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Neue Stolpersteine in Regensburg verlegt | BR24

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In Regensburg liegen zehn neue Stolpersteine. Sie sollen an die systematische Ermordung von Psychiatrie-Patienten und Behinderten in der NS-Zeit erinnern.

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Neue Stolpersteine in Regensburg verlegt

In Regensburg liegen jetzt zehn neue Stolpersteine. Sie sollen an die systematische Ermordung von Psychiatrie-Patienten und Behinderten in der NS-Zeit erinnern. Zudem entsteht vor der neuen Synagoge in Regensburg eine sogenannte Stolperwelle.

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In Regensburg wurden am Dienstag und Mittwoch zehn Stolpersteine verlegt. Schwerpunkt der Erinnerung ist die systematische Ermordung von Psychiatrie-Patienten und Behinderten in der NS-Zeit.

Inschrift: "Aktion T4"

Fast alle goldfarbenen Pflastersteinen, die in diesem Jahr auf Gehwegen in Regensburg eingesetzt werden, haben eine Inschrift gemein: "Aktion T4". Die Zahl steht für eine Adresse in Berlin: Tiergartenstraße 4. Von hier aus organisierten die Nationalsozialisten die systematische Ermordung von mehr als 100.000 Psychiatrie-Patienten und Behinderten aus Heilanstalten in Deutschland und den besetzten Gebieten. Auch aus der Heilanstalt Karthaus-Prüll in Regensburg wurden Menschen in extra eingerichtete Tötungsanstalten verschleppt. Die meisten Regensburger Patienten kamen ins österreichische Hartheim nahe Linz, wo sie in Gaskammern ermordet wurden.

Opfer: Verleugnet und vergessen

An das Schicksal der Regensburger Opfer der "Aktion T4" erinnern jetzt zehn Stolpersteine. Auf Wegen und Straßen vor ihren letzten Wohnorten sind ihre Namen im Boden eingelassen, zeigen die Inschriften den Lebensweg in aller Kürze auf. Meistens ist nicht viel über die Geschichte hinter dem Namen bekannt: "Das hat sehr viel damit zu tun, dass Menschen, die eine geistige Behinderung haben, in ihren Familien verschwiegen worden sind", erklärt Ulrich Fritsch vom Arbeitskreis Stolpersteine Regensburg.

"Die Verwandten wissen oft gar nicht, dass vielleicht ein Großvater oder eine Großtante Opfer dieser Mordaktionen geworden sind." Ulrich Fritsch vom Arbeitskreis Stolpersteine Regensburg

"Stolperwelle" vor der neuen Synagoge

Auch am Eingang der neuen jüdischen Synagoge in Regensburg wird am Mittwochvormittag eine sogenannte Stolperwelle verlegt. Mit einer etwa halben Meter Länge soll sie die Besucher an die 31 Menschen aus Niederbayern und der Oberpfalz erinnern, die von hier in die Konzentrationslager Theresienstadt und Ausschwitz deportiert wurden.

Mehr Aktionen geplant

In den nächsten Tagen sollen Stolpersteine auch in Würzburg und Lichtenfels verlegt werden. Auch in Regensburg sind weitere Verlegungen geplant: 2020 jährt sich der Beginn der "Aktion T4" zum 80ten mal. Aus diesem Anlass plant der Arbeitskreis zusammen mit dem Bezirksklinikum auch vor der ehemaligen Heilanstalt Karthaus-Prüll eine weitere Stolperwelle zu verlegen.

Künstler Demnig hatte die Idee

In vielen Städten wie Regensburg gibt es Stolpersteine schon seit etlichen Jahren. Die Idee dafür hatte Gunter Demnig. 1993 hat er die ersten Pflastersteine in Beton verlegt, auf deren Oberfläche eine Plakette aus Messing angebracht ist. Seither hat der 71-jährige Künstler rund 73.000 Stolpersteine in Deutschland und fast ganz Europa eingesetzt, allein. Das Ziel: In jeder europäischen Stadt, in der die Nazis gewütet und gemordet haben, sollen Stolpersteine an die Opfer erinnern.

© BR/Sebastian Grosser

Der Künstler Gunter Demnig beim Verlegen eines Stolpersteins in Regensburg

Stolpersteine: Richtige Form der Erinnerung?

Manche Städte wie München halten Stolpersteine aber für keine gute Form des Gedenkens, weil ja auf den Namen der Opfer auch herumgetrampelt werde könnte. Das sieht Gunter Demnig anders: "Messing wird blank poliert durch das Benutzen. Das heißt: Die Erinnerung wird blank poliert, wenn man darüber läuft." Daneben bieten die Steine die Möglichkeit, die Menschen in ihrer direkten Umgebung mit der Vergangenheit zu konfrontieren.

"Wir können kein Buch schreiben über sie. Aber wir werden sie an ihren Ort, ihre Wohnung oder ihr Haus wieder mit ihren Namen zurückführen können. Und das ist die Absicht dabei: Der Gegenwart klar zu machen, dass diese Menschen Teil ihrer Stadt gewesen sind." Ulrich Fritsch, Arbeitskreis Stolpersteine Regensburg