Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Streit um Knoblauchsländer Kirchweihen | BR24

© BR

Die Kärwa-Burschen aus dem Knoblauchsland präsentieren ihre Kampagne zur Rettung der Kirchweihen vor dem Neunhofer Schloss.

2
Per Mail sharen
Teilen

    Streit um Knoblauchsländer Kirchweihen

    Almoshof, Neunhof, Kraftshof – das sind Stadtteile von Nürnberg. Früher waren es Dörfer mit stolzen Traditionen. Auch heute noch wird die Kirchweih-Tradition geehrt und entsprechend groß gefeiert. Doch neue Vorschriften bedrohen das Brauchtum.

    2
    Per Mail sharen
    Teilen

    Wenn es um ihre Kirchweih geht, dann packen die Kärwa-Burschen im Knoblauchsland schweres Gerät aus. Mit einem Traktor und einem großen Banner auf dem Anhänger fahren Andreas Riedl und seine Freunde vor das Neunhofer Schloss, um ihrem Protest eine passende Kulisse zu verleihen. Ihre Mission: ihre Kirchweihen retten. Sie sehen das Brauchtum gefährdet. Denn die Stadt Nürnberg hat strenge Vorschriften für Kirchweihumzüge erlassen.

    "Die Stadt macht uns Auflagen, die wir nicht einhalten können. Und somit stehen wirklich die Kirchweihumzüge im Norden zur Disposition. Bis zu dem Thema, dass man es gar nicht stattfinden lassen kann. So wie die Stadt die Sicherheitsauflagen fordert." Andreas Riedl, Kärwabursch aus Boxdorf

    Besuchermagnet Kärwa-Umzug

    Viel Engagement und Kreativität stecken die Kärwa-Burschen in der Gestaltung der Festwagen. Die Umzüge sind zwar nicht ganz so groß wie der berühmte Erntedankzug zur Fürther Michaelis-Kirchweih. Trotzdem kommen regelmäßig Zehntausende Menschen zu den Umzügen in die Dörfer im Knoblauchsland. Die Straßenverkehrsordnung legt fest, dass die Aufbauten vom TÜV abgenommen werden müssen.

    Vier Ordner pro Wagen

    Bisher wurde das eher lax gehandhabt. Seit diesem Jahr pocht die Stadt jedoch auf TÜV-Gutachten. Außerdem ist es nun vorgeschrieben, dass jeweils vier Ordner in Warnwesten neben jedem Gespann für Sicherheit sorgen müssen. Das ist nicht zu leisten, sagen die Kärwa-Burschen. Doch der Nürnberger Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR) verteidigt die neue Handhabung der Regeln.

    "Wenn es gut läuft, dann denkt man darüber nicht nach. Aber es kann durchaus auch mal passieren, dass Unruhe, dass eine Panik entsteht und die Leute auf einmal kreuz und quer durcheinander laufen. Und dann ist sowas sehr schnell mal passiert – und darum geht es. Letztendlich ist so eine Sicherung dafür da, wenn es mal nicht optimal läuft." André Winkel, Servicebetrieb Öffentlicher Raum, Nürnberg

    Geldsorgen bei Kärwa-Burschen

    Ist das Brauchtum also noch zu retten? Bisher ging es auch mit weniger Aufwand. Künftig werden jedoch hundert und mehr Ordner pro Zug benötigt. Das können die Ehrenamtlichen nicht leisten. Auch vor den Kosten für die TÜV-Abnahme schrecken sie zurück. Das Aus für die Züge könnte das Ende der Kirchweih-Tradition im Knoblauchsland bedeuten.

    "Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ohne die Züge wäre. Und wenn es diese Züge nicht gäbe, glaube ich auch, dass die Kärwa – so wie wir sie jetzt kennen – nicht weiter besteht." Moritz Meier, Kärwa-Bursch aus Almoshof

    Wenig Spielraum für SÖR

    Es sieht nicht so aus, dass die Stadt nachgeben wird. Denn es sind Bundesgesetze, die eingehalten werden müssen.

    "Alle anderen Nürnberger Kärwa-Vereine mit denen wir da gesprochen haben – es hat im November einen Runden Tisch gegeben – die sind mit diesen Regelungen einverstanden. Und die restlichen drei aus dem Knoblauchsland... da müssen wir noch Überzeugungsarbeit leisten." Andre Winkel, SÖR

    Trotzdem machen die Kärwa-Burschen im Knoblauchsland mit ihrer Kampagne weiter. Vielleicht findet sich ja eine Lösung, wie ihnen die Stadt trotz der Auflagen helfen kann. Am Mittwochabend findet in Boxdorf eine Bürgerversammlung statt, wo sie ihr Anliegen vorbringen wollen.