Die Stimmung um den geplanten Lift für Mountainbiker im Heumörderntal in Treuchtlingen spitzt sich weiter zu.

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Streit um Mountainbike-Lift im Heumöderntal spitzt sich zu

Streit um Mountainbike-Lift im Heumöderntal spitzt sich zu

Der Streit um einen geplanten Lift für Mountainbiker im Heumöderntal in Treuchtlingen spitzt sich zu. Bei einem Ortstermin wurde der Investor massiv angegangen. Anwohner befürchten mehr Zulauf für die Trails und beklagen den Verlust von Wanderwegen.

Im mittelfränkischen Heumöderntal brodelt es, denn im Mountainbike-Trailpark in Treuchtlingen will ein junger Investor einen neuen Skilift bauen. Die Pläne sind zur Genehmigung eingereicht und liegen in den nächsten Wochen öffentlich zur Einsichtnahme für Bürgerinnen und Bürger aus. Bei einem für Anwohnerinnen und Anwohner geplanten Rundgang über das Gelände wurden der Treuchtlinger Liftinvestor, der Bürgermeisterin und der Verantwortliche der bestehenden Strecken im Wald heftig angegriffen.

Hitzige Gesprächsatmosphäre im Heumöderntal

Knapp 50 Menschen waren beim Ortstermin am Heumödern-Trailpark dabei. Nach kurzen Einführungsworten des Investors wurde Treuchtlingens Bürgermeisterin Kristina Becker (CSU) gleich mit Detailfragen zur Genehmigung der Mountainbike-Trails bombardiert. "Heute geht es um den Lift", sagte sie, nachdem sie etliche Antworten gegeben hatte, "vielleicht können wir es uns anschauen, die Vorteile abwägen und ein vernünftiges Gespräch miteinander führen". Investor Christian Wißmüller führte die Gruppe hundert Meter weiter an den Rand des Skihangs. Er deutete zur geplanten Trasse für den gebrauchten Skilift. Er plant, eine Schneise von sieben Metern Breite in den Wald zu schlagen.

Mit Fragen bombardiert

Für ein artenschutzrechtliches Gutachten sei der Bereich bereits auf schützenswerte Pflanzen und Tiere untersucht worden, meinte Wißmüller. Es folgte ein Fragenstaccato. Wann das Gutachten fertig sei, wer das Gutachten verfasse, in wessen Auftrag die Biologen arbeiteten? "In unserem Auftrag", antwortete Wißmüller. Es folgte höhnisches Raunen. "Das ist doch lächerlich, wenn ich das selber bezahle, dann kann ich doch das Ergebnis entsprechend beeinflussen", sagte einer. Die Bürgermeisterin sprang dem jungen Treuchtlinger Investor beim Ortstermin bei. "Das wird doch von Fachleuten in der Unteren Naturschutzbehörde geprüft. Wenn jemand einen Schmarrn schreibt, würde das auch auffallen", so Becker.

Befürchtung: mehr Zulauf von Mountainbike-Sportlern

Über weite Strecken des Ortstermins blieb die Gesprächsatmosphäre angespannt. Viele Anwohner befürchten, dass der Lift erheblich mehr Mountainbiker ins Tal locken könnte. Im Corona-Jahr war das angrenzende Wohngebiet häufig zugeparkt. Außerdem befürchten Kritikerinnen und Kritiker des Lift-Projektes, der Sportbetrieb könnte sich ausweiten. "Wenn dieser Lift steht, kommen die Leute von noch weiter her. Und die Leute wollen natürlich weitere Wege im Wald fahren und dann wird das Mountainbike-Gebiet noch erweitert um Treuchtlingen herum", sagte Wolfgang Tischler am Rande des Rundgangs zu BR24. Das werden die Betreiber nicht mehr im Griff haben, befürchtete er. In den Lageplänen zum Lift sind zwei weitere Trails in der Nähe des Liftes vorgesehen.

Kreuzungen mit Wanderwegen besser kennzeichnen

An verschiedenen Stellen des Geländes machte die Gruppe halt. Etwa dort, wo sich Radfahrer und Wanderer kreuzen und es zu Zusammenstößen kommen kann. Wiederholt wurde das Bedauern geäußert, dass Spaziergänger nicht mehr wie früher überall ungestört laufen könnten und Wanderwege zugunsten der Radler wegfielen. Der Initiator des Trailparks, Robert Rieger, beantwortete die Fragen mit Ruhe und Geduld. "Wir haben die Mountainbiker doch vom Panoramaweg runtergeholt und dort die Situation verbessert", sagte er. Vereinzelt kamen konstruktive Anregungen. So fiel etwa der Vorschlag, Mountainbiker mit plakativen Schildern von der Einfahrt in einen Wanderweg abzuhalten. Oder ein Kombiticket für Bahn und Skilift anzubieten, um Radler zur Anreise mit dem Zug zu bewegen. Investor Wißmüller nahm diese Vorschläge dankbar entgegen.

Alpenverein unterstützt Liftprojekt

Der neue Lift würde zwar in erster Linie für Mountainbiker gebaut, könnte aber im Winter als Skilift genutzt werden. "Durch die Doppelbügel würden die Warteschlangen entfallen", erklärte Stefan Baum vom Alpenverein Treuchtlingen. Zehn Jahre lang habe er den alten Lift bei Schnee ehrenamtlich aufgebaut. "Das war sehr aufwändig. Wenn das wegfallen würde, käme das uns sehr entgegen", so Baum. Die neue Liftspur könnte maschinell präpariert werden, und für den Betrieb sei wesentlich weniger Personal nötig, erklärte er. "Es ist eine Riesenchance für Treuchtlingen", pflichtete ein anderer bei. Eine Frau dagegen erklärte, im vergangenen Winter seien viele Menschen auch ohne Lift Ski gefahren. "Das war viel schöner, und man hat gesehen, dass das auch ohne Lift geht."

Bedauern und Frust bei jungen Leuten

Am Rande des Rundgangs äußerten sich jüngere Leute im Interview. Zwei Teenager erklärten, es kämen ja nur ältere Menschen zu Wort, die gar kein Mountainbike fahren würden. Andere bedauerten, dass es in Treuchtlingen kaum Angebote für Jüngere gebe. Vor einigen Jahren wurde ein Ableger der privaten Hochschule für angewandtes Management mit Fördermitteln in Treuchtlingen angesiedelt. Student Lukas Spießl kam wegen des Studiengangs Outdoorsport in die Stadt und engagiert sich seitdem im Trailpark. Die Veranstaltung setzte ihm sichtlich zu. "Die Menschen, die hier im Ort was bewegen wollen, werden stark persönlich angegriffen. Das ist ein Punkt, der mir nahegeht. Ich sehe meine Zukunft hier."

Veranstaltung aus dem Ruder gelaufen

Investor Christian Wißmüller bilanzierte nach zweieinhalb Stunden Ortstermin, viele Leute seien mit einer negativen Grundhaltung gekommen. "Sie wollten nicht informiert werden, sondern ihr Contra loswerden, was ich schade finde." Die Wortführerin der Kritiker erklärte BR24, sie habe sich nicht mit dem Investoren, sondern mit der Bürgermeisterin auseinandersetzen wollen. Die Pläne des Investors seien ihr bereits aus anderen Informationsveranstaltungen bekannt. Bürgermeisterin und Investor hatten vor Ort übereinstimmend erklärt, zum Ortstermin habe Wißmüller eingeladen.

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