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Streit um Müllentsorgung in Altenstadt | BR24

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Das Heizkraftwerk in Altenstadt produziert seit über 20 Jahren grünen Strom aus Biomasse und ist Vorreiter für regenerative Energie in Deutschland. Doch künftig will der Betreiber Müll beimischen. Die Ängste in der Bevölkerung sind groß.

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Streit um Müllentsorgung in Altenstadt

Das Heizkraftwerk in Altenstadt produziert seit über 20 Jahren grünen Strom aus Biomasse und ist Vorreiter für regenerative Energie in Deutschland. Doch künftig will der Betreiber Müll beimischen. Die Ängste in der Bevölkerung sind groß.

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Bisher werden im Heizkraftwerk in Altenstadt (Lkr. Weilheim-Schongau) nur Altholz und Grüngut wie Äste oder Hecken energetisch verwertet - doch jetzt hat der Betreiber einen Antrag gestellt, um auch Müll beizumischen. Die Bevölkerung reagiert besorgt.

Dicke Luft im Pfaffenwinkel - Ängste und Sorgen

Bläst der Wind aus Westen oder ist eine Inversionswetterlage, dann riechen es die Schongauer schon jetzt - ob es das Heizkraftwerk, die Papierfabrik oder die Klärschlammverwertung oder aber vielleicht auch die Futtertrocknungsanlage ist, weiß keiner genau. Die Bürger befürchten durch eine Müllverbrennung weitere Geruchsbelastungen und Schadstoffe. Siegfried Schuster, der Chef des Heizkraftwerks, wiegelt ab - zum einen werde der Ersatzbrennstoff nur der Holzverwertung beigemischt, zum anderen verspricht er neue, effektivere Filter.

Betreiber fühlt sich falsch verstanden

Siegfried Schuster greift in einen Behälter und lässt die auf zwei bis drei Zentimeter geschredderten Müllteilchen auf den Tisch rieseln: Dieser sogenannte Ersatzbrennstoff kommt aus speziellen Entsorgungsbetrieben, die etwa Müll aus dem gelben Sack aussortieren und zerkleinern, erklärt er. Dieser Ersatzbrennstoff soll bei der Verbrennung von Holz beigemischt werden – maximal 50 Prozent.

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Dieser Ersatzbrennstoff soll bei der Verbrennung von Holz beigemischt werden – maximal 50 Prozent.

Daher spricht Schuster auch von einer Mitverbrennunganlage und verbittet sich den Begriff Müllverbrennungsanlage: "Der Bürger von Schongau kann ganz beruhigt sein - wir werden nicht mehr, sondern weniger Emissionen abgeben. Und schon jetzt sind wir an der Nachweisgrenze - das heißt, die Geräte können gar nicht anzeigen, ob wir am Netz sind oder nicht - darauf sind wir stolz!"

Aktionsbündnis läuft Sturm und fordert Transparenz

Das sieht ein breit aufgestelltes Bündnis von Umweltverbänden und mehreren Parteien anders – sie nennen sich sogar explizit "Aktionsbündnis gegen die Müllverbrennungsanlage Altenstadt". Ihr Sprecher ist Hans Schütz. Er kann bei einer solchen Aussage nur den Kopf schütteln: "Aus den Kaminen kommt nie was raus - das ist lächerlich - natürlich kommt was raus, sonst bräuchte man ja keine Filteranlagen und Grenzwerte, die eingehalten werden. Man braucht Informationen, was kommt rein in die Anlage, wie sind die technischen Anlagen, welche Filteranlagen sind dran - dann kann man das vielleicht beurteilen."

Forderung nach öffentlicher Diskussion

Vieles sei unklar, was genau im Heizkraftwerk in Altenstadt entstehen soll, heißt es vom Aktionsbündnis. Das liege auch daran, dass die Regierung von Oberbayern ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren gewählt hat – das würde ohne Öffentlichkeit durchgeführt, moniert Falk Sluyterman, der Bürgermeister von Schongau.

Gerade bei Westwind oder Inversionswetterlagen wären die Schongauer Bürger direkt betroffen – darum fordert Slytermann ein öffentliches Verfahren mit Betreiber, Fachleuten und Umweltverbänden: "Das Verfahren, wie es jetzt gewählt wurde, führt dazu, dass die Regierung von Oberbayern im fernen München aus der Amtsstube entscheidet und überhaupt nicht die Ängste und Sorgen der Bürgerschaft mitbekommt."

Fronten verhärtet – Protestwelle wird kommen

Den Vorwurf der Intransparenz will Kraftwerksbetreiber Siegfried Schuster nicht auf sich sitzen lassen, ein öffentliches Verfahren will er aber auch nicht. Laut seiner Aussage würde das zu lange dauern und zu viel kosten. Hans Schütz vom Aktionsbündnis lässt jedoch nicht locker  – er will Tatsachen und keine Behauptungen. Um dies durchzusetzen, sind Politiker verschiedener Parteien mobilisiert und bereits Eingaben an die Regierung von Oberbayern eingebracht worden – außerdem sind Protestaktionen geplant.

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Heizkraftwerk in Altenstadt.

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Heizkraftwerk in Altenstadt.

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Heizkraftwerk in Altenstadt.

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Heizkraftwerk in Altenstadt.

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Heizkraftwerk in Altenstadt.

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Heizkraftwerk in Altenstadt.

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Heizkraftwerk in Altenstadt.

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Siegfried Schuster, der Chef des Heizkraftwerks.

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Hans Schütz, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen die Müllverbrennungsanlage Altenstadt.

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