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Auf dieser Ackerfläche möchte die Firma Steico aus Feldkirchen bei München eine Produktion für Dämmstoffe aus Holz errichten.

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    Streit um Holzindustrie auf der grünen Wiese in Penzing

    Ein Hersteller ökologischer Dämmstoffe möchte auf einer Freifläche des Freistaats Bayern in einem Waldgebiet bei Penzing einen Standort errichten. Dagegen regt sich Widerstand. Gegner kritisieren unter anderem die Versiegelung wertvollen Ackerbodens.

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    Von
    • Florian Regensburger

    Die Firma Steico aus Feldkirchen bei München möchte auf einer Ackerfläche beim Weiler Stillern auf 26 Hektar eine Produktion für Holzfaser-Dämmstoffe und Schichtholz errichten. Eine Initiative aus Penzing hat dagegen eine Petition beim Landtag eingereicht: Wertvoller Ackerboden ginge durch den Produktionsstandort verloren, zumal ganz in der Nähe auf dem ehemaligen Penzinger Fliegerhorst bereits erschlossene Flächen zur Verfügung stünden.

    Grüne kritisieren Standortwahl

    Die örtlichen Grünen-Landtagsabgeordneten Gabriele Triebel und Ludwig Hartmann sehen außerdem einen Widerspruch gegen das Anbindegebot für Gewerbeansiedlungen im Landesentwicklungsprogramm. Man habe nichts "gegen die Firma Steico und ihr Geschäftsmodell", sagte Triebel dem BR. Im Gegenteil brauche man in Zeiten des Klimawandels Firmen, die "innovative Dämmmaterialien" aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz produzieren. Erst in der vergangenen Woche hatte der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (FW) Steico mit dem Bayerischen Ressourceneffizienzpreis für nachhaltigen und umweltschonenden Umgang mit natürlichen Rohstoffen ausgezeichnet. Allerdings sei die Standortwahl nicht mit der Nachhaltigkeit vereinbar, die Steico sich auf seine Fahnen schreibe, so die Grünen.

    Grüne: Platz am Fliegerhorst nutzen - Ackerboden erhalten

    Denn auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Penzing sei genügend Platz, weit genug entfernt von einer Wohnbebauung den Steico-Standort anzusiedeln, so Triebel. Außerdem werde die Fläche bei Stillern, wo heute Getreide angebaut wird, mit ihrem wertvollen Ackerboden dringend für die Produktion von Lebensmitteln benötigt, so die Politikerin.

    Steico: Große Distanz zu Siedlungen wegen Emissionen sinnvoll

    Bei der Produktion entstehen Emissionen wie Lärm, Wasserdampf, Gerüche und Staub, so ein Sprecher von Steico zum BR. Deshalb sei eine größere Distanz zur nächsten Siedlung sinnvoll. Zudem würden Gemeindestraßen durch die Nähe des Standorts bei Stillern zur Autobahn nicht durch den zu erwartenden LKW-Verkehr belastet.

    Sorge wegen Wasserverbrauchs

    Kritik regt sich auch am zu erwartenden Wasserverbrauch: 20 bis 50 Kubikmeter pro Stunde – je nach Ausbaustufe des Werks – betrüge dieser laut Steico und könnte aus einem eigenen Brunnen vor Ort bezogen werden. In Zeiten, in denen der sinkende Grundwasserspiegel der letzten Jahre am Füllstand der Penzinger Baggerseen kaum zu übersehen ist, wirft jedoch auch dieses Thema Fragen auf.

    Schadholz aus der Region könnte verarbeitet werden

    Der geplante Produktionsstandort mit bis zu 230 Arbeitsplätzen ist in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem großen Nassholzlagerplatz der Staatsforsten. Von dort könnte der Rohstoff Holz ohne lange Transportwege bezogen werden – allerdings nur zum Teil: Wie das Unternehmen im aktuellen Penzinger Gemeindeblatt zitiert wird, soll das Holz aus einem Radius von rund 80 Kilometern angeliefert werden. Das Unternehmen verweist darauf, dass für seine Dämmmaterialien auch "Schadholz aus regionalen Wäldern" verwendet werden könnte, was einen klima-angepassten Waldumbau begünstige.

    Auch andere Standorte kommen in Frage

    Die Agrarfläche bei Stillern sei jedoch nur eine mögliche Option "neben anderen im In- und Ausland", heißt von dem Unternehmen. Das für die fragliche Fläche zuständige, bayerische Landwirtschaftsministerium teilte dem BR auf Anfrage mit, dass bislang lediglich eine informelle Anfrage der Firma Steico vorliege, konkrete Gespräche über die Überlassung der Fläche habe es noch nicht gegeben. Sollte die Sache konkreter werden, wäre eine etwaige Prüfung von Alternativstandorten "im Rahmen des Bedarfsnachweises für die Neuausweisung abzuhandeln" und dann Sache der Kommune.

    Penzinger Bürgermeister will Für und Wider prüfen

    Der Penzinger Bürgermeister Peter Hammer (CSU) will sich vorerst alle Optionen offenhalten und das Für und Wider einer Ansiedlung von Steico bei Stillern abwägen. Es gebe "viele Beteiligte mit verschiedenen Zuständigkeiten und Betroffenheit, Vor- und Nachteile sind zu klären, Chancen und Risiken sorgfältig abzuwägen", so Hammer.

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