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Schluss mit dem Stammtisch? In Oberfranken könnten Gasthäuser still und heimlich von der Bildfläche verschwinden.

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"Stilles Sterben": Gaststätten in Familienhand sind in Gefahr

Das Ende eines Brauerei-Gasthofs in Breitengüßbach wirft die Frage auf, wie viele Wirtshäuser trotz Corona-Lockerungen überhaupt wieder öffnen. Im von Familienbetrieben geprägtem Oberfranken könnten viele Gaststätten im Stillen verschwinden.

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Von
  • Lasse Berger

Nach knapp 380 Jahren schließt der Inhaber eines Traditionsgasthauses in Breitengüßbach im Landkreis Bamberg seinen Gasthof. Der Gasthof Hümmer war einer von vielen Familienbetrieben in Oberfranken. Schätzungen des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) zufolge machen Familienbetriebe hier mehr als die Hälfte aller Gaststätten aus. Die Befürchtung: Wegen der Folgen der Corona-Pandemie könnten viele von ihnen still und heimlich sterben.

Für Familienbetriebe gilt keine Insolvenzpflicht

Günther Elfert, Dehoga-Bezirksgeschäftsführer von Oberfranken, spricht im Gespräch mit dem BR von einem möglichen "stillen Sterben" von Gaststätten. Denn im Gegensatz zu einer als GmbH betriebenen Gaststätte seien solche in Familienhand nicht dazu verpflichtet, eine Insolvenz einzureichen.

Wie viele Gaststätten in Oberfranken demnächst tatsächlich schließen, könne somit nicht immer statistisch erfasst werden. Die Behörden würden nur dann von einer Insolvenz eines Familienbetriebs erfahren, wenn zum Beispiel Gläubiger ihr Geld einforderten.

Zahl der geschlossenen Gaststätten schwer vorhersehbar

Dass eine große Anzahl der Gastronomen in Oberfranken "schon am Limit" arbeite, daran habe er keine Zweifel, so Elfert. Ob es bei diesen Betriebe ursächlich an Corona liegt oder ob die Pandemie ihnen nur den Rest gibt, sei schwer zu sagen. Genaue Vorhersagen, wie viele Gaststättenbetriebe in den kommenden Monaten schließen werden, seien schwer zu treffen. Der Dehoga-Chef schätzt, dass es im schlimmsten Fall fast jeden zweiten familiengeführten Betrieb treffen könnte.

Inhaber von Familienbetrieben haften mit Privatvermögen

Wie im Fall von Breitengüßbach müssten die Gasthäuser in Familienhand nicht zwangsläufig pleite sein, um den Betrieb zu schließen. Viele Betroffene würden das finanzielle Risiko bereits vorher scheuen, so Elfert. Betriebe in Familienhand hafteten schließlich mit ihrem Privatvermögen.

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