BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR / Wolfram Hanke
Bildrechte: BR / Wolfram Hanke

In Zeiten der Wasserknappheit müsste man das Wassersparen eigentlich unterstützen, doch das Gegenteil ist der Fall: Wer Regenwasser nutzt, wird sogar bestraft. Das mussten die Besitzer von Regenwasserzisternen im Landkreis Rhön-Grabfeld erfahren.

4
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Streit um Regenwasserzisternen im Grabfeld

In Zeiten der Wasserknappheit müsste man das Wassersparen eigentlich unterstützen, doch das Gegenteil ist der Fall: Wer Regenwasser nutzt, wird sogar bestraft. Das mussten die Besitzer von Regenwasserzisternen im Landkreis Rhön-Grabfeld erfahren.

4
Per Mail sharen
Von
  • Wolfram Hanke

Der akute Wassermangel in Unterfranken ist vor allem in den Sommermonaten großes Thema. Viel berichtet wurde über die Nöte von Landwirten oder Winzern. Vor allem in so regenarmen Gebieten wie dem sogenannten Grabfeld rund um Bad Königshofen herrschen regelmäßig Dürre und Trockenheit. Jeder auch noch so kleine Beitrag, um Wasser zu sparen müsste dort gefördert werden, könnte man meinen. Aber das Gegenteil ist der Fall, müssen die Besitzer von Regenwasserzisternen im Grabfeld erfahren.

Investitionen in die Zukunft

Vor sechs Jahren hat Michael Schmitt aus Sulzfeld im Grabfeld beschlossen, eine Zisterne zu bauen. Mit seiner Familie wohnt er mitten im Ort und hat sich entschieden, dem drohenden Wassermangel rechtzeitig entgegenzuwirken. Im Boden auf seinem Hof sind zwei große Behälter aus Beton eingelassen, in denen das Regenwasser aufgefangen wird - insgesamt 10.000 Liter. Kostenpunkt der Zisternen: 7.500 Euro. "Wir haben das auf uns genommen, um Trinkwasser zu sparen", sagt Michael Schmitt. "Wir nutzen das Wasser für die Klospülung und die Waschmaschine. Das ist unser Beitrag, um die Wasserressourcen zu schonen."

Massive Gebührenerhöhung

Aber noch im gleichen Jahr kam ein Brief von der Gemeinde mit der Mitteilung, dass die sogenannte Brunnenpauschale erhöht wird: Die Besitzer von Zisternen müssen künftig fünfmal so viel Abwassergebühren bezahlen wie bisher - für das Wasser, das sie auffangen, benutzen und dann als Abwasser in den Kanal einleiten. Deshalb hat sich Michael Schmitt mit elf anderen Zisternenbesitzern in Sulzfeld organisiert und den Kampf gegen die Gebührenerhöhung aufgenommen. "Der Gesetzgeber hat den Gemeinden eine Mustersatzung vorgeschrieben, in denen die Zisternenbesitzer mehr bezahlen müssen", sagt Alfons Kalke, ein anderes Mitglied aus der Initiative. "Wir werden also für unsere Bemühung, Wasser zu sparen finanziell bestraft."

Antrag im Gemeinderat gescheitert

Der Antrag auf Rücknahme der Gebührenerhöhung, den die Initiative in den Gemeinderat eingebracht hat, wurde abgelehnt. Und das, obwohl sogar Bürgermeister Jürgen Heusinger das Anliegen der Zisternenbesitzer unterstützt. Aber in dieser Angelegenheit, sagt Heusinger, sind ihm die Hände gebunden. "Die Gemeinde würde die Pauschale gerne auf Null setzen, aber der Gesetzgeber schreibt die Erhöhung vor", sagt er. "Der Gesetzgeber sagt, die anderen hätten dann eine Mehrbelastung, weil die Reinigung des Regenwassers von den Zisternenbesitzern mit bezahlen müssten."

Trinkwasser als Produkt

Chancen auf eine schnelle Lösung sieht der Bürgermeister nicht. "Ein Gesetz ist schneller verfasst, als zurückgenommen. Deshalb habe ich angesichts unserer starren Bürokratie wenig Hoffnung", sagt Heusinger. Außerdem wollten die kommunalen Wasserversorger, in diesem Fall der Wasserzweckverband Bad Königshofen Gruppe Mitte, ihr Leitungswasser verkaufen. Sinke der Wasserverbrauch, steige der Wasserpreis, weil die Kosten für die Infrastruktur immer gleich bleiben, egal wie viel Wasser abgenommen werde, so der Bürgermeister.

Initiative will weiter kämpfen

Ähnlich enttäuscht sind die Zisternenbesitzer um Alfons Kalke und Michael Schmitt. Die Initiative will aber nicht aufgeben und wirbt weiter für ihre Ideen. Die Wasseraktivisten wünschen sich, dass Zisternen überall gefördert werden. Geht es nach Kalke, sollte man Häuslebauern sogar den Einbau einer Zisterne vorschreiben. Denn angesichts des fortschreitenden Klimawandels kommt es gerade in wasserarmen Gebieten wie dem Grabfeld auch auf kleine Beiträge zur Schonung von Ressourcen an.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!