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Streit über Corona-Tests für alle: Söder und Spahn uneins | BR24

© picture alliance/Peter Kneffel/dpa

Archivbild: Spahn und Söder

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Streit über Corona-Tests für alle: Söder und Spahn uneins

Bayern will Corona-Tests für alle anbieten. Bundesgesundheitsminister Spahn kritisiert den Alleingang des Freistaats: "Viel testen klingt gut, ist aber ohne systematisches Vorgehen nicht zielführend." Ministerpräsident Söder verteidigt die Pläne.

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Die Ankündigung der bayerischen Staatsregierung, vorbeugende Corona-Tests für jedermann anzubieten, hat eine bundesweite Debatte über die richtige Test-Strategie ausgelöst. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kritisierte den bayerischen Alleingang. "Testen, testen, testen - aber gezielt", twitterte der CDU-Politiker. Das sei die mit dem Robert Koch-Institut entwickelte nationale Test-Strategie. Dies beinhalte umfassendes präventives Testen im Gesundheitswesen und bei lokalen Ausbrüchen wie in Gütersloh.

"Einfach nur viel testen klingt gut, ist aber ohne systematisches Vorgehen nicht zielführend", betonte Spahn. Denn es wiege "in falscher Sicherheit", erhöhe das Risiko falsch-positiver Ergebnisse und belaste die vorhandene Test-Kapazität. Zuvor hatte auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach eine gezielte Test-Strategie angemahnt. Eine Ausweitung der Tests sei zwar sinnvoll, sagt er der Funke Mediengruppe. "Allerdings müssen wir dafür sorgen, dass die richtigen Leute getestet und die Tests selbst billiger werden."

Söder: Ein sehr gutes Angebot für die Menschen

Bayers Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verteidigte im ZDF-"Morgenmagazin" Bayerns Vorstoß. Er machte deutlich, dass er keinen Widerspruch zur nationalen Test-Strategie sieht: Gezielte Serientests in Kliniken, Alten- und Pflegeheimen, Behinderteneinrichtungen würden ohnehin gemacht: "Das ist natürlich die Basis." Nach den Schulferien werde es auch Serientests für Lehrer und Erzieher geben. "Das ist meiner Meinung nach selbstverständlich."

Söder hält es aber für sinnvoll, darüber hinaus jedem Bürger die Möglichkeit eines Tests anzubieten: "Wer glaubt, er könnte es haben, oder wer einfach Sicherheit haben will, dem müssen wir doch eine solche Sicherheit geben", betonte er. Das werde sicher nicht sofort von allen angenommen. "Aber das ist ein Angebot für die Menschen und ich glaube ein sehr sehr gutes. Patientenschützer loben es bereits."

Bayern will größere Testkapazität

Auch am Rande eines Termins in München wies Söder die Kritik Spahns zurück und betonte die Notwendigkeit, im Kampf gegen Corona viel zu testen. Bayern warte nicht auf endlose Gespräche zwischen einzelnen Kostenträgern, sondern gehe in Vorleistung: "Weil wir glauben, dass neben Abstand halten Testen die einzige ernsthafte Chance ist, Infektionsketten zu unterbrechen." Jeder, der weniger teste, gefährde "damit insgesamt die verbesserte Situation, die wir derzeit haben".

Der Ministerpräsident verweis darauf, dass bei Corona-Ausbrüchen wie im Kreis Gütersloh (Nordrhein-Westfalen) plötzlich "alles getestet" werde. "Wenn man das vielleicht ein bisschen eher gemacht hätte, hätte man manches vielleicht verhindern können." Bayern wolle eine größere Testkapazität haben, sagte Söder und fügte hinzu: "Und der Eindruck ist, dass es die Patienten besonders annehmen. Patientenschützer bedanken sich dafür und wollen es auch in ganz Deutschland."

Dass die Labore dadurch überlastet werden könnten sieht SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach nicht. Man habe derzeit schon Kapazitäten von einer Million Tests pro Woche. Diese Kapazität könne deutlich erhöht werden.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hatte Bayerns Pläne als "sinnvoll" bezeichnet. Denn es gebe kein anderes Instrument, "zügig und schnell eine Infektionskette zu erkennen", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der dpa. "Mit vorbeugenden Tests haben wir die Möglichkeit, Gefahrenlagen festzustellen."

Huml: Freiwillige Tests ab Mittwoch

Laut der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) soll das Testangebot für die Bevölkerung am 1. Juli, also diesen Mittwoch, anlaufen. Das bedeute nicht, dass sich jeder testen lassen müssen, sagte sie der "radioWelt" auf Bayern 2. "Es geht um ein Angebot, dass wir machen wollen eben an jene Bürger in Bayern, die Ungewissheit haben, die Sorgen haben und deswegen gerne wissen möchte: Habe ich Corona?"

Für die Bürger soll dieser Test kostenlos sein. Laut Huml hat die Staatsregierung dafür zunächst einen dreistelligen Millionenbetrag aus dem Corona-Sonderfonds eingeplant. "Wir werden jetzt auch mal sehen, wie das Angebot genutzt wird von den Bürgern." Die Ministerin hofft zwar, dass möglichst jeder Arzt den Test für jedermann anbieten wird. Sollte aber der eine oder andere Mediziner nicht mitmachen wollen, werde eine Liste der Ärzte erstellt, bei denen man sich testen lassen kann.

Ministerin verwahrt sich gegen Kritik

Später reagierte die Ministerin auch auf die Kritik Spahns und verwahrte sich dagegen. Bayern gehe sehr wohl systematisch vor, die Teststrategie bestehe aus mehreren Bausteinen, sagte sie in Nürnberg. So gebe es gezielte Untersuchungen in Pflegeheimen und Krankenhäusern. "Darüber hinaus starten wir eine erweiterte Testoffensive bei Schlachthöfen sowie bei Zerlege- und Fleischverarbeitungsbetrieben."

Bayerns Corona-Testkonzept laute also nicht "einfach nur viel testen", wie Spahn geschrieben hatte. "Wir bieten aber allen Menschen, die auf eine Infektion auf SARS-CoV-2 getestet werden wollen, die Möglichkeit dafür", sagte die Ministerin und fügte hinzu: "Dies kann niemand ernsthaft kritisieren." Durch eine starke Ausweitung des Tests könnten vielmehr auch Infektionen bei Menschen entdeckt werden, die noch keine Symptome haben. Solche "Zufallstreffer" könnten entscheidend dazu beitragen, "die eine oder andere Infektkette schon mal zu erkennen und dann auch reagieren zu können".

© BR

Die Corona-Tests in Bayern für alle Testwilligen ab Juli sei ein Angebot, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Huml. Man erhoffe sich dadurch auch Zufallsbefunde von Personen, die keine Symptome aufwiesen.

Ähnlich äußerte sich der bayerische CSU-Fraktionsvorsitzende Thomas Kreuzer. Jeder zusätzliche Test trage dazu bei, ein Infektionsgeschehen frühzeitig zu erkennen und die Infektionen zu bekämpfen. Spahns Äußerungen seien daher schwer nachvollziehbar. "Seine Kritik an unserer Testoffensive weisen wir daher klar zurück", betonte Kreuzer.

Bayerns 24-Stunden-Garantie

Die Debatte über die Pläne des Freistaats setzte erst mit großer Verzögerung ein. Denn das bayerische Kabinett hatte bereits Ende Mai eine "massive Ausweitung der Testungen auf das neuartige Coronavirus" beschlossen. Dazu zählte auch, dass jeder unabhängig von Symptomen die Möglichkeit erhalten soll, sich testen zu lassen. Zum Gesamtkonzept gehört aber auch, dass in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen regelmäßig getestet werden soll. Auch Lehrer und Erzieher sollen die Gelegenheit zu freiwilligen Tests erhalten.

Zudem wurde eine 24-Stunden-Garantie für Menschen mit Symptomen beschlossen: Sie sollen innerhalb von 24 Stunden getestet und binnen weiterer 24 Stunden das Ergebnis erhalten. Wer keine Symptome hat, soll innerhalb von zwei Tagen einen Test machen können und das Ergebnis spätestens nach einer Woche haben.

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