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Das Wasserwirtschaftsamt will die Querung aus der Schwarzach herausnehmen, viele Rötzer sind dagegen.

Bildrechte: BR / Renate Roßberger
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Streit um alte Wehranlage in der Schwarzach

Die Behörden wollen in Rötz eine 150 Jahre alte künstliche Felsquerung durch die Schwarzach entfernen. Der Fluss soll gemäß EU-Recht naturnäher werden. Aber: Viele Rötzer wollen ihr "Idyll" behalten. Es gibt Widerstand.

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Renate RoßbergerRenate Roßberger
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Ein Bürgerworkshop im alten Fürstenkasten in Rötz soll jetzt helfen, eine Lösung im Streit um die "Alte Wutzschleife", eine alte Wehranlage im Fluss Schwarzach, zu finden. Das Wasserwirtschaftsamt Weiden will die Gründe und den ökologischen Sinn für den geplanten Rückbau der Wehranlage vorstellen und außerdem erläutern, was es zusätzlich in dem Bereich an Gestaltungsmöglichkeiten gäbe - etwa einen Wasserspielplatz für Kinder oder Schautafeln zur Geschichte der Alten Wutzschleife. Bei vielen Rötzern regt sich aber Widerstand gegen solche Pläne.

Behörde will EU-Richtlinie umsetzen

Der Rückbau der 150 Jahre alten Wehranlage ist seit fünf Jahren von den Behörden geplant und soll zwischen 150.000 und 200.000 Euro kosten. Eine endgültige Genehmigung vom Landratsamt Cham gibt es noch nicht. Die Anlage wurde 1850 gebaut, um das Wasser für eine Glasschleife aufzustauen. Die Glasschleife existiert nicht mehr, die dazugehörige Wasserkraftanlage wurde 1971 abgerissen.

Geblieben ist die Querung, die bis heute rund 900 Meter der Schwarzach aufstaut. Das ist der Grund, warum das Wasserwirtschaftsamt die Querung herausreißen und so dem Fluss Dynamik zurückgeben möchte. Hintergrund ist die Europäische Wasserrahmenrichtlinie, die fordert, Gewässer in Europa wieder naturnäher zu gestalten. Auch mehrere Naturschutzverbände wie der WWF oder der Landesbund für Vogelschutz unterstützen aktiv die Pläne der Behörden für die Alte Wutzschleife, sehen darin Chancen für die Verbesserung der Pflanzen- und Tierwelt in und an der Schwarzach.

Bürgerinitiative sammelt Unterschriften

Viele Rötzer sind aber gegen den Rückbau. Eine Bürgerinitiative sammelte vergangenes Jahr rund 2.000 Unterschriften gegen den Abriss und will weiterhin Widerstand leisten. Der Grund: Die Alte Wutzschleife ist beliebtes Wanderziel und Naturidyll. Die Flussquerung aus Felsbrocken wirkt nicht wie ein künstliches Hindernis, da es nicht aus Beton ist. Das Wasser rauscht wasserfallartig darüber. Es ist ein "Kraftort", ein beliebtes "Fleckerl zum Hinwandern", ein " wunderschönes Idyll" sagen die Rötzer.

Die Natur habe sich dort den Fluss sowieso schon wieder zurückerobert. Wenn man nun mit Baggern alles herausreißt, würde man mehr zerstören als wiedergutmachen, sagen sie. Außerdem gebe es in der Schwarzach an anderen Stellen Querbauten und bis heute aktive Wasserkraftwerke, wo nichts zurückgebaut werde. Ein Rückbau an der Wutzschleife sei also nur Stückwerk.

EU droht mit Sanktionen

In der Folge der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die im Jahr 2000 in Kraft getreten ist, gibt es in ganz Europa Projekte, um Gewässer ökologisch zu verbessern. Ländern, die nichts tun, drohen 2027 Sanktionen durch die EU. Auch in Niederbayern und der Oberpfalz sind schon viele Projekte realisiert worden oder geplant, nach Meinung von Naturschutzverbänden aber noch nicht genug.

Zu den Maßnahmen gehören zum Beispiel Fischtreppen für bestehende Wasserkraftwerke, aber auch der Rückbau und die Renaturierung aufgegebener alter Anlagen. Beispiel für erfolgreiche Rückbauten in den letzten Jahren sind die Zehrer Mühle und die Mitternacher Mühle im Bayerischen Wald. Im Landkreis Regensburg wurde zum Beispiel das Triebwerk Weig in der Wiesent vollständig zurückgebaut.

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