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Stinkkäse-Urteil: Lästern erlaubt, Schilder verboten | BR24

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Im Streit um unangenehme Gerüche aus dem Tölzer Kasladen im oberbayerischen Bad Heilbrunn hat das Landgericht München am Dienstag teils dem Ladeninhaber und teils der Nachbarin recht gegeben.

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Stinkkäse-Urteil: Lästern erlaubt, Schilder verboten

Wie sehr darf Käse riechen? Im langen Streit um Gerüche aus einem Tölzer Käseladen hat das Landgericht München ein Urteil gesprochen. Demnach darf die beklagte Nachbarin sagen, dass es stinkt. Sie darf aber nicht auf Schildern vor dem Geruch warnen.

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Das Urteil untersagt einer Nachbarin des Tölzer Kasladens in Bad Heilbrunn, "Geruchswarnschilder" in unmittelbarer Nähe des Ladengeschäfts anzubringen. Die in einem Artikel einer örtlichen Zeitung zitierten Aussagen über eine Geruchsbelästigung darf die Beklagte jedoch wiederholen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Zu deutsch: Sagen, dass es stinkt, ist erlaubt. Das mit Schildern oder Aufklebern kundzutun, ist nicht erlaubt.

Beiden Parteien stinkt's

Seit zwei Jahren streiten sich die Nachbarin und der Betreiber des Kasladens, Wolfgang Hofmann. Beiden stinkt's: der Nachbarin vom Käsegeruch. Und Hofmann, weil er die Schilder und die Aussagen über die Geruchsbelästigung als geschäftsschädigend empfindet.

Großer Kasladen: Gut zwei Tonnen Käse, knapp 200 Sorten

Hintergrund der Geschichte: Hier geht es nicht um ein - wie der Name "Kasladen" suggerieren könnte - kleines Käsegeschäft. Hinter dem Verkaufsraum ist ein ganzes Käselager. Zwei bis drei Tonnen Käse lagern und reifen dort. Ungefähr 200 verschiedene Sorten.

Bauausschuss bei Schnüffelprobe

Die Nachbarn sagen: Der Geruch zieht durch geöffnete Fenster nach oben in die Wohnungen – aber auch durch den Sicherungskasten und sogar durch die Steckdosen. Vor zwei Jahren war deshalb auch schon der Bauausschuss zur Schnüffelprobe da. Und auch der hat einen "deutlich säuerlichen Geruch" festgestellt und ist zu dem Schluss gekommen: Da drin ein Käselager mitsamt Reifung zu betrieben, das sei nicht zulässig.

Haben Nachbarn Stinkekäse versteckt?

Der Ladeninhaber wehrt sich: Käse rieche überhaupt nicht säuerlich. Die Nachbarn hätten den Geruch manipuliert und hinter dem Sicherungskasten alten Käse versteckt.

Gerüche beschäftigen Gerichte

Die Gerüche aus dem Laden und den angrenzenden Lagerräumen sowie Fragen der Genehmigung beschäftigten auch schon andere Gerichte. Unter anderem ging es darum, ob das Geschäft, das 2016 vom ursprünglichen Standort Bad Tölz in die Räume eines ehemaligen Supermarkts im Nachbarort Bad Heilbrunn umzog, hier überhaupt betrieben werden darf. Der Käsehandel samt Käsereifung sei kein Supermarkt und die Nutzung somit nicht erlaubt, argumentierten die Nachbarn und klagten vor dem Amtsgericht.

Neuer Laden und dann ist womöglich eh alles wurscht

Warum so viele Gerichte sich mit dem Käsegeruch beschäftigen? Man weiß es nicht genau. Denn der Inhaber hat bereits angekündigt: Er will raus aus dem Haus und bald eine neue Unterkunft für seinen Kasladen finden.

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In Bad Heilbrunn stritten Nachbarn über den Geruch eines Käseladens und diese Auseinandersetzung eskalierte: Vor Gericht traf man sich wieder. Und hier musste sich entscheiden: Darf man sagen, dass Käse stinkt?