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Straubinger (CSU) sieht Mitschuld bei Schlachthof-Arbeitern | BR24

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Im Interview mit dem BR gibt der CSU-Agrarpolitiker Max Straubinger Schlachthof-Mitarbeitern eine Mitschuld an den über 80 Coronavirus-Fällen im niederbayerischen Bogen.

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Straubinger (CSU) sieht Mitschuld bei Schlachthof-Arbeitern

Nach Corona-Ausbrüchen in Schlachthöfen lehnt der CSU-Landwirtschaftspolitiker Max Straubinger das geplante Verbot von Werkverträgen ab. Er gibt den Schlachthof-Mitarbeitern eine Mitschuld an den Corona-Fällen. Die Gewerkschaft sieht das ganz anders.

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Von
  • Christoph Peerenboom
  • Rüdiger Kronthaler
  • BR24 Redaktion

In Bogen (Lkr. Straubing-Bogen) haben sich 83 Mitarbeiter eines Schlachthofs mit dem Coronavirus infiziert. Deshalb rücken nun die prekären Arbeitsverhältnisse in dieser Branche in den Fokus. Der CSU-Landwirtschaftspolitiker Max Straubinger aus dem Kreis Rottal-Inn sieht allerdings keine Notwendigkeit, Gesetze zu verschärfen. Vielmehr sieht er bei den Arbeitern eine Mitschuld an den Corona-Ausbrüchen.

Im Interview mit der Bayern 2-radioWelt sagte Straubinger zu strengeren Regelungen für Schlachthöfe: "Ich halte da nichts davon (...) Hier gilt es letztendlich die Vorschriften auch zu überprüfen, und da sind natürlich die Länder gefordert."

Straubinger will Mitarbeiter in die Verantwortung nehmen

Straubinger verwies auf die Mitverantwortung der Beschäftigten: "Es ist immer eine punktuelle Frage in einem Betrieb. Dort kommt es darauf an, ob die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch in ihrer Freizeit immer die Vorschriften des Abstandhaltens eingehalten haben." Er habe schon den Eindruck, dass in den Betrieben vorgesorgt werde, denn ein Betrieb habe schließlich nichts davon, wenn er in die Schlagzeilen komme.

Günstige Unterbringung der Angestellten

Die Unterkünfte von Schlachthof-Mitarbeitern seien oft überbelegt, so der CSU-Politiker. Hier stimme er Bundesarbeitsminister Heil (SPD) zu. Entscheidend sei aber, ob die Wohnungen von den Firmen gestellt oder selbst angemietet würden:

"Hier habe ich schon den Eindruck, dass natürlich die Menschen, die hier arbeiten, die aus Ungarn, Polen oder aus Rumänien kommen, nicht unbedingt eine großzügige Wohnung haben wollen. Die wollen in Deutschland Geld verdienen, aber möglicherweise wenig ausgeben und damit natürlich am liebsten in beengten Verhältnissen nur Zimmer anmieten." Max Straubinger (CSU)

Gewerkschaft: Arbeiter "in Sammelunterkünften zusammengepfercht"

Für Mustafa Öz, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Gaststätten-Genuss (NGG), ist es nicht verwunderlich, dass man gerade in Zeiten von Corona feststellt: "Oh, die Menschen sind ja ganz schön schlecht untergebracht." Die Menschen seien in Sammelunterkünften zusammengepfercht. Die meisten von Ihnen könnten nicht Deutsch sprechen und die Abhängigkeit von den Subunternehmern sei groß.

"Die Menschen sind in einer extremen Abhängigkeit von der Werkvertragsfirma. Sie werden mit kleinen Bussen aus ihrem Heimatland, meist Rumänien, Bulgarien, Osteuropa, nach Deutschland gebracht. Die kommen in Sammelunterkünfte, wo sie zwischen 200 und 300 Euro pro Kopf an Miete bezahlen. Sie haben keine andere Chance, eine andere Wohnung zu bekommen, wenn sie nur temporär hier sind." Mustafa Öz, Vorsitzender Gewerkschaft NGG

Gewerkschaft: "Das hat System"

Die Menschen, die in dem Bogener Schlachthof arbeiten und sich infiziert haben, kommen aus Osteuropa. Sie arbeiten und wohnen zusammen und haben ansonsten wenig Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. Das habe System, heißt es von der Gewerkschaft. Die Arbeiter sind zum großen Teil über Subunternehmen angestellt und die Unternehmen tragen damit keine Verantwortung.

Auch die Wohnungen oder Zimmer, die die Subunternehmen vermitteln, wären damit Privatwohnungen. Auf die privaten Wohnverhältnisse habe man keinen Einfluss, die dürfe man nicht kontrollieren, argumentiert ein Sprecher des Schlachthofs gegenüber dem BR. Für den Gewerkschafter und NGG-Vorsitzenden Mustafa Öz ist diese Argumentation zu einfach.

"Ich bitte Sie: Natürlich wissen die das, die wissen, wie die Zustände sind. Die machen Verträge, die kommen nicht mit 5er-BMW, die haben alle die gleiche Adresse, wo die Wohnheime sind. Wie die Zustände sind - das ist keine Überraschung, das ist ein System, das in ganz Deutschland so funktioniert." Mustafa Öz, Vorsitzender Gewerkschaft NGG

Das könne nicht angehen, dass hier die Verantwortung abgegeben werde, so Öz. Hier brauche es eine klare Regelung, was diese Unterkünfte angehe. Die Unternehmen sollten auch die Verantwortung für diese Wohnungen übernehmen und nicht einfach sagen, "ach was weiß denn ich, wie die untergebracht sind", erklärte Öz.

Mehr Gesetze - mehr Schutz für die Arbeiter?

Der niederbayerische Agrarexperte Max Straubinger ist der Meinung, dass die Gesetze ausreichend seien. Die meisten würden allerdings nicht ganz so eingehalten oder nicht mehr so intensiv überprüft. Für Mustafa Öz von der Gewerkschaft NGG hingegen bringt die Corona-Krise zutage, was seiner Meinung nach in den letzten Jahren schon offensichtlich war: "Wir brauchen härtere Regeln, dann können das die Behörden auch schärfer kontrollieren."

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