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Streuobstwiesen in Gefahr: Vogelschutzbund droht mit Klage | BR24

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Was zeichnet eine Streuobstwiese aus? Darüber diskutieren am Vormittag Vertreter des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) mit Landtagsabgeordneten und Mitgliedern der Bayerischen Staatsregierung in München.

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Streuobstwiesen in Gefahr: Vogelschutzbund droht mit Klage

Was macht eine Streuobstwiese aus? Darüber diskutieren Naturschützer heute mit Politikern. Knackpunkt ist die Frage, ab welcher Stammhöhe ein Obstbaum ein Hochstamm ist. Der LBV fürchtet einen massiven Kahlschlag und will notfalls vor Gericht ziehen.

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Seltene Vogelarten wie Wendehals und Wiedehopf sind in Streuobstwiesen zuhause. Dieses Zuhause sieht der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) derzeit akut bedroht. Denn die Kriterien, die die Staatsregierung bei der Definition von Streuobstwiesen anwenden will, seien alles andere als praxisnah, so der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer. Am Vormittag diskutieren Vertreter des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) und weitere Naturschützer darüber mit Landtagsabgeordneten und Mitgliedern der Bayerischen Staatsregierung in München.

LBV: Drei Viertel der Bäume könnten Schutzstatus verlieren

Es geht um die Stammhöhe der Bäume. Der LBV ist für eine Definition, die eine Höhe von 1,60 Meter festlegt. Die Staatsregierung plädiert für 1,80 Meter. Laut Norbert Schäffer würden demnach mehr als drei Viertel der schützenswerten Wiesen aus dem Schutzraster fallen - und das im Sommer als Reaktion auf das Volksbegehren "Rettet die Bienen!" beschlossene neue Bayerische Artenschutzgesetz das Gegenteil dessen bewirken, was es bezweckt.

Auf Wiedersehen vor Gericht?

Der LBV behalte sich rechtliche Schritte vor. Der CSU-Landtagsabgeordnete Eric Beißwenger beruft sich dagegen auf den derzeitigen Richtwert:

"Hochstämmig ist nun einmal so definiert. Früher gab es eine andere Definition, aber die Definition gilt seit Mitte der 90er Jahre und wir können deshalb jetzt nicht alles neu definieren." Eric Beißwenger, CSU-Landtagsabgeordneter

💡 Wann ist eine Streuobstwiese ein Biotop ?

Schützenswert oder nicht? Entscheidend ist, dass es sich um hochstämmige Apfel-, Birn-, Kirsch- oder Zwetschgenbäume handelt. Das heißt, der Stamm verzweigt sich erst in einer bestimmen Höhe. Solche Bäume sind besonders langlebig und entwickeln mit zunehmendem Alter Höhlen in ihren Stämmen. Die sind lebenswichtig für viele bedrohte Tierarten, wie zum Beispiel Fledermäuse sowie der seltene Steinkauz, Wendehals und auch Gartenrotschwanz.

Im Verkauf bei den Baumschulen beginnen "Hochstämme" ab einem Kronenansatz von 1,60 Metern. Das Bayerische Landwirtschaftsministerium fördert die Pflege von Streuobstbeständen sogar schon bei einem Kronenansatz ab einer Stammhöhe von 1,40 Metern. Doch in der von der Staatsregierung vorgelegten Verordnung sollen 75 Prozent der Bäume sich erst in einer Höhe von 1,80 Metern verzweigen, um den Schutzstatus zu erhalten. (Erklärt von Doris Fenske, Redakteurin in der Fachredaktion Landwirtschaft und Umwelt)