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Streit um Pläne für Luxushotel am Füssener Festspielhaus | BR24

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Das Festspielhaus in Füssen soll ein Luxushotel bekommen - direkt am Ufer des Forggensees und zum Teil im Landschaftsschutzgebiet. Der Festspielhaus-Inhaber will so die Zukunft des Musiktheaters sichern. Naturschützer sind entsetzt.

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Streit um Pläne für Luxushotel am Füssener Festspielhaus

Das Festspielhaus in Füssen soll ein Luxushotel bekommen - direkt am Ufer des Forggensees und zum Teil im Landschaftsschutzgebiet. Der Festspielhaus-Inhaber will so die Zukunft des Musiktheaters sichern. Naturschützer sind entsetzt.

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Es gab schon immer Hochs- und Tiefs beim Festspielhaus in Füssen: Nach mehreren Insolvenzen läuft es nun wieder. Damit das auch so bleibt, will der Inhaber des Festspielhauses direkt neben dem Musiktheater ein Fünf-Sterne-Hotel bauen - mit großem Wellnessbereich und Tagungszentrum. Das Ganze am Seeufer mit Blick auf Schloss Neuschwanstein. Die Pläne für dieses Luxushotel werden hitzig diskutiert und gefallen nicht allen.

"Es kann einfach nicht sein, dass gegen den Bürgerwillen hier ein Prestige-Projekt, ein riesiges Hotel-Bau-Projekt, das fast wie ein Kreuzfahrtschiff, wie ein Ufo hier im See landet, gemacht wird." Richard Mergner, Vorsitzender Bund Naturschutz

"Overtourism" im Landschaftsschutzgebiet

Auch Mergners Kollegin Anne Berkmüller ist skeptisch: "Wir haben viele Touristen, die sind auch gut hier, wir leben von den Touristen. Aber noch mehr, ist nicht unbedingt sinnvoll, und dafür das Landschaftsschutzgebiet zu opfern, finde ich falsch."

Zusammen mit dem Kreisfischereiverein Füssen hat der Bund Naturschutz ein Bürgerbegehren gegen die Hotel-Pläne gestartet.

Die Argumente: Das Hotel zerstöre das Allgäuer Landschaftsbild und wertvolle Biotope, außerdem vertrage die Region keine weiteren Touristen mehr - Stichwort "Overtourism". Jetzt sind sie gerade dabei Unterschriften von Füssenern zu sammeln, damit es zum Bürgerentscheid kommt. Alexander Beck, Sprecher der Hotel-Gegner, ist überzeugt, dass sie die erforderlichen 1.100 Unterschriften zusammenbekommen:

"Viele Bürger haben sich angeboten, bei uns einen Stapel Unterschriftenlisten abzuholen und selbst aktiv zu werden. Das freut uns sehr und wir sind deshalb sehr optimistisch, dass wir diese Grenze brechen werden." Alexander Beck, Sprecher Hotelgegner

Inhaber will Zukunft des Festspielhauses sichern

Für Manfred Rietzler, Inhaber des Festspielhauses, ist das Hotel allerdings unerlässlich, um den Fortbestand des Musiktheaters langfristig zu sichern. Durch den Ertrag eines Fünf-Sterne-Hotels könne das Festspielhaus mitfanziert und sogar in die Gewinnzone geführt werden. Alleine trage es sich auf Dauer nicht. Aber:

"Mir geht es auch darum, etwas zu machen, was die Menschen auch wollen. Ich will selbst ein klares Signal: Wollen die Bürger eine Zukunft fürs Festspielhaus und da gehört das Hotel eben dazu oder wollen sie es nicht? Ich mache ein Projekt nur, wenn ich das Gefühl habe, dass die Leute dahinterstehen." Manfred Rietzler, Inhaber Festspielhaus

Der gebürtige Ostallgäuer sagt, er habe momentan allerdings keinen Plan B und könne nicht garantieren, dass das Festspielhaus weiter existiert, wenn es kein Hotel gibt. Das Luxushotel an einem anderen Standort umzusetzen, kommt nicht in Frage - nur direkt neben dem Festspielhaus könnten Synergien, wie zum Beispiel eine gemeinsame Gastronomie genutzt werden.

Bürgermeister für Standort am See

Auch der Füssener Bürgermeister Paul Iacob (SPD) steht voll hinter den Hotel-Plänen:

"Die Sicherung dieses einmaligen Festspielhauses geht nur über ein Hotel, da gibt es keine andere Möglichkeit. Und dieses Hotel muss am Festspielhaus dort an der Nordseite sein, damit ich die Infrastruktur, die dort schon besteht, mitnutzen kann." Paul Iacob, Bürgermeister Füssen (SPD)

Füssener Bürger unentschlossen

Geht es nach ihm, würden der entsprechende Bebauungsplan und das Hotel schnellstmöglich genehmigt werden. Die ursprünglich für kommenden Dienstag angesetzte Entscheidung im Stadtrat ist allerdings erst einmal verschoben worden. Ein Bürgerentscheid wird damit immer wahrscheinlicher. Wie der dann ausgeht, ist unklar:

Die Füssener wirken zurzeit noch recht unentschlossen. Die einen wollen nicht noch mehr Tourismus: "Ich finde einfach, dass wir so ein großes Hotel nicht mehr brauchen. Wir haben so viele Touristen in Füssen, also so viele Leute, die wandern und wild durch die Gegend laufen. Und je mehr Hotels es hier gibt, desto mehr kommen", so ein Füssener Bürger.

Andere sehen den wirtschaftlichen Aspekt: "Ich finde das in Ordnung so, weil das muss ja wirtschaftlich irgendwo zusammenstimmen. Da hat der Rietzler recht, wenn er das Hotel nicht hat, ist das ein Zuschuss-Geschäft, also ich bin dafür."