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Streit um Löhne: Krankenpflegerin fühlt sich ausgenutzt | BR24

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Gäste in der Sendung: Susanne Ferschl, DIE LINKE, Bettina Rödig, Krankenpflegerin, Carolina Trautner, Arbeits- und Sozialministerin in Bayern und Ursula Weidenfeld, Wirtschaftsjournalistin

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Streit um Löhne: Krankenpflegerin fühlt sich ausgenutzt

Prekäre Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel, niedrige Löhne – die systemrelevanten Helden der Corona-Krise sind im Streik. In der Münchner Runde sprechen Expertinnen über die mangelnde Wertschätzung und was man dagegen tun muss.

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Von
  • Cosima Weiske

Für die Krankenpflegerin und Vorsitzende der ver.di-Jugend Bayern, Bettina Rödig, ist die Bezahlung in den systemrelevanten Berufen viel zu gering. Sie sagt, im Nachtdienst sei sie teilweise alleine für über 30 Personen zuständig. Vor dem Hintergrund der großen Verantwortung fordert Rödig, dass systemrelevante Berufe wie ihrer mehr wertgeschätzt und dementsprechend besser bezahlt werden sollten.

Eine Pflegerin ist für über 30 Patienten verantwortlich

Die Krankenschwerster kämpft auch im aktuellen Tarifstreit für höhere Löhne. Um zu verdeutlichen, wie hoch die Ansprüche an sie und ihre Kolleginnen und Kollegen sind, erzählt sie aus ihrem Arbeitsalltag.

"Es gibt Schichten, da hat man nicht mal Zeit, auf die Toilette zu gehen. Ich fühle mich vollständig verarscht, wir sind seit Jahren am absoluten Limit. Wir werden ausgenutzt, wir werden verheizt, die Leute arbeiten sich kaputt." Bettina Rödig, Krankenpflegerin

Dafür erntete sie Kritik von der Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld. Das mittlere Einkommen von einigen Berufen in der Pflegebranche läge sogar über dem mittleren Einkommen in Deutschland. Vor dem Hintergrund des angeschlagenen Staatshaushalts müsse man sich genau überlegen, ob derzeit ein Warnstreik überhaupt angemessen sei.

Die Berufe sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden

Bayerns Familienministerin Carolina Trautner betonte, man solle keine Berufe gegeneinander ausspielen. Das Streikrecht sei ein hohes Gut und sie könne nachvollziehen, warum die Menschen im öffentlichen Dienst derzeit höhere Löhne forderten. Allerdings betont die CSU-Politikerin auch, dass sie als Ministerin nicht in die Tarifverhandlungen eingreifen könne.

Dem widerspricht Susanne Ferschl, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag - die Union habe es versäumt, die Stellschrauben für bessere Arbeitsbedingungen zu stellen: "Der hohe Niedriglohnbereich im Einzelhandel ist seit Jahren unverändert, ebenso wie die prekären Beschäftigungsverhältnisse."

Im Ausland nach Fachkräften suchen

Auch das Thema Personalmangel wurde in der Sendung hitzig diskutiert: Aufgrund der demografischen Entwicklung sieht sich Bayerns Ökonomie laut der Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld praktisch in allen Bereichen mit dem Fachkräftemangel konfrontiert. Angesichts dessen sei es durchaus richtig, im Ausland nach Beschäftigten Ausschau zu halten, die in Deutschland arbeiten möchten. Die Krankenpflegerin Bettina Rödig verurteilte diese Aussage scharf als "kranke Logik" des Kapitalismus. Man solle den Menschen in Deutschland mehr bezahlen, anstatt nach billigen Arbeitskräften im Ausland zu suchen.

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Münchner Runde: Streit um höhere Löhne für Pflegeberufe

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