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Straußenhaltung in Bayern - eine exotische Tierzucht | BR24

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Straußenhaltung in Bayern

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    Straußenhaltung in Bayern - eine exotische Tierzucht

    Mittlerweile gibt es rund 50 Straußenfarmen in Bayern. Die Haltung der exotischen Tiere wird hierzulande immer beliebter. Heimisch ist der 'Struthio camelus' aber eigentlich in Afrika. Was sind also die Besonderheiten der Straußenhaltung?

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    Im Tierreich ist der Strauß der größte flugunfähige Vogel. Mit einer Größe von bis zu 2,70 Meter und einem Maximalgewicht von rund 150 Kilogramm ist die Aufzucht der Tiere nicht zu unterschätzen - zumal sie als sehr aggressiv gelten. Dennoch gibt es in Bayern immer mehr Landwirte, die sich für die Straußenzucht entscheiden.

    Warum Straußenhaltung?

    In Gelbelsee im Landkreis Eichstätt spezialisieren sich Erich und Beate Zimmermann bereits seit 2011 auf die professionelle Haltung der Laufvögel. Für sie ist der Strauß eine bessere Alternative zum Rind, da die Fleischqualität ihrer Meinung nach besser und das Futterspektrum ähnlich ist. So besteht die Straußenernährung zu 80 Prozent aus Gras, das ohnehin auf der Weide wächst. Die restlichen 20 Prozent sind Getreide. Die Fütterung der großen Tiere ist also sehr effizient.

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    Erich und Beate Zimmermann vermarkten Straußenfleisch

    Herausforderungen der Kükenaufzucht

    Anders sieht es bei den Straußenküken aus. Die Schwierigkeit bei der Kükenaufzucht liegt in der hohen Sterblichkeitsrate von 25 bis 30 Prozent. Um diese so gering wie möglich zu halten, benötigen die Kleinen viel Wärme, um die 35 Grad Celsius. Hierfür haben die Zimmermanns den Stall mit Wärmeplatten, vielen Lampen und Wärmestrahlern ausgestattet. Neben der Wärme ist auch darauf zu achten, dass die Küken nicht nass werden und ausreichend fressen. Das muss ihnen allerdings beigebracht werden: Haferflocken auf den Boden streuen, mit den Fingern verteilen und immer wieder einzelne Flocken zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen: Damit wird den Küken das Picken vorgemacht.

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    Straußenküken sind empfindlich. Die Aufzucht ist eine Herausforderung.

    Struthio camelus - ein aggressives Tier?

    Läuft bei der Aufzucht alles reibungslos, können aus den Straußenbabys richtig kräftige Hennen und Hähne werden. Ein aufgebrachtes Tier kann da auch mal gefährlich werden. Doch ist der Strauß wirklich so aggressiv, wie man glaubt? Erich Zimmermann warnt jedenfalls.

    "Er kann sehr aggressiv sein, weil er territorial ist. Das heißt, er verteidigt sein Gehege, in der Freiheit seine Fläche. Jemand, der es betritt, der ist ein Gegner, den greift er an. Prinzipiell kann ich einem Laien nur davon abraten, ins Gehege zu gehen. Das kann tödlich enden." Erich Zimmermann

    Wenn der Hahn seine Flügel aufstellt und damit seine Hüfte freimacht, ist höchste Vorsicht geboten. Denn mit seinen acht Zentimeter langen Krallen kann ein Strauß einem Menschen sogar den Brustkorb aufreißen. In Deutschland sind die Vögel deshalb auch als Wildtiere eingestuft, ein doppelter Weidezaun ist für die Halter vorgeschrieben.

    Haltung und Verwertung

    • Artgerechte Haltung: Der afrikanische Strauß ist ein Fluchttier und kann bis zu 70 Kilometer pro Stunde rennen. Um seinem Bewegungsdrang freien Lauf zu lassen, umfasst die Straußenfarm Zimmermann eine Fläche von rund 20.000 Quadratmetern. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind die Temperaturen in Bayern für die Tiere nicht zu kalt. Ab 30 Grad haben sie eher Probleme mit der Temperatur und werden gestresst, wie Erich Zimmermann erklärt.
    • Vermarktung: Ein Strauß liefert zirka 30 Kilo vermarktbares Fleisch. Davon sind rund neun Kilogramm Filet, 14 Kilogramm Steak und zwei bis drei Kilogramm Braten. Der Rest wird zu Wurst, Gulasch oder Salami verarbeitet. Das Fleisch schmeckt ein bisschen wie Rindfleisch, ist sehr mager und hat einen niedrigen Cholesteringehalt. Auch die riesigen Straußeneier sind verzehrbar, wobei ein Straußenei mengenmäßig rund 25 Hühnereiern entspricht. Leder und Fett der Vögel werden ebenfalls verarbeitet.

    Fazit

    Für die Zimmermanns ist die Straußenfarm mittlerweile ein lukratives finanzielles Standbein. Dennoch ist der Aufwand der Haltung nicht zu unterschätzen.