Vorne ein Boxbeutel, dahinter der Innenhof der Stiftung Bürgerspital.
Bildrechte: BR / Carolin Hasenauer

Helfen und Wein trinken passen in Würzburg gut zusammen. Das Weingut sichert die wirtschaftliche Grundlage der Stiftung Bürgerspital.

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Stiftungen in Würzburg: Spitzenreiter der Wohltätigkeit

Wein trinken und Gutes tun – das prägt Würzburg seit gut 700 Jahren. Mit dem Erlös durch das Weingut finanziert die Stiftung Bürgerspital seine Seniorenheime und entlastet so die Kommune. In der Stiftungshochburg ist ein Abwärtstrend nicht in Sicht.

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Schon seit dem 14. Jahrhundert schenkt die Stiftung Bürgerspital Wein aus. Ein Dualismus, der in Würzburg fest verankert ist und das Stadtbild prägt. Angefangen hat alles mit 13 Morgen Weinbergsfläche, das sind umgerechnet nur etwas mehr als drei Hektar. Heute hat das Weingut für die Stiftung eine große Bedeutung – auch wirtschaftlich: Es macht etwa ein Siebtel der Einnahmen aus.

Heute wie damals derselbe Stiftungszweck

Annette Noffz ist leitende Direktorin der Stiftung Bürgerspital. Eine verantwortungsvolle Aufgabe. Immerhin gibt es die Einrichtung bereits seit 1316. Gegründet von einem Würzburger Bürger, Johannes von Steren. "Er war Bürger, er hatte genügend Geld, wollte was für diejenigen tun, denen es nicht so gut ging. Die Kranken, die Alten, die kein Dach überm Kopf hatten. Das war seine Intention", sagt Noffz.

Stiftung gründen fürs Seelenheil

Würzburg war damals eine mittelgroße Stadt, 5.000 Einwohner, so schätzt man. Stiften lag im Trend. Zum einen, weil es die Umstände ein Stück weit nötig gemacht haben – Pflege- und Krankenversicherung kamen in Deutschland erst gut 500 Jahre später. Doch es gab auch andere Gründe, sagt Friederike von Bünau, Generalsekretärin des Bundesverbands Deutscher Stiftungen: "Das war im Mittelalter der Wunsch, christlich geprägt, Armen und Bedürftigen, Witwen und Waisen zu helfen. Dann mit der Stiftungsgründung auch die Hoffnung, sein eigenes Seelenheil zu finden." Die Stifter hofften so, ihre Chancen zu erhöhen, in den Himmel zu kommen.

Würzburg und Schweinfurt sind Stiftungshauptstädte in Deutschland

Heute sind Würzburg und Schweinfurt Spitzenreiter in Sachen Stiftungen: Hier gibt es deutschlandweit die meisten Stiftungen pro Einwohner, so der Bundesverband Deutscher Stiftungen in seiner aktuellen Statistik. In Würzburg gibt es schon seit zehn Jahren einen Initiativkreis verschiedener Stiftungen, die heute ein Netzwerk gründen wollen. "Ich begrüße und unterstütze die Etablierung des Würzburger Stiftungsnetzwerks als lebendigen Zusammenschluss von Stiftungen, die wertebewusst das soziale Leben in unserer Stadt mitgestalten möchten", erklärt Oberbürgermeister Christian Schuchardt.

Idee hält sich bis heute

Die Idee, Armen und Kranken zu helfen, hat die Jahrhunderte überdauert. Bis heute richtet sich die Stiftung Bürgerspital zum Heiligen Geist – wie sie vollständig heißt – nach diesem Stiftungszweck. "Es haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Die Gesellschaft, die Struktur, die Finanzierung." Aber der Zweck, so wie Johannes von Steren sich das damals überlegt hat, sei im Kern derselbe geblieben.

Stiftungsvermögen gibt Sicherheit

Mit den Rahmenbedingungen, die Annette Noffz anspricht, meint sie vor allem den Personalnotstand in der Pflege. Denn weniger Personal heißt wegen des nötigen Personalschlüssels weniger Betten, die belegt werden können – heißt weniger Geld von der Pflegekasse: "So rutschen immer mehr Pflegeheimbetreiber in die roten Zahlen. Allein dafür ist’s gut und wichtig, Stiftungsmittel zu haben, um durch solche Zeiten zu kommen und das auffangen zu können."

Übernehmen Stiftungen Aufgaben des Sozialstaats?

Werden so Versäumnisse des Staates ausgebügelt? Friederike von Bünau, Generalsekretärin des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, findet, dass Stiftungshandeln immer komplementär zu staatlichem Handeln zu sehen sei. Immer als Ergänzung. "Stiftungen können nie das machen, was der Staat macht. Aber sie können punktuell reingehen und ergänzen durch bestimmte Projekte. Zum Beispiel mit einem Projekt an einer Schule, da etwas ausprobieren. Und wenn das gut ist, kann es vielleicht skaliert und vom Staat auf mehrere Bereiche angewandt werden."

Junge Stiftung in Würzburg

In der Turnhalle der Gustav-Walle-Grundschule im Würzburger Stadtteil Lindleinsmühle findet zweimal pro Woche ein offenes Basketball-Training statt. Es ist ein Angebot des Netzwerkprojekts "BasKIDball". Deutschlandweit gibt es 22 Standorte. Ein Projekt zur Sportförderung mit sozialem Charakter.

Dirk Nowitzki unterstützt Jugend und Sport

Auch deshalb wird das Projekt von der Dirk Nowitzki-Stiftung gefördert. Der Stifter, gebürtiger Würzburger, selbst ist sogar Schirmherr. Er spielte zwei Jahrzehnte lang Basketball in der amerikanischen Profiliga NBA. 2005 gründete er seine eigene Stiftung, die maßgeblich aus seinem eigenen Vermögen gespeist wird. Friederike von Bünau vom Bundesverband Deutscher Stiftungen: "Es ist so, dass immer mehr Stiftungen zu Lebzeiten gegründet werden. Stiftungsgründer werden jünger. Das heißt ja, dass die ihre Stiftungen mitgestalten wollen und das zeigt das gesellschaftliche Engagement, das sich dahinter verbirgt."

Zahl der Stiftungen steigt

Etwas zurückgeben wollen, an die Gesellschaft, an die Heimatstadt. Kunst, Jugend, Wissenschaft, Tierschutz: Stiftungen gibt es für fast alle Bereiche. Viele Stifterinnen und Stifter wollen so das Land mitgestalten, sagt Friederike von Bünau. Und sie beobachtet einen kontinuierlichen Anstieg: In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Stiftungen in Deutschland mehr als verdoppelt.

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