BR24 Logo
BR24 Logo
BR24

Straße oder Schiene: Wer hat beim Ausbau die Nase vorn? | BR24

© BR

Straße versus Schiene

26
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Straße oder Schiene: Wer hat beim Ausbau die Nase vorn?

Möglichst viel Verkehr auf die Schiene verlagern – bei dieser Forderung sind sich Politiker aller Parteien schnell einig. Das Geld vom Straßen- in den Schienenbau zu verlagern, scheint jedoch schwierig zu sein. Eine Bilanz für Bayern.

26
Per Mail sharen
Von
  • Lorenz Storch

Was die neu fertiggestellten Streckenkilometer angeht, liegen Schiene und Straße zunächst gleichauf: Es steht 0:0. 2020 wurden in Bayern null Kilometer neue Autobahn fertiggestellt und null Kilometer neue Schiene. "Der klassische Neubau auf der grünen Wiese ist ein Auslaufmodell", sagt Josef Seebacher von der Autobahndirektion Südbayern, "da gibt es eigentlich nur noch die A94 in Niederbayern".

Ausbauten von überlasteten Einzelstrecken kämen dagegen noch vor, etwa auf der A92, der A99 und der A8. Nach Angaben des bayerischen Verkehrsministeriums gingen 2020 14,5 Kilometer Autobahnausbau in Betrieb. Auf 8,6 Kilometern wurden Bundesstraßen erweitert und 21,3 Kilometer Bundesstraßen neu gebaut. Dabei habe es sich ausschließlich um Ortsumgehungen gehandelt.

Schwerpunkt bei Autobahnen liegt auf Erhaltung

Dennoch: "Der absolute Schwerpunkt liegt in der Erhaltung des bestehenden Netzes", betont der Sprecher der Autobahndirektion. Was aufwändig genug sei, beispielsweise bei den über 2.000 Brücken an den bayerischen Autobahnen. Lange sei die Infrastruktur auf Verschleiß gefahren worden, seit gut zehn Jahren jedoch reichten die Mittel zur Erhaltung der Autobahnen aus. Laut Verkehrsministerium fließe bei Autobahnen und Bundesstraßen in Bayern etwa die Hälfte des Budgets in die Bestandserhaltung.

Investition in Straßen und Schienen etwa gleich

Insgesamt wurden in diesem Jahr für Autobahnen und Bundesstraßen in Bayern 1,75 Milliarden Euro aus Bundesmitteln ausgegeben. Und damit praktisch gleich viel wie für die Schiene in Bayern, in die laut Deutsche Bahn 1,7 Milliarden Euro investiert wurden.

Auch bei der Bahn wurde ein Großteil für die Instandhaltung des bestehenden Netzes aufgewendet. Die größte Verbesserung war die Elektrifizierung der Strecke München-Lindau auf 155 Kilometern Länge, die im Dezember in Betrieb gegangen ist.

Es brauche nicht immer Neubau, so ein Bahnsprecher gegenüber dem BR: "Im Gegensatz zur Straße lassen sich auch im bestehenden Schienennetz noch signifikante Steigerungen der Verkehrsleistung erzielen." Die Verkehrsleistung auf den Schienen der Deutschen Bahn, auf dem Bestandsnetz, ist seit Jahren kontinuierlich gestiegen.

Engpässe auf der Schiene

Dass die Infrastruktur der Bahn nicht mit der Nachfrage mitgewachsen ist, habe aber auch zu immer größeren Engpässen geführt, kritisiert Bernd Sluka vom ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD) - etwa bei den Bahnknoten München und Nürnberg.

Wenn es nach dem VCD Bayern ginge, gäbe es überhaupt keinen weiteren Autobahnausbau: "Die Straße hat Jahrzehnte lang Vorrang genossen. Eigentlich ist jeder Winkel in Bayern durch Straßen erschlossen, auch durch schnelle Straßen. Jetzt könnten wir mal 50 Jahre lang die Schiene ausbauen."

Die Milliarde vom Freistaat macht den Unterschied

Obwohl der Bund etwa gleich viel Geld in bayerische Schienen und Straßen investiert, bleibt Sluka dabei: "Es fließt wesentlich mehr Geld ins System Straße als ins System Schiene." Und das liegt am Freistaat Bayern selbst. Denn der hat heuer in seine Staatsstraßen 350 Millionen Euro gesteckt, und den Kommunen für ihre Straßen 637 Millionen Euro Förderung überweisen. Macht unter dem Strich rund eine Milliarde Euro mehr für die Straßen.

Bei der Bahn fehlen Planer

Ein weiterer Vorteil für die Straße: Hier hat die staatliche Verwaltung Ausbaupläne auf Vorrat in der Schublade. Sie können jeweils schnell umgesetzt werden, wenn es das Budget erlaubt. Das soll künftig bei der Bahn auch erreicht werden. Bisher aber fehlen Schienen-Planer, und es sind komplizierte Finanzierungsvereinbarungen nötig, bevor eine Planung für neue Eisenbahn-Infrastruktur überhaupt beginnen kann. Deshalb ist es mit höheren Budgets für die Schiene allein nicht getan – man muss diese auch erst einmal verbauen können.

Eine Trendwende zugunsten der Schiene ist angekündigt

Doch es könnte sich eine Trendwende abzeichnen. Das Bundesverkehrsministerium hat angekündigt, im Jahr 2022 erstmals mehr Geld in die Schiene zu investieren als in die Straße. Der Verband Allianz pro Schiene lobt, dass der Bund mehr in sein Schienennetz investiert als in der Vergangenheit. Gibt aber gleichzeitig zu bedenken: "Mit den im Bundeshaushalt vorgesehenen Mitteln kann der Schrumpfungsprozess des Schienennetzes zwar gestoppt, aber nicht umgekehrt werden."

Der Bund investiere zwar in den Bestandserhalt, aber für den Neu- und Ausbau der Schienenwege fehle weiterhin Geld. Das Ziel der Bundesregierung, in diesem Jahrzehnt die Fahrgastzahlen zu verdoppeln und den Marktanteil der Schiene am Güterverkehr auf mindestens 25 Prozent zu steigern, sei nur durch zusätzliche Investitionen zu erreichen.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!