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Bauzaun mi Werbung für die VHS Kolbermoor

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    Streit um Verschwörungstheoretiker-Vortrag in der VHS Kolbermoor

    In Kolbermoor im Kreis Rosenheim sorgt eine Vortragsreihe der Volkshochschule zu Corona für Aufregung. Es sollten Philosophen, Juristen, Medienwissenschaftler sprechen – auch eine Impfkritikerin und ein Verschwörungstheoretiker. Das gibt Ärger.

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    Von
    • Hermann Scholz

    "Nachdenken über Corona" heißt die neue Vortragsreihe an der Volkshochschule Kolbermoor. Dabei treten etwa Experten und Expertinnen aus den Bereichen Philosophie, Juristerei und Medienwissenschaft auf – aber auch eine Impfkritikerin und ein Hochschuldozent, der im Netz Verschwörungstheorien verbreitet. Dürfen die das? Im Stadtrat wurde jetzt heftig diskutiert, wie weit Meinungsfreiheit gehen darf.

    Covid-19 eine Erfindung? Münchner Professor ist mit der These aufgefallen

    Professor Franz Ruppert ist Dozent für Psychologie an der Katholischen Stiftungshochschule München. Während der Corona-Krise ist Ruppert aufgefallen durch Interviews im Netz: in einem Gespräch mit dem Netzmagazin "Rubikon" etwa bezeichnet er das COVID-19-Virus als "Erfindung", genauso wie die dadurch ausgelöste Krankheit eine Erfindung sei. Die aktuelle Pandemie sei von Bill Gates und der Weltgesundheitsorganisation inszeniert, um über den Verkauf von Impfstoffen Geld zu machen.

    "Ätzende Diskussion" im Stadtrat

    Derselbe Professor Ruppert hätte nun an der Volkshochschule Kolbermoor auftreten sollen, innerhalb der Reihe "Nachdenken über Corona". Als dieser Auftritt im Stadtrat debattiert wurde, kam es zu einer "ätzenden Diskussion wie nie", so der parteifreie Stadrat Dieter Kannengießer. Während Bürgermeister Peter Kloo und die Mehrheit der Stadträte Rupperts Aussagen als von der Meinungsfreiheit geschützt sahen, vertraten andere Räte die Ansicht, Verschwörungstheoretiker müssten ja nicht ausgerechnet in einer teilweise von der Stadt finanzierten Organisation wie der VHS auftreten.

    Volkshochschul-Verband distanziert sich

    Der Bayerische Volkshochschulverband hat sich in einer Erklärung von der "unwissenschaftlichen" Veranstaltungsreihe distanziert und die VHS Kolbermoor aufgefordert, wenigstens Teile der Reihe aus dem Programm zu nehmen. Die Reihe schade der Volkshochschularbeit im Ganzen, Verbandsvorstand Christian Hörmann hält sie für zu einseitig:

    "Die Gefahr ist einfach, dass dann der Eindruck entstehen könnte, dass man da nur einen bestimmten Bereich bedient, im schlimmsten Fall auch den sogenannten Corona-Leugnern ein Podium bietet, und die Ausgewogenheit fehlt mir. Wo sind denn die Ärztinnen und Ärzte, die gegen das Virus kämpfen, wo sind die Pflegerinnen und Pfleger, Wo ist auch die Politik, die diese Maßnahmen beschließt und auch erklären muss und möchte, das fehlt mir in dem Zusammenhang." Verbandsvorstand Christian Hörmann

    Die Leiterin der VHS Kolbermoor, Ulrike Sinzinger, verteidigt sich. Die Reihe sei gedacht gewesen, um über die Folgen der Corona-Pandemie zu diskutieren. Professor Ruppert habe sie im Mai eingeladen, da seien seine Verschwörungstheorien noch gar nicht veröffentlicht gewesen. Und: alle Veranstaltungen seien ausgebucht, sie habe überwiegend positive Resonanz bekommen.

    Stadträtin fordert Rücktritt

    Mittlerweile ist der Vortrag von Professor Ruppert abgesagt – offiziell wegen der Veranstaltungsbeschränkungen wegen Corona. Zu Ende ist die Diskussion damit noch nicht: einige Stadträte fordern, in Zukunft das Programm der teilweise städtisch finanzierten VHS genauer zu kontrollieren. Und die SPD-Stadträtin Dagmar Levin geht noch weiter: sie fordert den Rücktritt von Volkshochschulchefin Ulrike Sinzinger.

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