Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Stiefkind Ethikunterricht: Zu wenig Lehrer, mangelnde Inhalte? | BR24

© BR

Immer weniger Kinder gehen in den Religionsunterricht. Sie wählen stattdessen das Ersatzfach Ethik. Doch der Ethikunterricht steht in der Kritik: Es gibt zu wenig ausgebildete Ethiklehrer. Weltanschauungsgemeinschaften bemängeln außerdem die Inhalte.

37
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Stiefkind Ethikunterricht: Zu wenig Lehrer, mangelnde Inhalte?

Immer weniger Kinder gehen in den Religionsunterricht. Sie wählen stattdessen das Ersatzfach Ethik. Doch der Ethikunterricht steht in der Kritik: Es gibt zu wenig ausgebildete Ethiklehrer. Weltanschauungsgemeinschaften bemängeln außerdem die Inhalte.

37
Per Mail sharen
Teilen

Der Trend ist klar: Immer weniger Kinder gehen in den katholischen oder den evangelischen Religionsunterricht. Sie wählen stattdessen das verpflichtende Ersatzfach Ethik. Besuchten im Schuljahr 2008/09 gut 175.000 Schüler den Ethikunterricht in Bayern, waren es zehn Jahre später mit knapp 281.000 gut 100.000 Schüler mehr - und das, obwohl die Gesamtzahl der Schüler an allgemeinbildenden Schulen gesunken ist.

Ethiklehrer: Teilweise reicht ein einwöchiger Kurs

Doch der bayerische Ethikunterricht steht in der Kritik. Denn um Ethik zu unterrichten, muss man in Bayern nicht zwingend das Fach studiert haben. Teilweise reiche ein einwöchiger Kurs an der Staatlichen Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung, das sogenannte "Dillingen Zertifikat", kritisierte das Kompetenzzentrum Ethik der Ludwig-Maximilians-Universität München bereits 2014.

Auch der Bund für Geistesfreiheit (BfG) bemängelt die Voraussetzungen, die zu erfüllen sind, um Ethiklehrer zu werden. Beim Religionsunterricht würden die Religionsgemeinschaften bestimmen, wer sie vertritt. Nur wer von der katholischen Kirche die Lehrbeauftragung "missio canonica" bekomme, dürfe das Fach auch an der Schule unterrichten, sagt der BfG-Landesvorsitzende Erwin Schmid: "Beim Ethiklehrer gibt’s praktisch so was nicht. Also, wer hat die Kompetenz, die Macht sozusagen, einen Ethiklehrer zum Ethiklehrer zu machen?"

Immer mehr Schüler in Bayern besuchen Ethikunterricht

Ein Ethikstudium und damit die Lehrbefähigung für das Fach hatten im vergangenen Schuljahr laut Kultusministerium bayernweit 675 Lehrer an Gymnasien und Realschulen. Damit hat sich ihre Zahl in den vergangenen zehn Jahren zwar versiebenfacht. Stellt man sie aber der ebenfalls gestiegenen Zahl der Ethik-Schüler gegenüber, so zeigt sich: Gut jeder vierte Schüler in Bayern besucht heute den Ethikunterricht, aber nur gut jeder zehnte Lehrer hat das Fach studiert.

Bayern braucht mehr ausgebildete Ethiklehrer, räumt Kultusminister Michael Piazolo gegenüber dem BR ein. Seit diesem Wintersemester könne man deshalb Ethik als sogenanntes "grundständiges Fach", also als vollwertiges Fach studieren.

© BR

Entwicklung der Schülerzahlen im Religions- und Ethikunterricht.

Kultusminister Piazolo weist Kritik zurück: keine Missionierung

Kritik an den Unterrichtsinhalten, wonach Weltanschauungsgemeinschaften wie der BfG zu wenig Beachtung fänden, weist der Minister zurück: "Es ist schon so, dass im Unterricht die großen Weltreligionen natürlich behandelt werden. Dazu zählt jetzt ein Weltanschauungsverein nicht. Sondern hier geht’s dann um Religionsgemeinschaften, die zum Teil nicht nur mehrere Jahrtausende auf dem Buckel haben, sondern auch zum Teil mehrere Milliarden an Gläubigen. Die werden vorgestellt. Aber es geht insbesondere auch darum, die zugrunde liegenden Werte deutlich zu machen."

Von Missionierung - wie sie der Bund für Geistesfreiheit unterstellt, sei man im bayerischen Ethikunterricht weit entfernt, so der Kultusminister: Es gehe um Religions- und Wertekunde. Weit entfernt ist man im bayerischen Kultusministerium aber auch von der Idee eines gemeinsamen Ethikunterrichts für alle Schüler, wie es ihn etwa in Berlin gibt.

Kirchen in Bayern halten an getrenntem Religionsunterricht fest

In Bayern denke man stattdessen eher über einen konfessionsübergreifenden Religionsunterricht, also einen gemeinsamen Religionsunterricht für katholische und evangelische Kinder nach, so der Minister. In anderen Bundesländern gibt es dieses Modell des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts bereits. In Bayern halten die Kirchen bislang am konfessionellen Religionsunterricht - getrennt in katholisch und evangelisch - fest.

Die wichtigsten Nachrichten rund um Religion, Glaube und Kirche kurz und informativ zusammengestellt: Das ist der Newsletter von BR Religion. >>Hier abonnieren<<

© BR.de

Statt Religionsunterricht wählen immer mehr Schülerinnen und Schüler in Bayern das Ersatzfach Ethik. Die Zahl ist in den letzten zehn Jahren um 100.000 auf mittlerweile fast 281.000 gestiegen.