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Die Parkplätze hinterm Würzburger Kiliansdom sind das ganze Jahr über gefragt. Doch nun sollen sie einer Fußgängerzone weichen, fordert eine Mehrheit des Stadtrats. Darüber ist nun ein Streit entbrannt.

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Streit in Würzburg: Innenstadt-Parkplätze sollen weg

Einkaufsbummel, Arztbesuch oder Weinfest: Die Parkplätze hinterm Würzburger Kiliansdom sind das ganze Jahr über gefragt. Doch jetzt sollen sie einer Fußgängerzone weichen, fordert eine Mehrheit des Stadtrats. Das gefällt nicht allen.

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Von
  • Carolin Hasenauer
  • Pirmin Breninek

"Man hat als älterer Mensch nicht die Möglichkeit, von Parkplätzen, die etwa einen Kilometer weg sind, hier her zu kommen", kritisiert Bernd Gutzeit das Vorhaben, die Parkplätze auf dem Paradeplatz zu reduzieren. Für ihn sind die Parkplätze fußläufig zu seiner Physiotherapiepraxis dringend notwendig. Fünf Fraktionen des Würzburger Stadtrats hingegen wollen die Attraktivität des Areals für Touristen und Konsumenten erhöhen: Die Autos und der Parksuchverkehr sollen weg. Der alte Streit flammt wieder auf.

Beide Anträge im Stadtrat mit deutlicher Mehrheit

Fast zwei Stunden diskutierte der Würzburger Stadtrat am Donnerstagabend über die Parkplätze hinter dem Dom. Es handelt sich um ein offensichtlich emotionales Thema, das wurde durch die zahlreichen Wortmeldungen deutlich. Abgestimmt wurde über zwei Anträge: einen der SPD und einen interfraktionellen von Grünen, Linken, ÖDP, Würzburger Liste und Zukunft für Würzburg. Im Kern fordern beide Anträge ähnliche Ziele: Der Bereich zwischen Dom und Residenz soll verkehrsberuhigt werden.

Erste Planungen bis zur Sommerpause 2021?

Für beide Anträge stimmte nun eine deutliche Mehrheit im Stadtrat. Das Vorhaben wird also von der Stadtverwaltung weiterverfolgt. Final beschlossen ist damit noch nichts. Gemäß des interfraktionellen Antrags soll die Verwaltung bis zur Sommerpause 2021 erste Planungen vorstellen, über die dann noch einmal entschieden wird. Trotzdem wurde bereits jetzt teils hitzig diskutiert.

Bereits 2013 standen die Parkflächen zur Diskussion, weil man die Touristenachse zwischen Residenz und Dom aufwerten wollte. Geblieben von dem Vorstoß damals ist lediglich die Mini-Fußgängerzone am Ende der Hofstraße.

Online-Umfrage: Bürger bestehen nicht auf Parkplätze

Parallel hat die Stadt aktuell ein Online-Portal freigeschaltet, in dem sich Bürgerinnen und Bürger zur Umgestaltung des Altstadtbereiches einbringen und austauschen können. Alleine zum Paradeplatz gibt es schon mehrere Dutzend Kommentare – und sie haben alle einen ähnlichen Tenor: Weg mit den Parkplätzen. "Seit wann braucht man ein Überangebot an Parkplätzen, damit Würzburg Spaß macht? Spaß machen Straßenfeste, Außengastronomie, Verweilflächen unter Bäumen, die Kombi aus Einkaufsbummeln und Entspannung in autofreien Bereichen", schreibt ein Nutzer und ein anderer: "Es gibt zahlreiche freie Parkplätze (bestimmt 100 Stück) und es fahren ständig Busse. Nur: Es ist halt kompliziert und darauf stehen Menschen nicht." Sowie der Vergleich mit anderen Städten: "Der Einzelhandel braucht keine Parkplätze hinter dem Dom. Man kann sehr gut an anderen Städten erkennen, wie das funktioniert."

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Einkaufsbummel, Arztbesuch oder Weinfest: Die Parkplätze hinterm Würzburger Kiliansdom sind das ganze Jahr über gefragt. Doch jetzt sollen sie einer Fußgängerzone weichen, fordert eine Mehrheit des Stadtrats. Das gefällt nicht allen.

Fünf Fraktionen bilden die Mehrheit im Stadtrat

Der Meinung ist auch die SPD-Fraktion im Stadtrat und hat Anfang Dezember 2020 beantragt, die Touristenachse städtebaulich aufzuwerten. Konkret sollen Hofstraße, Domerpfarrgasse, Ingolstädter Hof, Maxstraße und Kardinal-Döpfner-Platz verkehrsberuhigt werden. "Bis auf wenige Kurzzeitparkplätze und Stellplätze für Menschen mit Behinderung soll der Paradeplatz als Aufenthaltsplatz für die Bürgerinnen und Bürger umgestaltet werden", schreibt die Fraktion in ihrem Antrag.

Stadtrats-Grüne: Hitze in der Innenstadt durch Grünflächen ausgleichen

Anfang Januar dann haben die Stadtratfraktionen von Grüne, Linke und ÖDP sich den Forderungen angeschlossen: Sie kritisieren, dass "werktäglich nahezu ununterbrochen Autos um den Paradeplatz" kreisen – für die Touristen und die Anwohner eine "untragbare Situation". Grünen-Stadtrat Patrick Friedl sieht sich zudem vom fortschreitenden Klimawandel getrieben: "Gerade der Innenstadtbereich ist im Sommer besonders von extremer Hitze betroffen. Darunter leidet die Aufenthaltsqualität. Wir brauchen also Grün, Bäume und damit Kühle." Im Umfeld des Paradeplatzes seien ohnehin mehr als 1000 Parkplätze, u.a. in Tiefgaragen frei. Er appelliert an die Bürgerinnen und Bürger, sich nicht vor einer Umgewöhnung zu scheuen.

Bündnis Verkehrswende: Fußgängerzonen bereichern nachhaltig

Auch das Würzburger Bündnis "Verkehswende Jetzt" befürwortet die Umgestaltungspläne der fünf Stadtratsfraktionen. "Bei jeder Erweiterung der Fußgängerzone gab es anfangs Kritik. Die Pläne haben sich aber letztendlich für Würzburg als Stadt, wie gerade auch für den Einzelhandel, immer bezahlt gemacht", so Volker Glöckner, Pressesprecher des Bündnisses. Heute sei es kaum noch vorstellbar, dass auf dem Marktplatz oder in der Eichhornstraße Autos geparkt haben.

Stadtmarketing und Handelsverband: Ungünstiger Zeitpunkt

Gegen eine Umgestaltung der Innenstadt, eine sinnvolle Nutzung von schönen Plätzen, hat auch Wolfgang Weier, Leiter des Stadtmarketings "Würzburg macht Spaß", nichts. Doch der Zeitpunkt für den Antrag sei der falsche: "Dienstleister, Handel und Gastro sind angeschlagen und brauchen jede Unterstützung, wenn die Pandemie wieder vorbei ist. Einige Händler haben sich an uns gewandt und gesagt, das sei wie ein Schlag ins Gesicht."

Der Einzelhandel befürchte, dass mit dem Wegfall der innenstadtnahen Parkplätze die Besucherfrequenz weiter sinken könnte. Aktuell seien 75 Prozent weniger Menschen in der Innenstadt unterwegs als vor der Pandemie. Darüber hinaus kritisiert er, dass man nicht Stellplätze streichen, gleichzeitig keine Alternativen bereitstellen würde.

Noch würden die Alternativen fehlen

Ideen gäbe es einige: ein Parkhaus am Bahnhof, Park and Ride am Stadtrand und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in die Umland-Gemeinden. Ein konkreter Zeitplan für diese Projekte liegen noch nicht vor. "Würzburg hat nun mal ein großes Einzugsgebiet. Und solange der ÖPNV nicht besser ausgebaut ist, kommen die Leute mit dem Auto in die Stadt", sagt Weier.

Kritik an Priorisierung der Touristen

Parkplatz-Nutzer Bernd Gutzeit ist mit Blick auf die Begründung skeptisch: Seiner Meinung nach müsste man in erster Linie an die Bürger der Stadt und an den Einzelhandel denken, erst dann an die Touristen. "Das ist eine Frage der Priorisierung." Michael Krause aus Münnerstadt sieht die Diskussion gelassen: "Man kann auch da vorne im Parkhaus oder vor der Residenz parken. Aber klar, hier ist's schon bequemer."

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