Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Streit um die Stromtrassen: Wie schafft Bayern die Energiewende? | BR24

© BR

Unterschiedlicher Meinung: Martin Hagen, Fraktionsvorsitzender der FDP und Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger

8
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Streit um die Stromtrassen: Wie schafft Bayern die Energiewende?

Stromtrassen wollen viele Menschen in der Oberpfalz auf keinen Fall haben. Sie teilten in der BR-Sendung "jetzt red i" ihre Kritik lautstark mit. Wirtschaftsminister Aiwanger machte ihnen Hoffnung, dass der Südostlink noch verhindert werden könne.

8
Per Mail sharen
Teilen

"Uns Bauern geht es zurzeit wirklich dick rein. Ob es die Gülleverodnung ist, ob es das Volksbegehren "Rettet die Bienen" ist, überall werden wir beschuldigt", klagte die Landwirtin Doris Zölch gleich zu Beginn der BR-Sendung "jetzt red i" in Neustadt a.d. Waldnaab. Es lässt sie kaum noch schlafen, dass jetzt auch noch die Stromtrasse Südostlink von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt bis nach Landshut direkt über ihre Felder laufen soll.

Wie Doris Zölch sah es auch die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger an diesem Abend. Die mehrere hundert Kilometer lange Stromtrasse würde nicht nur die Existenzen der betroffenen Landwirte gefährden, sondern sei aus versorgungstechnischen Gründen gar nicht notwendig. Denn mit Investitionen in dezentrale Energieerzeugung über Solaranlagen, Windkrafträder oder Biogasanlagen ließe sich der Strombedarf in Bayern decken.

Martin Hagen: "Ohne Stromtrasse wird es nicht gehen"

Martin Hagen, Fraktionsvorsitzender der FDP im Bayerischen Landtag, stellte sich dabei entschieden gegen die Kritiker des Südostlinks. Für die Versorgungssicherheit in ganz Bayern brauche man die Stromtrasse. Eine dezentrale Energieversorgung sei vor allem für Unternehmen keine sichere Alternative.

"Die Unternehmen in Bayern sind angewiesen auf eine bezahlbare und sichere Energieversorgung. Beides wird ohne die Stromtrassen nicht gehen. Alle unabhängigen Studien sagen, wir brauchen das." Martin Hagen (FDP)

Wer behaupte, dass der Wegfall der Atomenergie 2022 ohne Stromtrassen bewältigt werden könnte, der streue den Menschen Sand in die Augen, führte Hagen fort.

© BR

Martin Hagen, FDP-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag, zum Thema Süd-Ost-Link.

Hubert Aiwanger teilt die Sorgen der Kritiker

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hält es für möglich, dass durch die Wärme und das Magnetfeld der unterirdisch verlegten Stromkabel bleibende Schäden im Ackerboden entstehen könnten. Bei den Gegnern der Stromtrasse schürte er an diesem Abend aber die Hoffnung, dass der Bau noch verhindert werden könnte.

"Die Hoffnung ist natürlich, dass wir in den nächsten Jahren die Rahmenbedingungen so ändern, dass die Leute, die heute die Trasse errechnen und für nötig befinden in zwei Jahren sagen: Hopla, wir haben im Süden mehr Kraftwärmekopplung, mehr Windräder, wir haben mehr Photovoltaik und haben damit die wegfallende Kernkraftwerksleistung ersetzt." Hubert Aiwanger (Freie Wähler)

Der wegfallende Atomstrom könne durch Gasanlagen übergangsweise ersetzt werden, bis die dezentralen Energien ausgebaut sind. Auf die Frage, ob der Südostlink beschlossene Sache sei, bekräftigte Aiwanger: "Ich würde meinen Kopf nicht drauf verwetten."

Demonstration von der Halle

Schon vor der Sendung versammelten sich Gegner der Stromtrasse vor der Stadthalle in Neustadt a.d. Waldnaab. Das Aktionsbündnis gegen die Südosttrasse hatte dazu aufgerufen. Mitglieder des Aktionsbündnisses befürchten unter anderem, dass der versprochene Strom aus dem Norden gar nicht in Windparks erzeugt wird, sondern klimaschädlicher Braunkohlestrom sei. Martin Groll, Leiter der Kommunikation bei Tennet Deutschland, dem Netzbetreiber des geplanten Südostlinks, versicherte, dass man genauestens prüfen werde, woher der Strom in den Leitungen komme.

© BR

Hubert Aiwanger äußert sich zu den geplanten Stromtrassen.