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Straubing: 14 Verletzte nach Ammoniak-Austritt in Eisstadion | BR24

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Beim Austritt von giftigem Ammoniak in einem Eisstadion in Straubing sind zahlreiche Menschen verletzt worden.

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Straubing: 14 Verletzte nach Ammoniak-Austritt in Eisstadion

Nach dem Austritt von giftigem Ammoniak im Straubinger Eisstadion sind nach Angaben der Polizei mindestens 14 Menschen verletzt worden. Zwischenzeitlich hatte die Polizei von 60 Verletzten gesprochen, korrigierte die Zahl aber wieder nach unten.

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Durch den Austritt von Ammoniak im Straubinger Eisstadion sind bisher mindestens 14 Menschen verletzt worden. Die Polizei hatte zwischenzeitlich von 60 Menschen gesprochen, korrigierte die Zahl später aber nach unten. Einem Sprecher zufolge gab es zwischen den Einsatzkräften eine Kommunikationspanne.

Ammoniak verursacht Augen- und Atemwegsreizungen

Die Verletzten - darunter auch Feuerwehrmänner - klagen vorwiegend über Augen- und Atemwegsreizungen. Eine nahe liegende Schule wurde evakuiert. 118 Schüler mussten das Schulgebäude verlassen und klagen zum Teil ebenfalls über Beschwerden. Die Schüler wurden in andere Schulen im Stadtgebiet gebracht. Etwa 130 Anwohner mussten ebenfalls ihre Wohnungen verlassen.

Stadt Straubing richtet Bürgertelefon ein

Die Stadt hat jetzt auch ein Bürgertelefon eingerichtet. Es ist unter der Telefonnummer 09421/97168222 erreichbar. Am Bürgertelefon erhalten Anwohner unter anderem aktuelle Verhaltenshinweise. Der abgesperrte Bereich ist weiterhin zu meiden. Anwohner werden weiterhin gebeten, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Zur Zeit wird das Eisstadion gelüftet, dabei kann es erneut zu Geruchsbelästigungen im angrenzenden Bereich kommen. Die Feuerwehr hat im Umfeld des Stadions verschiedene Messstellen zur Messung der Schadstoffkonzentration eingerichtet, um eine Gefährdung der Bevölkerung auszuschließen.

Es wird weiterhin gebeten die abgesperrten Bereiche zu meiden und diese großräumig zu umfahren. Laut Polizei bleiben die Straßen bis 16 Uhr gesperrt. Folgende Straßen und Plätze sind für den Verkehr gesperrt: - Geiselhöringer Straße ab Kreisverkehr - Regensburger Straße komplett - Gartenstraße komplett - Sperrung am Stadtgraben – Einfahrt Theresienplatz - Westtangente ab Einmündung Meginhardstraße - Am Hagen: Ostseite ab Spitaltor In der Innenstadt riecht es stark nach Ammoniak.

Spezialfirma ist auf dem Weg

Nach bisherigen Erkenntnissen ist bei Bauarbeiten auf der Eisfläche des Eisstadion eine Leitung beschädigt worden. Danach strömte Ammoniak aus. Zwar konnte die Feuerwehr den Ammoniak-Zufluss unterbrechen. Laut Polizei tritt jedoch das in der Leitung befindliche Ammoniak weiterhin aus. Eine Spezialfirma soll in Kürze am Unglücksort eintreffen und sich darum kümmern.

Ammoniak kann lebensgefährlich sein

Ammoniak (NH3) ist ein stechend riechendes, giftiges Gas. Die aus Stickstoff und Wasserstoff bestehende Verbindung wirkt stark ätzend auf Lunge, Haut und Augen - beim Einatmen höherer Konzentrationen kann es dort lebensgefährliche Verletzungen verursachen. Ammoniak und sein Umwandlungsprodukt Ammonium sind Luftschadstoffe, die erheblich zur Schädigung von Land- und Wasserökosystemen beitragen.

Ammoniak ist ein wichtiger Grundstoff in der chemischen Industrie, zudem wird es - wie in Straubing - oft als Kältemittel verwendet. Unfälle mit dem Gas gab es immer wieder, meist infolge von Lecks in Ammoniak-Leitungen.

Biologisch hat Ammoniak eine wichtige Funktion als Zwischenprodukt beim Auf- und Abbau von Aminosäuren. Bei Wiederkäuern befinden sich Bakterien im Pansen der Rinder, die bewirken, dass Gülle und Mist der Tiere ammoniakhaltig sind. In Gewässern nimmt bei steigendem pH-Wert die Konzentration des Ammoniaks zu, was zu plötzlichem Fischsterben führen kann. Ammoniak und Ammonium sind außerdem wesentliche Vorläufersubstanzen für den gesundheitsschädlichen Feinstaub.

Die wichtigste Quelle von Ammoniak ist die Landwirtschaft. Nur etwa fünf Prozent der Ammoniak-Emissionen entstammen anderen Quellen, wie beispielsweise dem Kraftfahrzeugverkehr und Vulkanausbrüchen. Wesentliche landwirtschaftliche Quellen der Ammoniakemission sind Ackerböden, Viehhaltung sowie Wirtschaftsdünger - natürlichem wie Gülle sowie synthetischem.

In größerer Menge wurde Ammoniak ab 1840 benötigt, nachdem Justus von Liebig entdeckt hatte, dass landwirtschaftliche Erträge durch die Stickstoffdüngung verbessert werden. Der größte Teil des Ammoniaks wird zu Düngemitteln weiterverarbeitet. Harnstoff ist die wichtigste aus Ammoniak hergestellte Verbindung. Neben Harnstoff werden weitere Stickstoffdünger aus Ammoniak hergestellt. Zu den wichtigsten zählen die Salze Ammoniumnitrat, - phosphat und - sulfat.