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Prozess gegen Augsburger Schläger: So kam es zur Attacke | BR24

© BR/Barbara Leinfelder

Die drei Angeklagten im sogenannten Kö-Prozess vor dem Augsburger Landgericht

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    Prozess gegen Augsburger Schläger: So kam es zur Attacke

    Im Kö-Prozess vor dem Augsburger Landgericht hat die Staatsanwaltschaft die Anklage verlesen. Darin heißt es, dass die Angeklagten das Unrecht ihrer Tat abschätzen konnten. Außerdem wurden die Umstände erläutert, die zur Tat geführt haben sollen.

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    Von
    • Barbara Leinfelder
    • Beate Mangold

    Mit gesenkten Köpfen sitzen die drei jugendlichen Angeklagten in der ersten Reihe des Gerichtssaals im Augsburger Justizpalast, als Staatsanwalt Michael Nißl die Anklageschrift im sogenannten Kö-Prozess verliest. Der Hauptangeklagte, der zur Tatzeit 17 Jahre alt war und eine Lehre als Elektro-Azubi machte, muss sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Am Nikolaustag 2019 soll er einen 49-jährigen Mann in der Nähe des Augsburger Königsplatzes mit einem Fausthieb erschlagen haben.

    Frage nach einer Zigarette führte zur Attacke

    Staatsanwalt Nißl schildert in der Anklageschrift detailliert den ermittelten Tathergang. Das spätere Todesopfer Roland S. und sein Freund Christian M. seien demnach nach einem Besuch des Weihnachtsmarktes auf dem Heimweg gewesen, als sie nahe des Königsplatzes in Höhe der Fuggerstraße auf eine siebenköpfige Gruppe von Jugendlichen trafen. Einer der jungen Männer fragte die beiden nach einer Zigarette, was erst zu einer verbalen Auseinandersetzung führte, in deren Verlauf der 49-jährige Feuerwehrmann dann den jungen Mann schließlich zu Boden schubste.

    Opfer starb an einer Hirnblutung

    Die Streitigkeit schien da bereits beendet, so der Staatsanwalt, als ein anderer aus der Gruppe der Jugendlichen dem 49-Jährigen einen Schlag gegen das Kinn versetzte, und zwar "völlig unvermittelt, gänzlich überraschend" und grundlos. Dieser Treffer habe dazu geführt, dass der Kopf des Opfers in eine derart schnelle Rotationsbewegung versetzt worden sei, dass die Hirngrundschlagader einriss. Dadurch sei es zu einer "schlagartigen massiven Blutansammlung" im Gehirn des Opfers gekommen. Roland S. verstarb wenig später an einer sogenannten Subarachnoidalblutung, so Nißl.

    Mutmaßliche Täter stachelten sich gegenseitig an

    Dem Angeklagten sei es bei seinem Angriff darauf angekommen, den 49-Jährigen "massiv zu verletzen", er hätte erkennen müssen, dass der Mann durch einen solchen Schlag zu Tode kommen könnte. Danach schildert der Staatsanwalt in der Anklageschrift das weitere Geschehen.

    Demnach hätten der Hauptangeklagte und die beiden mutmaßlichen Mittäter, ein 17-jähriger Schüler und ein 19-jähriger Azubi im Groß- und Außenhandel, dann auch noch den Freund des 49-Jährigen angegriffen. Sie versetzten ihm diverse Schläge und Tritte und verletzten ihn damit schwer. Dabei hätten sie "auf Basis des Machtgefühls" aufgrund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit gehandelt und sich gegenseitig angestachelt.

    Angeklagte konnten Unrecht der Tat einsehen

    Der attackierte 51-Jährige wurde dabei schwer verletzt, er erlitt unter anderem einen Jochbeinbruch im Gesicht, eine Platzwunde am Auge und musste stationär im Krankenhaus behandelt werden. Die Angeklagten seien sittlich genügend gereift gewesen, um das Unrecht der Tat einzusehen. Daher werde der Hauptangeklagte der Körperverletzung mit Todesfolge und gefährlicher Körperverletzung beschuldigt. Die beiden anderen seien wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung zu belangen, so der Staatsanwalt.

    Eltern des mutmaßlichen Haupttäters verfolgen den Prozess

    Die Eltern des Hauptangeklagten verfolgen den Prozess aus den Zuschauerraum. Auch Freunde des Hauptangeklagten hatten versucht, einen Platz im Gerichtssaal zu bekommen. Wegen der Hygiene-Vorschriften wegen der Corona-Pandemie ist die Zuschauerzahl im Gerichtsaal begrenzt. Schon am frühen Morgen hatte sich deshalb vor Gericht eine lange Schlange gebildet, auch das Medieninteresse ist groß. Der Fall hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht, unter anderem, weil es sich bei dem 49-Jährigen um ein Zufallsopfer handelte, weil er Mitglied der Berufsfeuerwehr war und weil die Tat nahe des Christkindlesmarkts geschah.

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