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Streit um Düngeregeln: Was bringen Verschärfungen in Bayern? | BR24

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Gülle ist ein wertvoller Dünger für Pflanzen, zu viel davon aber ist ein Problem fürs Grundwasser. Stichwort Nitrat. Auf Druck der EU wird Deutschland die Düngeregeln noch einmal verschärfen. Die Bauern stöhnen jetzt schon.

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Streit um Düngeregeln: Was bringen Verschärfungen in Bayern?

Gülle ist ein wertvoller Dünger für Pflanzen, zu viel davon aber ist ein Problem fürs Grundwasser - Stichwort Nitrat. Auf Druck der EU wird Deutschland die Düngeregeln noch einmal verschärfen. Einige Bauern stöhnen jetzt schon.

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Deutschland hat lange Jahre gegen die EU-Nitratrichtlinie verstoßen, in immer mehr Gegenden gibt es Probleme mit Nitrat im Grundwasser.

Schließlich hat die EU-Kommission Deutschland verklagt. Eine Reaktion darauf war die 2017 in Kraft getretene neue Düngeverordnung. Mit ihr hadern viele Bauern immer noch, denn sie ist mit viel Bürokratie verbunden. Dazu kommt, dass sie Obergrenzen beim Ausbringen von Gülle beachten müssen. Vor allem Bauern mit vielen Tieren haben damit ein Problem. Deshalb verkaufen sie ihre Gülle. Die Folge: Gülletransporte quer durch Bayern.

EU dringt auf strengere Düngeregeln

Doch für den Schutz des Grundwassers reicht die Düngeverordnung noch nicht aus, befand die EU-Kommission. Deutschland muss noch einmal nachbessern, Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner hat Vorschläge dazu vorgelegt.

In den sogenannten Roten Gebieten soll 20 Prozent weniger gedüngt werden. Das sind Gebiete, in denen es Probleme mit Nitrat im Grundwasser gibt. In Bayern fällt etwa ein Fünftel der Landesfläche darunter.

Wo Nitrat im Grundwasser jetzt schon ein Problem ist

In den Roten Gebieten gelten bisher drei zusätzliche Auflagen für die Bauern, die nicht allzu aufwändig sind: Unter anderem müssen Landwirte derzeit beim Düngen etwas mehr Abstand zu Gewässern halten und eine Bodenprobe im Frühjahr nehmen. Bayern hätte deutlich mehr und auch schärfere Maßnahmen auswählen können. Die Auswahl der Gebiete war auch Ländersache.

Neben den Roten Gebieten gibt es noch weiße, das sind im Prinzip die Wasserschutzgebiete. Der Großteil von Bayern gilt als grünes Gebiet, also als unproblematisch in Sachen Grundwasser. Dort gibt es sogar ein paar Erleichterungen für die Bauern von der Düngeverordnung.

Grundwasserschutz: Kritiker fordern höhere Auflagen

Jahrelang wurde um die Düngeverordnung für Deutschland und einen besseren Grundwasserschutz gerungen, ehe sie 2017 in Kraft getreten ist. Bauernverband, Wasserversorger, Umweltverbände, Ministerien und allen voran die EU-Kommission haben da mitgeredet. Doch was am Ende herauskam, stellte die Kritiker nicht zufrieden.

Das lässt sich auch am Beispiel Bayern ablesen: Es wurden für die Düngeverordnung von 2017 wirklich nur die Gebiete als "rot" eingestuft, in denen es schon kritisch ist mit dem Wasser. Der Bayerische Gemeindetag, die Wasserversorger, der Bund Naturschutz und andere Umweltverbände hatten viel mehr gefordert, nämlich auch Auflagen für Gebiete, in denen das Wasser jetzt noch gut ist, sich aber Verschlechterungen abzeichnen.

Rote Gebiete - plötzlich aus der Karte verschwunden

Rosi Steinberger von den Grünen ist Vorsitzende im Umweltausschuss des Landtags, sie hat schon Ende letzten Jahres gewarnt: Die Auflagen in der Düngeverordnung von 2017 werden nicht ausreichen. Sie kritisierte, dass Regionen, die zunächst als rote Gebiete angedacht waren, wie das südliche Rottal oder die Gegend um Hof, wieder aus der Karte verschwunden sind.

"Also man hat fast über das ganze Land verstreut Abschnitte raus genommen, von denen man aber weiß, dass die Prognose schlecht ist - wahrscheinlich aus Rücksicht auf die Landbewirtschaftung und dafür habe ich kein Verständnis, denn wir wollen ja, dass das Grundwasser mal wieder sauber wird, ich glaube nicht, dass es auf diese Art und Weise gehen wird." Rosi Steinberger, Grünen-Landtagsabgeordnete

Geplante Verschärfungen: Was bedeuten sie für die Bauern?

Die Bauern haben sich gerade erst auf die Düngeverordnung von 2017 eingestellt, die mit viel Bürokratie verbunden ist. Manche sagen, es gehe da mehr ums Daten sammeln und weniger um konkrete Verbesserungen für den Trinkwasserschutz.

Viele Bauern müssen auch richtig Geld ausgeben aufgrund der Auflagen: Die einen für neue Gülle-Behälter, weil größere Lager-Kapazitäten vorgeschrieben sind. Andere mussten sich neue Maschinen zulegen. Die bayerische Landwirtschaftsministerin Kaniber wollte erst einmal abwarten, was all diese Maßnahmen bringen, 2021 sollte es dann eine erste Bilanz geben.

Der Druck aus Brüssel – also drohende Strafgeld-Zahlungen – hat jetzt aber dazu geführt, dass auf die Bauern schon wieder neue und vermutlich deutlich schärfere Vorschriften zukommen. Nach den Plänen von Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner soll künftig in roten Gebieten 20 Prozent weniger gedüngt werden.