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Wie entsteht die Sonntagsfrage?
© picture alliance / dpa/ Lino Mirgeler

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Anita Fünffinger
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Wie entsteht die Sonntagsfrage?

Wenn am Mittwochabend um 20.30 Uhr bei einem Durchschnittsdeutschen irgendwo in der Republik das Festnetz-Telefon klingelt, könnte es die Wahlforschung sein. Wahlforschungsinstitute wie infratest dimap stellen dann beispielsweise die Sonntagsfrage: "Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre?"

Die Befragung erfolgt abends – per Anruf auf dem Festnetz

Auf den ersten Blick kommt die Befragung ziemlich altmodisch daher: Die Forscher rufen überwiegend abends auf dem Festnetz an. Bei infratest dimap gibt es keine Onlinebefragungen und keine Anrufe auf dem Handy. Doch genau dieser Weg ist laut Wahlforscher Roberto Heinrich von infratest dimap immer noch der beste, um möglichst wenige Menschen von der Befragung auszuschließen:

"90 Prozent der deutschen Haushalte haben noch einen Festnetztelefonanschluss. Bei Onlinebefragungen würden viel mehr Wahlberechtigte rausfallen. Jeder Fünfte ist noch offline, vor allem viele Ältere." Wahlforscher Roberto Heinrich

Gerade Rentner aber sind treue Wähler. Sie gehen viel häufiger zur Wahl als junge Menschen. Würden sie nicht berücksichtigt, gäbe es ein verzerrtes Bild.

Die Fragen müssen neutral und einfach sein

Neben der Sonntagsfrage stellen die Forscher auch tagesaktuelle Fragen. Das kann zur Situation in Nordkorea genauso sein wie zur Flüchtlingspolitik oder zum Datenschutz. Wichtig ist, dass nicht schon die Frage eine bestimmte Richtung vorgibt. Oft sitzen die Redaktionen und Wahlforscher stundenlang zusammen, um eine absolut neutrale Frage zu formulieren. Und die Frage muss sehr einfach sein. Jeder muss sie verstehen können, ganz gleich, welchen Bildungsgrad der Befragte hat.

Rund 1.000 Menschen aus allen Schichten werden befragt

Bei jeder Sonntagsfrage werden um die 1.000 Menschen angerufen. Sie werden zufällig ausgewählt. In größeren Haushalten wird nicht automatisch der befragt, der ans Telefon geht, sondern der, der statistisch in die Rechnung passt.

Stellen also die Wahlforscher fest, dass es hochgerechnet auf ganz Deutschland beispielsweise gar nicht so viele arbeitende Männer mit hohem Bildungsabschluss gibt, wird die Zahl "modifiziert", wie die Forscher das nennen. Das heißt, sie wird dem tatsächlichen Anteil der Bevölkerungsgruppe in der Republik angepasst.

Vorwahlumfragen sind besser als ihr Ruf

Die Wahlforscher haben es bei ihrer Arbeit mit vielen Unsicherheitsfaktoren zu tun. Es gibt immer weniger treue Wähler, die ihr Kreuz immer nur bei ein und derselben Partei machen. Viele Menschen entscheiden zudem wirklich erst in der Wahlkabine, wen sie wählen. So haben bei der letzten Landtagswahl in Bayern 20 Prozent der Wähler erst am Wahltag entschieden, wo sie ihr Kreuz machen.

Und die Institute können nie wissen, ob die Befragten am Telefon auch wirklich die Wahrheit sagen. Das macht Vorhersagen ziemlich schwierig. Wahlforscher Roberto Heinrich von infratest dimap nennt Ergebnisse wie die Abstimmung über den Brexit oder die Wahl von Donald Trump in den USA "Ausreißer", die aber das Bild von Vorwahlumfragen prägten. Tatsächlich aber würden die Abweichungen zwischen Vorwahlumfrageergebnissen und den tatsächlichen Wahlergebnissen immer geringer.