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Streit ums Kanufahren auf dem Schwarzen Regen | BR24

© Roßberger, Renate

Gluthitze! Wer möchte bei diesem tropischen Wetter nicht mit einem Kanu genüsslich einen Fluss entlang schippern. Am Schwarzen Regen im Bayerischen Wald geht das wunderbar. Der Tourismus boomt und ruft jetzt immer mehr Kritiker auf den Plan.

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Streit ums Kanufahren auf dem Schwarzen Regen

Wer sucht bei dieser Gluthitze nicht nach Abkühlung? Die verspricht zum Beispiel eine Kanu-Fahrt entlang des Schwarzen Regens im Bayerischen Wald. Der Tourismus boomt, ruft jetzt aber immer mehr Kritiker auf den Plan.

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Der Tourismus boomt im sogenannten "Bayerisch-Kanada", wie man die Flusslandschaft des Schwarzen Regens im Bayerischen Wald gerne nennt. Ein Helfer von Schneider Events erklärt Urlaubern aus Freising das Kanufahren am Ufer bei Viechtach. Wenig später paddeln die vier alleine los. Rund zwei Stunden haben sie Zeit in ihren gemieteten Kanus die Flussidylle zu genießen.

Touristen-Andrang in "Bayerisch-Kanada"

Ganz so idyllisch beziehungsweise einsam ist es auf dem Wasser allerdings nicht mehr. Denn allein an dieser Einstiegsstelle warten über 20 Leute, die ebenfalls zu ihrer Kanufahrt aufbrechen wollen. Außerdem gibt es zahlreiche, weitere Bootsverleiher.

© BR/Roßberger

Der Flusslauf des Schwarzen Regens in der Nähe von Viechtach

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Vorbereitungen für das Kanu-Fahren auf dem Schwarzen Regen

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Großer Andrang beim Kanuverleih

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Hochbetrieb auf der An- und Ablegestelle

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Wenig einsame Idylle

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Malerische Landschaft am Schwarzen Regen

"Das ist längst Massentourismus hier am Regen!" Franz Wittmann, Bürgermeister Viechtach

Auch der örtliche Bezirksfischereiverein beginnt sich gegen den Boom zu stellen. Denn die Boote schleifen über die Felsen und verlieren dabei Farbe sowie Mikroplastik. Diese gefährlichen Rückstände gefährden die Fische, ebenso wie der Lärm, so Helmut Raster, Schriftführer des Bezirksfischereivereins. "Es gibt welche, die extra über die Absperrung, über die Schnur fahren und Glasflaschen ins Wasser schmeißen. Gerade an den heißen Tagen bräuchten aber die Fische Ruhe," so Raster.

"Kommerz darf nicht mehr vor Artenschutz gehen!" Vereinsvorsitzender Johann Kraus
© BR / Roßberger

Vorstand und Mitglieder des Bezirksfischereivereins Viechtach

Sepp Schneider, einer der größeren Bootsverleiher in der Region, entgegnet, dass die Touristen auf die Regeln hingewiesen werden, dass die Fahrten nur mit Null-Alkohol durchgeführt werden dürfen und dass die Kiesbänke oder Inseln nicht betreten werden dürfen. "Wir sehen uns schon als Umweltpädagogen," so Bootsverleiher Sepp Schneider.

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Bootsverleiher Sepp Schneider

Das Landratsamt will demnächst die Regeln verschärfen: Bootsfahren soll zum Beispiel nur zwischen 10 Uhr und 18 Uhr erlaubt sein und gar nicht mehr, wenn der Pegel unter 58 cm sinkt. Bisher gilt das schon auf den empfindlichen Fluss-Abschnitten und soll nun auf den ganzen Strom ausgedehnt werden. Die Fischer allerdings fordern ein Fahrverbot schon unter 70 cm Pegel und weniger Boote.

Neue Regeln sollen den Konflikt entschärfen

Bis zu 200 gewerbliche Kanus schippern an sonnigen Tagen auf dem Schwarzen Regen herum, 400 sind im Landkreis Regen angemeldet. Aus rechtlicher Sicht sei es aber nicht haltbar, diese Regeln einfach so zu verschärfen, so Landrätin Rita Röhrl.

"Es gibt einen Anhaltspunkt nur dann, wenn ein Umweltverträglichkeitsgutachten erstellt wird. Dann gibt es Zahlen und Fakten, welcher Maximalverkehr möglich ist." Landrätin Rita Röhrl

Da ein solches Gutachten jedoch teuer ist, überlegt man, die Bootsverleiher an den Kosten zu beteiligen. Denn das Geschäft mit dem Schwarzen Regen hat sich kräftig ausgeweitet. Aus früher nur einer Handvoll kleiner Verleiher sind zehn aus zwei Landkreisen geworden, die sich inzwischen sogar gegenseitig Konkurrenz machen. Auf dem "Schwarzen Regen" wird also munter und über die Landkreisgrenzen hinweg gestritten. Dabei war's hier mal so ruhig und abgeschieden, dass die Tourismuswerbung den Schwarzen Regen als "Bayerisch-Kanada" angepriesen hat.

© BR/Christian Riedl

Das Kanufahren auf dem Schwarzen Regen zwischen Regen und Viechtach ist zweifellos sehr reizvoll - die Fischer aber schimpfen, weil immer mehr Freizeitkapitäne in bunten Leihkanus auf dem Fluss unterwegs sind. Auf Kosten der Umwelt?