Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Streit um Holzkirchner Kuhglocken geht vor den Bundesgerichtshof | BR24

© picture alliance/Peter Kneffel/dpa

Der Streit um die zu Kuhglocken aus Holzkirchen geht in die nächste Runde: Das Ehepaar will gerichtlich eine Ende des Gebimmels erreichen.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Streit um Holzkirchner Kuhglocken geht vor den Bundesgerichtshof

Seit Jahren streiten ein Ehepaar und eine Bäuerin in Holzkirchen um das Geläut von Kuhglocken. Mehrmals wurde der Fall vor dem OLG in München verhandelt. Letzter Stand: Die Kuhglocken dürfen bimmeln. Jetzt will das Ehepaar vor den Bundesgerichtshof.

Per Mail sharen

Der seit Jahren währende Kuhglockenstreit von Holzkirchen geht höchstrichterlich in Karlsruhe weiter: Nach der Abweisung seiner Klage vor dem Oberlandesgericht (OLG) München wolle der Kläger den Bundesgerichtshof einschalten und Revision einlegen, sagte die Rechtsanwältin der Gemeinde Holzkirchen, Annika Hecht. Der Anwalt des Klägers habe dies der Gemeinde mitgeteilt.

Ehepaar fühlt sich seit Jahren von den Glocken gestört

Seit Jahren fühlt sich ein Ehepaar in dem oberbayerischen Ort von den Glocken der Kühe einer Bäuerin auf der angrenzenden Weide gestört und will gerichtlich ein Ende des Gebimmels erreichen.

Die Frau berichtete unter anderem über Depressionen und Schlafstörungen. Außerdem stört sich das Ehepaar an den Insekten, die durch die Kühe angelockt wurden und die entstandene Geruchsbelästigung, seit die Gemeinde Holzkirchen das Nachbargrundstück an eine Bäuerin zur Beweidung verpachtet hat.

Die beiden klagten deswegen in getrennten Verfahren nicht nur gegen die Bäuerin, sondern auch gegen die Gemeinde.

Bisher vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht gescheitert

Beide sind vor dem Landgericht München II gescheitert; der Ehemann unterlag auch vor dem OLG. Grund dafür ist vor allem ein vom Ehemann 2015 mit der Bäuerin geschlossener und nach Ansicht der Gerichte gültiger Vergleich, nach dem nur im entfernteren Teil der Wiese mit gut 20 Metern Abstand Kühe mit Glocke grasen dürfen. An diesen Vergleich hält sich die Bäuerin. Dem Ehepaar ist es aber weiter zu laut. Deren Anwalt Peter Hartherz hatte vorgebracht, Messungen am Schlafzimmerfenster des Paares hätten eine Lautstärke von mehr als 70 Dezibel ergeben.

OLG lies Revision nicht zu

Das OLG hatte eine Revision nicht zugelassen, dagegen legte der Ehemann nun Beschwerde ein. "Der BGH muss sich auf jeden Fall damit befassen, denn er muss zumindest über die Zulassung der Revision entscheiden", erläuterte Anwältin Hecht.

Sollte es nicht zur Revision kommen, geht der Fall zumindest in München weiter: Hier steht noch das Verfahren der Ehefrau in zweiter Instanz vor dem OLG aus.

Aigner äußerte sich bereits zum Fall

Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) begrüßte das Urteil des OLG.

"Es ging bei diesem Streit um grundsätzlich mehr als um vermeintlichen Lärm, hier geht es um das Miteinander von Alteingesessenen und Hinzugezogenen. Zu unserer ländlichen Lebensart gehört die Kuh auf der Weide – samt Kuhglocke." Landtagspräsidentin Ilse Aigner

Wer privilegiert im Oberland leben möchte, sollte auch die Lebensgepflogenheiten der Menschen akzeptieren, so Aigner, zu deren Stimmkreis auch Holzkirchen gehört. Klagen gegen Kirchenlärm, Kuhglocken oder Hähnekrähen würden einen Keil zwischen Alteingesessene und Neubürger treiben – auch, wenn es bislang nur Einzelfälle seien, sagte Aigner.

© BR

Gehört Kuhglockengeläut zum Landleben in Bayern oder ist es krankmachender Lärm? Die Kontrahenten trafen sich vor dem Oberlandesgericht.