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Streiks bei Amazon vor "Black-Friday": Verdi beklagt Druck | BR24

© Bayerischer Rundfunk 2020

Symbolbild Streik bei Amazon in Graben

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    Streiks bei Amazon vor "Black-Friday": Verdi beklagt Druck

    Am morgigen "Black-Friday" werden die Amazon-Server glühen. Die Schnäppchenjagd wird dem US-Giganten Unsummen einbringen. Doch die Beschäftigten spüren davon nichts, kritisiert die Gewerkschaft - und ruft deutschlandweit zu mehrtägigen Streiks auf.

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    Von
    • Andreas Herz
    • Werner Bader

    Wenn man auf der B17 von Augsburg nach Landsberg fährt, kommt man an einem der riesigen Logistik-Zentren von Amazon vorbei. Hier in Graben lagern die Waren, die am morgigen "Black-Friday" wieder in Massen bestellt und ausgeliefert werden. Vorausgesetzt, es ist genügend Personal da.

    Fast schon traditionell wird der Standort bestreikt, so wie auch andere Amazon-Zentren im Bundesgebiet. Nur auf Protestaktionen vor den Toren wird in diesem Jahr wegen Corona verzichtet. Über die insgesamt fünf Schichten verteilt rechnet die Gewerkschaft Verdi mit einer Beteiligung von 300 bis 350 Mitarbeitern. Insgesamt sind in Graben 1.800 Menschen beschäftigt.

    Der Online-Boom und die Folgen

    Die Pandemie hat dem Online-Händler ein gewaltiges Umsatz- und Gewinnplus beschert. Amazon ist das Unternehmen, das wie kaum ein anderes von der Pandemie profitierte. Doch die Beschäftigten spüren das nicht, kritisiert die Gewerkschaft - im Gegenteil.

    Der seit Frühjahr andauernde Corona Online-Boom habe bei den Beschäftigten Spuren hinterlassen, so Sylwia Lech von Verdi. In Graben seien die Arbeitsbedingungen in Corona-Zeiten nicht gut.

    Verdi spricht von "immensem Druck"

    Immenser Druck, ständige Leistungsverdichtung, unzureichende Erholungszeiten gepaart mit mangelhaften Infektionsschutzvorkehrungen seien bei Amazon häufig an der Tagesordnung, heißt es in einer Mitteilung an die Presse. Gerade im Kampf um gesunde Arbeit seien existenzsichernde Tarifverträge von enormer Bedeutung, betont die Gewerkschafterin.

    Seit Jahren werde die geforderte tarifvertragliche und existenzsichernde Entlohnung abgelehnt, kritisiert Verdi-Vertreter Orhan Akman: "Gleichzeitig macht der Konzern mit dem reichsten Mann der Welt an der Spitze durch Coronavirus-Pandemie, 'Black Friday', 'Cyber Monday' und im Weihnachtsgeschäft riesige zusätzliche Milliardengewinne."

    Amazon sieht den Streik gelassen

    In einer Presseinfo von Amazon heißt es dagegen: "Amazon bietet ein Umfeld, in dem man gerne arbeitet, sich einbringen und erfolgreich sein kann. Tatsache ist, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Amazon bereits von exzellenten Löhne, exzellenten Zusatzleistungen und exzellenten Karrierechancen profitieren - und das alles in einer sicheren, modernen Arbeitsumgebung."

    Diese Vorteile und Chancen habe jede und jeder bei Amazon, genauso wie die Möglichkeit zum direkten Austausch mit Führungskräften. "Das Lohnpaket samt der Zusatzleistungen und unsere Arbeitsbedingungen bestehen auch im Vergleich mit anderen wichtigen Arbeitgebern in der Region", heißt es in der Mitteilung von Amazon.

    Auswirkungen auf Kundenlieferungen hätten die Aktionen der Gewerkschaft in der Vergangenheit nicht gehabt, der allergrößte Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeite ganz normal, betont ein Amazon-Sprecher.

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