, die mit ihm sprechen. Solange bis eine Pflegefamilie für ihn gefunden wurde, bei der er nach der Zeit in der Klinik leben wird.

Spenden für die Kinderklinik

Für Sylvia Pusch war das die Initialzündung, ein Hilfsprojekt ins Leben zu rufen. Mit Beginn des zweiten Lockdowns hat sie angefangen für die Frühchen Kleidung zu stricken, in winzigen Größen. Schnell konnte sie auch weitere Frauen aus ihrem Umfeld dafür begeistern, zunächst ihre Mutter und ihre Schwiegermutter. Diese holten dann eine Patchworkgruppe und ein Mehrgenerationenhaus mit ins Boot. Mittlerweile zieht das Projekt immer weitere Kreise, so schickt auch eine 82-Jährige vom Bodensee regelmäßig Kartons mit Babykleidung.

Warten auf ein neues Kind

Sylvia Pusch leitet die Kleidung an die Cnopfsche Kinderklinik weiter, während sie selbst ständig in Bereitschaft ist. Jederzeit kann der Anruf vom Jugendamt kommen, dass wieder ein Kind in Obhut genommen werden muss. Die Eltern sind aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in der Lage ihre Kinder zu versorgen, oft haben sie Alkohol- oder Drogenprobleme. Rund 20 solcher Kinder hat Sylvia Pusch schon betreut, manchmal für ein paar Tagen manchmal auch für einige Monate. Bis eine Pflegefamilie gefunden ist und alle rechtlichen Hürden geklärt sind, leben die Kinder in der Familie Pusch, so wie deren eigenen drei Kinder.

Herausforderung für die ganze Familie

Die Bereitschaftsbetreuung kann sie nur machen, weil die ganze Familie dahinter steht, erzählt Sylvia Pusch. Denn wenn sie ein Betreuungskind haben, ist das ein 24-Stunden-Job ohne Pausen:

"Das kann schon eine Belastungsprobe für uns alle werden, wenn ein Kind zum Beispiel viel schreit. Die Kinder, die wir aufnehmen sind ja beim Essen und überall dabei, wie unsere eigenen Kinder. Nur das sie oft ganz andere Probleme haben." Sylvia Pusch, Fachkraft für Bereitschaftsbetreuung

Schwerer Start ins Leben

Babys von Müttern, die drogen- oder alkoholabhängig sind, werden schon im Bauch süchtig und müssen direkt nach der Geburt einen Entzug durchmachen. Auch Kinder, die misshandelt wurden, haben die Puschs schon betreut. Doch wenn es diesen Kindern bei ihnen besser geht, ist das für sie die größte Freude. Zu vielen Kindern, die jetzt in Pflegefamilien leben, haben sie bis heute Kontakt. Derzeit wartet die ganze Familie gespannt auf ein neues Kind. Vermutlich wegen Corona werden aber weniger Kinder in Obhut genommen. Wegen der Kontaktbeschränkungen befürchtet Sylvia Pusch, fällte es weniger auf, wenn es einem Kind schlecht geht. Nach Corona könnten dann umso mehr Kinder auf ihre Hilfe und die ihren Kolleginnen angewiesen sein.

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