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Bildrechte: picture alliance/dpa | Gregor Fischer

Wegen der stark gesunkenen Inzidenzwerte muss in der Münchner Innenstadt keine Maske mehr getragen werden. Auch in den bayerischen Schulen könnte die Maskenpflicht gelockert werden.

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Streit über Ende der Maskenpflicht an bayerischen Schulen

Wegen sinkender Corona-Zahlen mehren sich Rufe nach einer Lockerung der Maskenpflicht an Bayerns Schulen. Der Kultusminister ist dafür offen, will aber erst mit seinen Länderkollegen sprechen. Die CSU bremst, Lehrerverbände sind zurückhaltend.

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Von
  • Petr Jerabek

Politiker von FDP, Grünen und AfD, aber auch der Bayerische Elternverband drängen auf eine Lockerung der Maskenpflicht für die Schüler in Bayern. "Die Maskenpflicht für Kinder - vor allem im Freien - gehört sofort abgeschafft", forderte Julika Sandt, kinderpolitische Sprecherin der Landtags-FDP. "Es kann nicht sein, dass man in der Gastronomie innen wie außen stundenlang ohne Maske sitzen darf, unsere Kinder aber nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch auf dem Hortgelände und auf dem Schulhof Masken tragen müssen." Bei hochsommerlichen Temperaturen von bis zu 30 Grad sei das stundenlange Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beim Spielen und Toben eine "unsinnige Quälerei".

Schon seit Monaten ein entschiedener Gegner der Maskenpflicht im Unterricht ist die AfD-Fraktion. Die Regelung sei von Beginn an unverhältnismäßig gewesen, betonte AfD-Bildungsexperte Markus Bayerbach. Nach der Einführung "der Massentestungen von Schülern und Lehrern an Schulen" sehe die AfD die fortgeführte Maskenpflicht "als unnötige Maßnahme an". Die Schulfamilie werde mit den Tests bereits ausreichend belastet, kritisierte Bayerbach.

Elternverband: Maskenpflicht nicht mehr vermittelbar

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek mahnte, Corona-Maßnahmen müssten verhältnismäßig sein, "sonst kassieren sie die Gerichte". Im vergangenen Jahr habe die Maskenpflicht in der Grundschule ab einer 7-Tage-Inzidenz von 35 respektive 50 gegolten, "und da hatten nicht 50 Prozent der Bürger ihre Erstimpfung wie heute". Aktuell hätten einige Landkreise bereits einstellige Inzidenzwerte. "Da ist eine Maskenpflicht für Schüler*innen nicht mehr verhältnismäßig", twitterte Janecek. Nächste Woche könnten die "Temperaturen auf bis zu 30 Grad steigen. "Das wird zu einer erheblichen Belastung."

Für die Vizechefin des Bayerischen Elternverbands, Henrike Paede, wäre eine Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen eine "sehr gute Idee". Denn mittlerweile könne man es "nicht mehr so wirklich vermitteln, dass jetzt in der Gastronomie, beim Einkaufen und überall gelockert wird, aber die Schüler immer noch mit Maske im Unterricht sitzen sollen". Nachdem Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen diesen Schritt schon beschlossen hätten, sehe sie keinen Grund, warum Bayern an der Maskenpflicht festhalten sollte.

Piazolo will mit Kultusminister-Kollegen beraten

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) bezeichnete die Diskussion als "überfällig". Angesichts sinkender Inzidenzwerte rege er eine Lockerung der Maskenpflicht auf dem Pausenhof sowie im Klassenzimmer an, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. "Ich persönlich würde zwar weiter Maske empfehlen, aber die Pflicht aufheben." Im "Begegnungsverkehr" in der Schule, also auf Gängen und in Toilettenräumen, sowie im Lehrerzimmer solle die Maskenpflicht bleiben.

Piazolo hofft, dass sich die Kultusminister der Länder bei ihrer Konferenz am Donnerstag auf einen gemeinsamen Korridor oder eine Zielsetzung verständigen. Anschließend müssten sich die Freien Wähler in Bayern mit dem Koalitionspartner CSU einigen. Bei welchen Inzidenzwerten die Maskenpflicht im Unterricht fallen soll, müsse noch diskutiert werden, sagte Piazolo. Er persönlich sei für einen Grenzwert "so um die 20, 25". Der Minister rief dazu auf, das Thema schnell anzugehen, "weil wir ja auch in den Schulen testen und insofern auch eine erhöhte Sicherheit haben".

Staatskanzleichef: "Nicht in Hektik verfallen"

Der Koalitionspartner CSU macht Piazolo allerdings wenig Hoffnung auf eine zügige Lösung. "Wir alle freuen uns über die sinkenden Zahlen, dennoch sollten wir jetzt nicht gleich wieder in Hektik verfallen", sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) der Deutschen Presse-Agentur.

In vielen Schulklassen habe der Präsenzunterricht erst vor zwei Tagen wieder begonnen, in manchen noch gar nicht, erklärte Herrmann. "Daher sollten wir sorgfältig beobachten, wie sich die Maßnahmen auf die Inzidenzwerte auswirken." Die laufende Corona-Verordnung sei erst vergangene Woche vom Kabinett einstimmig für vier Wochen beschlossen worden, betonte der Staatskanzleichef.

Lehrerverbände zurückhaltend

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, mahnte eine sorgfältige Debatte auf "wissenschaftlicher fundierter Basis" an. Noch immer gebe es Lehrerinnen und Lehrer, die nicht geimpft seien, sagte sie dem BR. "28 Kinder ohne Maske sechs Stunden im Klassenzimmer - das ist eine Nummer!" Viele Kolleginnen und Kolleginnen fragten sich, ob die Hygienemaßnahmen bei einer Lockerung der Maskenpflicht noch ausreichend wären "und sich die Ansteckungsgefahr nicht erhöht".

Eine Lockerung der Maskenpflicht könne nur Hand in Hand mit Impfangeboten gehen, betonte die BLLV-Präsidentin. Zudem müsse eine Entscheidung zu dieser Frage dann gut kommuniziert werden.

Böhm: Sicherheit vor Schnelligkeit

Nach Meinung des Vorsitzenden des Bayerischen Realschullehrerverbands (brlv), Jürgen Böhm, muss bei "verlässlichen Inzidenzwerten unter 35" über die Lockerung der Maskenpflicht im Unterricht "und über die Verlagerung der Selbsttests für Schüler aus der Schule in den Verantwortungsbereich der Familien nachgedacht werden". Voraussetzung dafür seien aber klare und stabile niedrige Inzidenzwerte, "die Umsetzung eines Impfangebots an alle Lehrkräfte und die Ausnutzung technischer Möglichkeiten wie Raumluftfilter". Nach wie vor müsse Sicherheit vor Schnelligkeit gelten.

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