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Streik in drei bayerischen Städten: Busfahrer fordern mehr Geld | BR24

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In drei bayerischen Städten haben Busfahrer bei einem Warnstreik ihre Arbeit niedergelegt. Betroffen waren bzw. sind Coburg, Kaufbeuren und Aschaffenburg. Hintergrund ist ein Tarifstreit im privaten Busgewerbe in Bayern.

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Streik in drei bayerischen Städten: Busfahrer fordern mehr Geld

Die Gewerkschaft Verdi hat Busfahrer in Aschaffenburg, Coburg und Kaufbeuren dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Hintergrund ist ein Tarifstreit im privaten Busgewerbe in Bayern.

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Nach einer laut Verdi enttäuschenden ersten Verhandlungsrunde ohne Angebot des Landesverbands Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) hat die Gewerkschaft die Beschäftigten der Busunternehmen Aschaffenburg Verkehrsgesellschaft GmbH sowie SÜC Bus und Aquaria in Coburg zu einem ganztägigen Streik und die Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal GmbH in Kaufbeuren zu einem Ausstand von 4.45 Uhr bis 8.45 Uhr aufgerufen.

Mehr als 150 Beschäftigte waren beteiligt

In allen drei Orten hätten mehr als 150 Beschäftigte und damit die klare Mehrheit der Belegschaften an dem Warnstreik teilgenommen, berichtete Silke Vorpahl von Verdi Bayern. Für großen Unmut sorgte jedoch eine vom Arbeitgeber verhängte Aussperrung in Coburg.

Forderungen nach mehr Lohn

In Kaufbeuren legten in den frühen Morgenstunden rund 35 Busfahrer auf dem Betriebsgelände ihre Arbeit nieder, um ihrer Forderung nach mehr Lohn Ausdruck zu verleihen. Nachdem der Tarifvertrag Ende August ausgelaufen sei, wolle man nun eine "ordentliche Lohnerhöhung", sagte Tarifkommissionsmitglied Harald Scheibler.

"LKW-Fahrer am Bau bekommen 20 Euro, wir bekommen 14 Euro", das könne nicht sein, erklärte Scheibler weiter. Zumal man "während der Corona-Zeit durchgefahren" sei, Menschen in systemrelevanten Berufen in die Arbeit und wieder heimgefahren habe. Dafür wolle man jetzt "anständig entlohnt werden". Bislang habe man dafür "im Omnibusgewerbe nicht einmal ein Dankeschön bekommen", meinte Scheibler.

Einschränkungen in Coburg und Aschaffenburg bis in die späten Abendstunden

Während in Kaufbeuren für vier Stunden die Arbeit niedergelegt wurde, wurde dagegen in Coburg und in Aschaffenburg den ganzen Tag über gestreikt und somit der Verkehr größtenteils lahmgelegt. So sind in Aschaffenburg seit Streikbeginn kurz nach vier Uhr bis Mittag rund 90 Prozent aller Fahrten der Aschaffenburger Verkehrsgesellschaft ausgefallen. Das werde sich laut Frank Daniel, der bei den Aschaffenburger Stadtwerken für den ÖPNV zuständig ist, bis Mitternacht auch nicht ändern.

Der Schulverkehr in Aschaffenburg ist aber nicht zusammengebrochen. "Zumindest den Schülerverkehr am Vormittag konnten wir aufrechterhalten - das hatte oberste Priorität und das wollen wir auch am Mittag bei Schulschluss erreichen!", erklärte Frank Daniel.

Tarifvertrag Nahverkehr als Auslaufmodell

Mittags beteiligen sich 46 Mitarbeiter am Streik auf dem Betriebshof der Stadtwerke in Aschaffenburg. Die Zahlen schwankten je nach Schicht, so Gerald Burkard, Verdi Streikleiter in Aschaffenburg.

Verdi wolle mit der Maßnahme klarmachen, wie ungerecht die unterschiedliche Bezahlung der Busfahrer hier in Aschaffenburg sei: "Früher war die Verkehrsgesellschaft der Aschaffenburger Stadtwerke im kommunalen Arbeitgeberverband und es galt der Tarifvertrag Nahverkehr Bayern, doch der ist ein auslaufendes Modell. Die GmbH ist inzwischen zum Landesverband bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) gewechselt und der hat einen anderen Tarifvertrag, sprich hier wird weniger gezahlt!", sagte Burkard.

Laut Stadtwerke wird die Mehrheit der insgesamt 150 Mitarbeiter nach dem Tarifvertrag des LBO bezahlt, er gelte Frank Daniel für rund 80 Beschäftigte. Verdi spricht von einer himmelhochschreienden Ungerechtigkeit: "Es kann nicht sein, dass die Busfahrer für die gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt werden – die Altfahrer bekommen mit 14,50 Euro Einstiegsgehalt nicht nur mehr Geld, sondern auch eine Altersversorgung aus dem öffentlichen Dienst. Die Fahrer, die nach dem Tarif des LBO bezahlt werden, bekommen knapp 13 Euro und müssen sich selbst um eine Altersversorgung kümmern!", so Burkard.

Weitere Streiks nicht ausgeschlossen

Deshalb fordert die Gewerkschaft unter anderem 3,50 EUR mehr pro Stunde bei einer Laufzeit von 18 Monaten. Auch künftig wird es wohl weitere Streiks geben. Verdi verweist in diesem Zuge auf deutlich höhere Löhne generell für Busfahrer in Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg. Entsprechend sei in Bayern nach Burkard noch viel Luft nach oben.

Für großen Unmut bei den Streikenden sorgte jedoch eine vom Arbeitgeber verhängte komplette Aussperrung in Coburg. "Das belegt das dünne Nervenkostüm des Arbeitgebers in Coburg, wenn er schon auf einen Warnstreik mit der Ultima Ratio in Streikauseinandersetzungen reagiert", kritisierte der Streikleiter vor Ort, Dirk Schneider. Er hält dieses Verhalten für "bundesweit einmalig". "Und wenn dieses Beispiel den Takt für die weitere Tarifrunde vorgibt, dann muss man sich auf harte Bandagen einstellen", prophezeite Schneider weiter.

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