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Streit um Sorgerecht für Kinder: Werden Männer benachteiligt? | BR24

© BR/Erich Wartusch

Wenn Eltern vor Gericht um das alleinige Sorgerecht für ihre Kinder streiten, bekommt immer noch zu einem Großteil die Mutter den Zuschlag. Das zeigen auch die aktuellen Zahlen für 2018, die das Bayerische Justizministerium veröffentlicht hat.

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Streit um Sorgerecht für Kinder: Werden Männer benachteiligt?

Eine Trennung von Eltern wird oft von der Frage nach dem Sorgerecht begleitet. Zahlen des Bayerischen Justizministeriums haben nun gezeigt, dass hier meistens die Mutter das Recht zugesprochen bekommt. Viele Männer fühlen sich dadurch benachteiligt.

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Wenn Eltern vor Gericht um das alleinige Sorgerecht für ihre Kinder streiten, bekommt immer noch zu einem Großteil die Mutter den Zuschlag. Das zeigen auch die aktuellen Zahlen für 2018, die das Bayerische Justizministerium veröffentlicht hat.

Besonders eklatant ist der Unterschied in den Fällen, die im Scheidungsverfahren entschieden wurden. In 215 Fällen bekam die Mutter, nur in 20 Fällen der Vater das alleinige Sorgerecht. Bei Verfahren, die nicht zusammen mit dem Scheidungsverfahren durchgeführt wurden, landeten in 1.472 Fällen die Kinder bei den Müttern, in 502 Fällen bei den Vätern. Bei Unverheirateten lautet das Verhältnis 553 zu 255.

Betroffener Vater beklagt Ungerechtigkeiten

Seit sechs Jahren kämpft Harald von Herget aus Starnberg um seine beiden Kinder, aber auch gegen die Entscheidungen von Jugendamt und Justiz. Ihnen wirft er Einseitigkeit vor. Damit würde auch eher verhindert, dass sich Mütter und Väter einigen anstatt zu prozessieren. "Den Kindern wird es nicht gerecht, wenn es partout darauf ankommt, eine Sieger-Verlierer-Entscheidung zu treffen, falls eine der beiden Seiten einen Antrag stellt", so von Herget.

Laut Richterin: Kindeswohl entscheidend für Urteilsbildung

Die Sichtweise des betroffenen Vaters teilt Ulrike Sachenbacher, Richterin für Familienangelegenheiten am Amtsgericht München, nicht. Sie betont, dass es in mehr als 80 Prozent der Fälle zu einer Einigung kommt, bei der in der Regel beide Elternteile ein gemeinsames Sorgerecht bekommen und dieses dann durch Vollmachten geregelt wird. Müsse sie über ein alleiniges Sorgerecht urteilen, dann sei für sie das einzige Kriterium das Kindeswohl.

Die aktuellen Zahlen erklärt die Richterin mit den Kriterien, die zum Beispiel darauf abheben, wer die stärkere Bindung zum Kind hat: "Unsere gesellschaftliche Realität ist immer noch so, dass die Mütter mehr betreuen, weil die Männer mehr verdienen. Und das alles spiegelt sich bei den Sorgerechtsentscheidungen wider."

Viel Arbeit für die bayerischen Gerichte

Insgesamt hatten im Jahr 2018 die Amtsgerichte in Bayern fast 80.000 Familiensachen zu erledigen. Dabei betrafen 17.324 Verfahren auch das Sorgerecht. Die Zahlen haben sich im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren kaum geändert.