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Streit um Orden - "Valentin ist Welten entfernt von Gabalier" | BR24

© BR / Simon Emmerlich

Streit um Valentin-Orden für Andreas Gabalier

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Streit um Orden - "Valentin ist Welten entfernt von Gabalier"

Der Karl-Valentin-Orden an Andreas Gabalier? Dieser Plan der Münchner Narrhalla sorgt für Streit. Und die Stimmen derer, die es unpassend finden, mehren sich. Scharfe Kritik kommt jetzt auch von Valentins Nachlassverwalter sowie von Ottfried Fischer.

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Seit 1973 wird der Karl-Valentin-Orden verliehen, für humorvolle Auftritte im Sinne Karl Valentins - so steht es in den Statuten der Münchner Faschingsgesellschaft Narhalla. Jetzt bekommt ihn der österreichische Musiker Andreas Gabalier. Er begeistert ein Millionenpublikum, steht aber auch immer wieder in der Kritik wegen Äußerungen über Homosexuelle, Frauen und eine Nähe zur rechtpopulistischen FPÖ.

Scharfe Kritik von Valentin-Nachlassverwalter Fette

Der Münchner Rechtsanwalt Gunter Fette hat die geplante Verleihung des Ordens an Gabalier scharf kritisiert. "Schon die Begründung der Narhalla, dass Andreas Gabalier wie auch Karl Valentin ein Volkssänger sei, ist abwegig und zeugt von gar zu dümmlichem Unverstand der Narhalla", sagte Fette dem Bayerischen Rundfunk. "Karl Valentin ist Welten weit entfernt von dem, was Gabalier treibt und tut und aussagt, dass ich da nicht die geringste Verbindung herstellen kann."

"Gabalier spielt unterschwellig mit Symbol des Hakenkreuzes"

Auch die politischen Äußerungen von Andreas Gabalier passen laut Fette nicht zu Valentin. Dieser habe einen Standpunkt gehabt, dies erkenne man in seinen Werken, in denen sich Valentin gegen all das ausdrückt, was die Nazis verkörpert haben. "Manchmal ist er dabei haarscharf am KZ vorbeigeschrammt", sagte Fette. Wenn Gabalier heute auf einem Albumcover eine Hakenkreuz-Pose darstellt, dann spiele er unterschwellig mit diesem Symbol und die, die er damit ansprechen wolle, würden dieses Symbol auch erkennen, so Fette.

Für Fette ist bei manchen Textpassagen völlig eindeutig, welche politische Haltung da mitschwingt, etwa wenn Gabalier in seinem Song über Motorradfahrer von sich grüßenden Italienern, Deutschen und Japanern singe. "Da fällt einem sofort die Dreierachse Deutschland, Italien, Japan ein, als faschistischer Verbund. Warum wählt er solche Texte?"

Rechtlich will Fette nicht gegen die Narrhalla vorgehen. Dies könne er der Familie nicht antun, so Fette. Der Münchner Rechtsanwalt verwaltet seit 1970 den urheberrechtlichen Nachlass von Valentin.

Ottfried Fischer: "Valentin würde sich im Grab umdrehen"

Nach Ansicht des Kabarettisten Ottfried Fischer hat der Karl-Valentin-Orden seine Würde verloren. "Ich habe mir abgewöhnt, über die Narrhalla oder mit der Narrhalla über Dinge zu sprechen, von denen sie keine Ahnung haben", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Würdevolle Verleihung von Faschingsorden an künftige bzw. gegenwärtige Ordensträger - das können sie nicht mehr."

Zu Gabalier als Preisträger wollte der Kabarettist sich ausdrücklich nicht äußern. "Ich sage dazu nichts, weil ich den arg geschundenen Karl Valentin, wie alle Jahre wieder, nicht diesem Dschungelcamp des karnevalistischen Humors erneut ausliefern möchte", sagte Fischer. Er fügte hinzu: "Valentin würde sich mehrmals am Tag im Grab umdrehen, wenn er wüsste, was man mit ihm anstellt."

Kritiker: Gabaliers Texte rechtspopulistisch und frauenfeindlich

Sabine Rinberger, Direktorin des Valentin-Karlstadt-Musäums, ist entsetzt darüber, dass die Narrhalla Gabaliers Lied "A Meinung haben" mit Valentins Zitat "Fremd ist der Fremde nur in der Fremde" verknüpft. Das sei "der Gipfel", so Rinberger: "Wie kommt man darauf, dass Valentins 'Fremd ist der Fremde nur in der Fremde' irgendeinen Bezug zu Gabaliers rechtspopulistischen, homophoben, fremden- und frauenfeindlichen Texten hat?" In dem Valentin-Zitat gehe es um Toleranz.

Christian Ude, Alt-Bürgermeister der Stadt München und selbst Karl-Valentin-Preisträger, nennt die Entscheidung der Narrhalla einen schockierenden Fehlgriff. Der Kabarettist Holger Paetz will sich in einem offenen Brief "gegen die Entwürdigung des großen Münchners zur Wehr setzen".

FPÖ-Chef Strache verteidigt Gabalier

Derweil bekommt der steirische Sänger Rückendeckung aus seinem Heimatland Österreich. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache schrieb in einem Facebook-Post, das sei "schon pathologischer Hass gegenüber andersdenkenden Kunstschaffenden".

Gabalier-Management äußert sich nicht im BR

Das Management von Gabalier wollte sich gegenüber dem BR nicht zum Thema äußern. Der "Bild"-Zeitung sagte er: "Wenn sich ein paar Einzelne aufregen, die mich persönlich überhaupt nicht kennen, dann juckt mich das nicht." Und: "Ich bin wohl einigen zu bodenständig, aber das werde ich ganz sicher nicht für diese Leute ändern." Das Management des Künstlers sagte dem BR allerdings, die Aussagen in der "Bild"-Zeitung seien so nicht zutreffend.

Narrhalla beruft sich auch auf Medienwirksamkeit

Zu den zahlreichen Vorwürfen äußerte sich die Narrhalla in einem Schreiben: Gabalier ecke gelegentlich mit seiner Haltung und Meinungsäußerung an, "in erster Linie aber nur bei missgünstigen Andersdenkern und Neidern".

Man könne den Musiker keinesfalls einfach in die rechte Ecke stellen und ihm Homophobie oder Frauenfeindlichkeit vorwerfen. Gerade bei seinen Konzerten würden ihn ja auch überwiegend weibliche Fans feiern. Von Seiten der Narrhalla sei Gabalier jedenfalls eine berechtigte Auswahl für den Karl-Valentin-Orden, nicht nur wegen seiner München- und Heimatverbundenheit, sondern - da ist die Faschingsgesellschaft ganz ehrlich - "nicht zuletzt wegen der großen Medienträchtigkeit".

Die Verleihung des Karl-Valentin-Ordens an Gabalier soll am 2. Februar stattfinden.

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B5 Bayern

Autoren
  • Daniel Knopp
  • Simon Emmerlich
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