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Bildrechte: BR/Melina Geyer

Der nördlichste Trakt des Schlosses Nymphenburg (im Vordergrund), ein Gebäude aus den 1960er-Jahren, soll einem Museums-Neubau weichen.

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    Streit um Museums-Neubau am Schloss Nymphenburg

    Schloss Nymphenburg: ein Barocktraum aus Stein, eine Schlossanlage mit einer Spannweite größer als Versailles. Doch seit Jahren schwelt Streit: Ein Gebäudetrakt soll einem Museumsneubau weichen. Die Gegner des Projekts starten einen erneuten Protest.

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    Von
    • Susanne Hagenmaier

    Gut 700 digitale Unterschriften in wenigen Tagen. So könnte es weitergehen, finden die Initiatoren der Online-Petition gegen einen Museums-Neubau am Schloss Nymphenburg, darunter auch CSU-Stadtrat Leo Agerer. Der Kommunalpolitiker saß mehrere Jahre im örtlichen Bezirksausschuss. Er will das Museums-Projekt verhindern, und er ist damit nicht allein. Auch eine Bürgerinitiative hat sich gegründet, mit dem gleichen Ziel. Dabei klingen die Pläne für das neue Museum für viele durchaus verlockend.

    Das Alte soll weichen - Entwurf vom Experten

    Ein neues Naturkundemuseum für die Stadt mit Strahlkraft weit darüber hinaus, innovativ und interaktiv: Das Versprechen die Macher von "Biotopia" und haben bereits im Botanischen Institut das "Biotopia Lab" eröffnet. Für das eigentliche Museum soll aber ein eigens dafür konzipierter Neubau entstehen, und zwar am Nordrand des Nymphenburger Schlosses. Der Haken nur: Dort steht schon ein Gebäude. Das soll abgerissen und durch den Neubau ersetzt werden.

    Geplant hat diesen Neubau der renommierte Architekt Volker Staab. Er gilt als Experte für moderne Museen in historischen Gebäuden. Von ihm stammen unter anderem das Neue Museum in Nürnberg, die Erweiterung des Medizinhistorischen Museums in Ingolstadt und das Museum der bayerischen Könige in Hohenschwangau. Die Bürgerinitiative hält nichts von seinen Plänen für das Schloss Nymphenburg, und noch weniger hält sie vom Abriss des alten Gebäudes. Dabei handelt es sich allerdings um einen Bau aus dem 20. Jahrhundert.

    Das Original ist längst verschwunden

    Die Nationalsozialisten ließen den "Kapuzinerbau", ein Klostergebäude, in den 1930er-Jahren abreißen, um stattdessen ein Jagdmuseum zu errichten. Doch dazu kam es nie. In den 1960er-Jahren wurde dann das Gebäude errichtet, wie es heute noch steht: Ein zurückgenommener, an die Schlossfassaden angepasster Bau für das Institut für Genetik, der die Symmetrie des Gesamt-Ensembles erhält. Doch das Institut gibt es so nicht mehr, das Gebäude steht seit Jahren leer.

    Bruch mit dem Denkmalschutz

    Trotzdem: Eine "Amputation" sei da geplant, schimpft der Kunsthistoriker Hans Ottomeyer. Aus seiner Sicht nimmt der geplante Neubau viel zu wenig Rücksicht auf das Schlossensemble, seine Gestaltung und seine Symmetrie – eine Ansicht, die auch der Verband deutscher Kunsthistoriker teilt und das Schloss deshalb auf seine "Rote Liste" für bedrohte Denkmäler gesetzt hat.

    Überhaupt sei auch der Bau aus den 1960er-Jahren ein Denkmal, argumentiert Neven Denhauser, Ottomeyers Mitstreiter in der Bürgerinitiative. Jahrzehntelang sei er als solches auch im online abrufbaren Bayerischen Denkmalatlas geführt gewesen. Doch 2016 habe sich das auf einmal geändert, so der angehende Kunsthistoriker. Hat das Landesamt für Denkmalschutz getrickst?

    "Gebäude ist kein Denkmal"

    Mitnichten, sagt dessen Leiter, Generalkonservator Mathias Pfeil. Es habe sich um einen Fehler gehandelt, eine falsche Eintragung, die lediglich korrigiert worden sei: "Das Gebäude hat keinen Denkmalwert und hat ihn auch nie gehabt." Das Landesamt hat den Architekturwettbewerb um den Museumsneubau eng begleitet. "Wir haben immer gesagt, wir stimmen dem Abriss des alten Gebäudes zu, wenn der Bau, der danach kommt, ins Ensemble passt." Der jetzige Entwurf erfüllt aus Sicht des Landesamts diese Vorgaben.

    Eine Einigung um den Denkmalschutz scheint nicht möglich. Doch vielleicht wird die Auseinandersetzung auch an einer ganz anderen Stelle entschieden. Im Sommer soll sich der Bayerische Landtag mit dem Projekt "Museums-Neubau" beschäftigen. Dabei wird es auch ums Geld gehen, denn zahlen müsste der Freistaat. Es kursiert die Summe von 200 Millionen Euro für Abriss und Neubau. Ob die Abgeordneten bereit sind, diese Summe freizugeben, ist fraglich. Wenn nicht, dann bleibt der nördlichste Trakt des Nymphenburger Schlosses erst einmal stehen. Leer.

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