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Tierschutz: Streit um Mauereidechse in Nürnberg | BR24

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Artenschutz und Bauboom - das verträgt sich in vielen Fällen nur bedingt. Immer wieder kommt es zu Konflikten. Ein Beispiel: eine Baustelle in Nürnberg. Hier geht's um eine kleine Eidechse und neue Wohnungen...

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Tierschutz: Streit um Mauereidechse in Nürnberg

Artenschutz und Bauboom – das führt immer wieder zu Konflikten. Für dringend benötigten Wohnraum bleibt oft der Lebensraum von Tieren auf der Strecke. In Nürnberg zum Beispiel lebt eine kleine Eidechsenart, vielleicht aber nicht mehr lange.

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Von
  • Nicole Schmitt

Ein wenig Ähnlichkeit mit einer Schlange hat sie, zugegeben, die Mauereidechse. Oben ist sie unscheinbar braun-gemustert gefärbt, die Bauchseite ist weißlich, gelb oder rötlich getönt. Vom Kopf bis zur Schwanzspitze misst sie etwa 20 Zentimeter. Bevorzugt lebt das Reptil in der Wildnis. Doch weil die rar ist, hat sich die Mauereidechse einen neuen Lebensraum gesucht. In Nürnberg lebt die Mauereidechse an schotterreichen Gleisanlagen oder ganz in der Nähe in der Umgebung der Jansenbrücke im Stadtteil Gostenhof.

Reptilien-Experte findet Mauereidechsen auf Großbaustelle

Der Oberasbacher Reptilien-Experte Helmut Willert hat in diesem Bereich rund um die Bahnanlage etliche der Kriechtiere entdeckt. Und auch auf einer Großbaustelle ist er im September dieses Jahres fündig geworden. "Hier an diesem Bauzaun entlang haben sich überall Mauereidechsen in der Sonne an den Steinen aufgewärmt", erzählt der 60-Jährige.

Er schätzt die Population in dieser Gegend rund um die Nürnberger Jansenbrücke und dem angrenzenden Bahngelände auf weit mehr als 1.500 Tiere. Dokumentiert hat er das Vorkommen auf etwa 150 Fotos. So habe er herausgefunden, dass diese Eidechsenart einer streng geschützten Mauereidechsen-Unterart optisch sehr ähnelt.

Bauarbeiten verdrängen Mauereidechsen

Eine schöne Entdeckung, sollte man meinen. Allerdings gibt es dabei ein Problem: Gleich neben der Jansenbrücke auf besagter Großbaustelle entsteht ein mächtiger Wohnkomplex mit etwa 135 Wohnungen. Der Rohbau ist schon fertig. "Wohnen für alle" steht in großen Buchstaben auf einem Plakat vor der Baustelle. Gemeint ist damit allerdings der Mensch und nicht die Mauereidechse.

Und genau das kritisiert der Tierschützer, der sich bereits seit seiner Kindheit für die Belange von Flora und Fauna einsetzt. Denn während der Bauarbeiten sei auf die Mauereidechsen keine Rücksicht genommen worden: "Weil sie eben durch Gutachter nicht gefunden worden sind, wurde der Boden für Fundamente oder Keller ausgebaggert. Dadurch sind sehr viele Tiere begraben worden."

Um den Tierbestand trotz Baufortschritts zu sichern, wünscht sich der Reptilien-Experte, dass für die noch lebenden Mauereidechsen Ausgleichsflächen geschaffen werden. "Ich sehe das so: Wenn die Tiere nun schon mal da sind und auch keinen Schaden anrichten, dann könnte man sie ganz im Sinne der Natur auch hier belassen." Denn im Gegensatz zu den einheimischen Eidechsenarten liebten die Mauereidechsen vegetationsarme Flächen, erklärt Helmut Willert.

Umweltamt: Nürnberger Mauereidechse nicht schützenswert

Und genau das ist der Knackpunkt. Denn laut dem Umweltamt der Stadt ist die Nürnberger Mauereidechse keine heimische, sondern eine eingeschleppte Art. Deshalb gebe es rein rechtlich auch keinen Handlungsbedarf, erläutert die Fachbereichsleiterin für Artenschutz, Catrin Wagner.

"Die Situation ist leider so. Es gibt in Nürnberg keine heimisch nachgewiesene Mauereidechse, bei uns sind nur die Zauneidechsen heimisch. Die Mauereidechsen, die hier zu finden sind, sind eingeschleppt worden, zum Beispiel mit der Bahn." Deshalb falle diese Art auch nicht unter den Schutzstatus des §44 des Bundesnaturschutzgesetzes. Da sei man sich mit dem Landesamt für Umweltschutz und der Regierung von Mittelfranken einig.

Tierschützer wünscht sich neue Heimat für Mauereidechsen

Das bedeutet konkret, dass die gefundenen Mauereidechsen nicht umgesiedelt werden müssen, weil sie eben nicht streng schützenswert sind. Auch wenn ihm diese Antwort nicht gefällt, aufgeben will Helmut Willert noch nicht. Er hofft darauf, dass nach Abschluss der Baumaßnahme vielleicht eine kleine Stützmauer gezogen wird. In dieser könnten sich die Mauereidechsen dann neu beheimaten.

"Für die Zukunft würde ich mir von der Stadt Nürnberg wünschen, dass die Flächen, die ohnehin schon zur Verfügung stehen, eben leicht gepflegt werden, dass ein Teil dieser Eidechsen weiter hier leben kann," hofft Willert.

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