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Flyer für und gegen die Windräder bei Altenstadt und Kellmünz
© BR/Joseph Weidl

Autoren

Roswitha Polaschek
Joseph Weidl
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Flyer für und gegen die Windräder bei Altenstadt und Kellmünz

Die Bürger der Gemeinden Altenstadt und Kellmünz können am Sonntag dafür oder dagegen stimmen, ob ihre jeweilige Gemeinde in einem Waldgebiet, das gemeindeübergreifend verläuft, ein Bauleitverfahren zur Zulassung von Windkraftanlagen einleitet.

Windräder ohne gesetzliche Abstandsregelung

Der Hintergrund des Entscheids: Zwei Investoren wollen auf dem Gebiet, das eigens für Windkraftanlagen ausgewiesen ist, sechs Windräder errichten. Jedoch würden die momentanen Planungen mit rund 240 Metern Höhe pro Windrad nicht der in Bayern geltenden 10-H-Regel entsprechen.

Gemeinden könnten Regeln für Windräder selbst festlegen

Wenn jedoch die betroffenen Gemeinden selbst ein Bauleitverfahren einleiten, kann per Gesetz die 10-H-Regel außer Acht gelassen werden. Darüber hinaus kann die Gemeinde dann selbst festlegen, wie viele Windräder und in welcher Höhe gebaut werden.

Gegner befürchten Lärm und Schatten

Gegner der Windrad-Planungen bei Altenstadt befürchten jedoch erhöhten Lärm und Schattenwurf im Wohngebiet, außerdem erhebliche Nachteile für Flora und Fauna im betroffenen Wald. Sie plädieren deshalb, mit "Nein" zu stimmen, damit die 10-H-Regel nicht durch die Gemeinde ausgesetzt werden kann. Dann nämlich, so die Gegner, würde es sich für die Investoren nicht lohnen, die Windräder zu bauen.

"Wo der Standort passt, ist das in Ordnung. Aber nicht so ein Gebiet. Sie müssen überlegen, wie haben eine Nabenhöhe von über 200 Metern. Das Ding schaut eineinhalb Mal so hoch raus, wie das Ulmer Münster. Ich glaube, viele Leute würden erst sehen, wenn das Ding steht, was da wirklich da ist." Werner Merkle, Gegner der Windrad-Planungen

Investor verspricht Lärm- und Naturschutz-Gutachten

Der Sprecher einer der Investoren, der Firma "Vensol" aus Babenhausen, bestätigte dem BR, dass sich Windräder am geplanten Standort unter Einhalt der 10-H-Regel nicht lohnen würden. Gleichzeit betonte der Investor, dass die momentanen Planungen keineswegs festgezurrt seien und man vor einer konkreten Bauplanung entsprechende Lärm- sowie naturschutzrechtliche Gutachten einholen werde.

"Die Planung hängt maßgeblich von den Bedingungen ab, die wir dort oben vorfinden werden. Wenn wir tatsächlich im weiteren Verfahren dort Arten finden, die sensibel auf Windkraftanlagen reagieren, dann muss man tatsächlich über einen neuen Plan oder eine Reduzierung der Anlagen entscheiden." René Arms, Sprecher des Investors Vensol

"Ja" zu Windrädern heißt nicht zwingend Bau von Windrädern

Die Bürgermeister beider Gemeinden sagen, dass ein "Ja" noch nicht bedeutet, dass die Windräder auch tatsächlich gebaut werden – denn dann stünde immer noch das Genehmigungsverfahren an.

"Große Windkraftanlagen lösen auch große Betroffenheit aus. Deshalb war es mir von Anfang an wichtig, dass diese Entscheidung nicht im Gemeinderat getroffen wird, sondern dass man diese Entscheidung den Wählern und der Bevölkerung übergibt. Dass sich jeder damit auseinandersetzen kann und sich selbst davon ein Bild machen kann." Wolfgang Höß, Bürgermeister von Altenstadt