Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Streit um Karl-Valentin-Orden für Andreas Gabalier | BR24

© dpa-Bildfunk

Andreas Gabalier

11
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Streit um Karl-Valentin-Orden für Andreas Gabalier

Die Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla will den Karl-Valentin-Orden an den österreichischen Musiker Andreas Gabalier überreichen. Bekannt ist das seit November - doch nun protestieren Valentin-Kenner und erheben schwere Vorwürfe gegen Gabalier.

11
Per Mail sharen
Teilen

"Da dreht‘s mir nicht nur den Magen um, da zerspringt mir das Herz", sagt Sabine Rinberger, die Direktorin des Valentin-Karlstadt-Musäums. Die Entscheidung, Andreas Gabalier den Karl-Valentin-Orden zu überreichen, habe jede Grenze überschritten. Karl Valentin sei der größte Künstler, den München hervorgebracht hat. Mit dem, wofür Andreas Gabalier steht, habe seine Kunst nichts zu tun.

Narrhalla sieht Gemeinsamkeiten

Die Narrhalla begründet ihre Entscheidung auf ihrer Internetseite so: Karl Valentin sah sich zeitlebens als Volkssänger. Andreas Gabalier, der selbsternannte Volks-Rock'n'Roller sei in der heutigen Zeit ein moderner "Volkssänger 2.0". Zudem stimmte Gabalier bei seinem Konzert im Münchner Olympiastadion das Lied "A Meinung haben" an. Damit habe der Sänger mit dem Stück "ein Loblied auf das Andersdenken, auf Menschen, die ihr politikverdrossenes Schweigen brechen und hinter ihrer Meinung stehen", geschaffen. Diese Haltung verknüpft die Narhalla mit Valentins Zitat: "Fremd ist der Fremde nur in der Fremde."

Kritik an Gabaliers Texten

Für Musäumsdirektorin Sabine Rinberger ist das "der Gipfel": "Wie kommt man darauf, dass Valentins 'Fremd ist der Fremde nur in der Fremde' irgendeinen Bezug zu Gabaliers rechtspopulistischen homophoben, fremden- und frauenfeindlichen Texten hat." Der Musiker stand für seine Ansichten immer wieder in der Kritik – beispielsweise weil er strikt auf der alten Version der österreichischen Bundeshymne - "Heimat bist du großer Söhne" – beharrte und das, obwohl der Text offiziell zu "Heimat großer Töchter und Söhne" geändert worden war.

Für Rinberger passt die ganze Person Andreas Gabalier nicht zum Freigeist von Karl Valentin. Bei seinem Zitat "Fremd ist der Fremde nur in der Fremde" gehe es um Toleranz. Karl Valentin habe dazu anregen wollen, anders über das Fremdsein nachzudenken als patriotisch und nationalistisch.

Viele empfinden Verleihung eher als Entwürdigung

Sabine Rinberger sagt, sie sei nicht die einzige, die so empfindet: "Ob es ein Ude ist oder eine Kinseher, da stellts jedem die Haare auf." Auch Kabarettist Holger Paetz will sich in einem offenen Brief "gegen die Entwürdigung des großen Münchners zur Wehr setzen." Die Narrhalla wolle jedes Jahr aufs Neue einem Prominenten mit an den Haaren herbeigezogenen Zitaten ihren Faschingspreis umhängen.

Dem Bayerischen Rundfunk sagte Paetz dazu wörtlich: "Die Narrhalla schmückt sich mit Leuten. Hauptsache das Deutsche Theater ist voll." Er fordert: "Sollen sie den Orden halt einfach umbenennen." So werde Karl Valentins Name nicht weiter missbraucht.

Narrhalla beruft sich auch auf Medienwirksamkeit

Zu den zahlreichen Vorwürfen äußerte sich die Narrhalla bereits in einem zweiseitigen Schreiben. Der 1. Vizepräsident Günter Malescha gesteht darin, dass Gabalier gelegentlich mit seiner Haltung und Meinungsäußerung anecke, "in erster Linie aber nur bei missgünstigen Andersdenkern und Neidern."

Laut Malescha könne man den Musiker keinesfalls einfach in die rechte Ecke stellen und ihm Homophobie oder Frauenfeindlichkeit vorwerfen. Gerade bei seinen Konzerten würden ihn ja auch überwiegend weibliche Fans feiern. Von Seiten der Narrhalla sei Gabalier jedenfalls eine berechtigte Auswahl für den Karl-Valentin-Orden, nicht nur wegen seiner München- und Heimatverbundenheit, sondern - da ist die Faschingsgesellschaft ganz ehrlich - "nicht zuletzt wegen der großen Medienträchtigkeit."

Bei der Narrhalla kann man die ganze Aufregung nicht verstehen. Karl Valentin müsse sich keineswegs im Grabe umdrehen. "Die Veranstaltung der Ordensverleihung würdigt Karl Valentin in allerhöchstem Maße", so der 1. Vizepräsident Günter Malescha.

Das Management von Andreas Gabalier wurde vom Bayerischen Rundfunk um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten. Diese blieb bis dato unbeantwortet.

Auswahl nach Valentin-Humor

Der Faschingsorden wird seit 1973 jährlich an eine Persönlichkeit aus Politik, Kunst, Wissenschaft, Literatur oder Sport verliehen. Die Auswahl erfolgt laut der Faschingsgesellschaft nach der humorvollsten bzw. hintergründigsten Bemerkung im Sinne von Karl Valentin.

Schon früher Ärger über Preisträger

Beim Valentin-Karlstadt-Musäum war man nicht immer unzufrieden mit den Preisträgern. Sabine Rinberger nennt als positive Beispiele: Loriot, Helmut Dietl oder auch Udo Wachtveitl und Senta Berger. In letzter Zeit hat es bei der Auswahl der Preisträger aber immer wieder gekracht. "Los gings bei Heino", sagt Musäumsdirektorin Rinberger. Und auch über den letzten Preisträger Philipp Lahm gab es in der Öffentlichkeit Verwunderung. Der Fußballweltmeister wurde für seinen Ausspruch: "Die meiste Luft hat der Ball" prämiert. Rinberger sagt dazu: "Aber der tut niemanden was."

"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen." Karl Valentin

Im vergangenen Frühjahr habe es ein freundliches Gespräch mit der Narrhalla gegeben, um wieder auf die gleiche Spur zu kommen. Rinberger erinnert sich, dass sie die Entscheider damals gewarnt habe, sie sollten den Bogen nicht überspannen. Der Musikpreis "Echo" wurde zu der Zeit an zwei in der Kritik stehende Rapper, Farid Bang und Kollegah, verliehen. Es gab einen Antisemitismus-Skandal und der bis dahin wichtigste Musikpreis Deutschlands wurde daraufhin abgeschafft.

Die festliche Verleihung des Karl-Valentin-Ordens an Andreas Gabalier soll am 2. Februar stattfinden.

© BR

Er hat sein Licht unter den Scheffel gestellt, sah sich als Volkssänger. Doch ist er einer der größten bayerischen Künstler überhaupt. Wie Karl Valentin die Nachwelt inspiriert hat, zeigt ein Dokumentarfilm des BR.