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Stickoxid-Belastung: So schneiden Bayerns Städte ab | BR24

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München hat in Eigeninitiative Luftschadstoffe gemessen und kommt zu dem Ergebnis: Die Luft in der Stadt scheint besser zu sein, als befürchtet. BR-Reporter Lorenz Storch erläutert die Bedeutung der Ergebnisse und sagt, Fahrverbote bleiben denkbar.

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Stickoxid-Belastung: So schneiden Bayerns Städte ab

Das Umweltbundesamt hat Messwerte zur Luftbelastung in den Städten im Jahr 2018 veröffentlicht. Von vier bayerischen Problemkandidaten des Vorjahres hat es einer in den "grünen Bereich" geschafft. An einer Messstelle war die Luft dicker als zuvor.

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Zwei gute Nachrichten halten die aktuellen Zahlen des Umweltbundesamts (UBA) für Bayerns Großstädte bereit. Die erste: In Regensburg, wo die NO2-Belastung 2017 noch knapp über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm lag, liegt die Messtation Rathaus inzwischen mit 37 Mikrogramm im noch zulässigen Bereich.

Unter allen 35 Städten hat sich München am stärksten verbessert. In Sachen Stickstoffdioxidbelastung hat Bayerns Hauptstadt die "rote Laterne" an Stuttgart abgegeben. Zum Aufatmen besteht allerdings noch kein Anlass: Mit 66 Mikrogramm NO2 ist die Luft an Münchens neuralgischem Messpunkt an der Landshuter Allee zwar um 12 Mikrogramm weniger belastet als zuvor, liegt aber immer noch um 26 Mikrogramm über dem zulässigen Höchstwert.

München misst selbst

Die Stadt München hatte Anfang 2018 eigene Messstationen aufgestellt, um im Streit um die Luftqualität eine breitere Faktenbasis zu bekommen. An 16 von 20 Messstationen in München ist der gesetzliche Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) eingehalten worden. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat sich daher gegen flächendeckende Fahrverbote in der Landeshauptstadt ausgesprochen. Diese seien "weder verhältnismäßig noch notwendig".

Negativ-Trend in Nürnberg

Unerfreulich entwickeln sich die Messwerte an der Von-der-Tann-Straße in Nürnberg. Hier stieg die Belastung von 43 auf 46 Mikrogramm. Die Frankenmetropole ist damit eine von sechs Städten mit negativer Tendenz.

Bundesweit insgesamt wenig Bewegung

Die Karlstraße als Messstation für Augsburg liegt mit einem Wert von 43 (gegenüber 44 im Vorjahr) im Bundestrend: Zwar tut sich etwas in Sachen Luftbelastung, doch Verbesserungen von mehr als ein bis drei Mikrogramm sind die Ausnahme. So haben neben Regensburg nur noch drei weitere Städte den Sprung unter die 40-Mikrogramm-Schwelle geschafft, nämlich Halle, Ludwigshafen und Solingen.

Allerdings liegen gegenwärtig erst die Werte von 128 der insgesamt 278 verkehrsnahen Messstationen vor. Dabei handelt es sich um die automatischen Messungen. Die Werte jener Stellen, an denen händisch ausgewertet werden muss, will die Behörde voraussichtlich im Mai veröffentlichen.

UBA fordert Diesel-Nachrüstung auf Kosten der Hersteller

Weitere Schadstoffe wie Feinstaub und Ozon sind in den aktuellen Daten nicht enthalten. "Wenn wir auf die Grenzwerte schauen, sehe ich das größte Problem momentan in der Belastung durch Stickstoffdioxid. Der Grenzwert hätte bereits 2010 eingehalten werden müssen und 2018 wurde er immer noch in vielen Städten überschritten", so Ute Dauert vom Umweltbundesamt. Trotz der Emissionen aus anderen Quellen, etwa der Industrie und der Schifffahrt, sieht die Behörde im Straßenverkehr den Hauptschuldigen an der unbefriedigenden Situation - und fordert Konsequenzen:

"[Bei der Stickstoffdioxidbelastung] zeigen unsere Zahlen ganz deutlich, dass die bisherigen Maßnahmen, wie zum Beispiel Software-Updates, oder Rückkaufprämien, Tempolimits, eben nicht ausreichen, um die Luft in den Städten schnell sauberer zu bekommen und überall die Grenzwerte einzuhalten. Wir empfehlen daher dringend, auf Kosten der Automobilhersteller die Fahrzeuge mit wirksamen Katalysatoren nachzurüsten." Ute Dauert, Umweltbundesamt

Scheuer fordert Überprüfung der Grenzwerte

Bundesverkehrsminister Scheuer hat eine andere Sicht als die Fachbehörde: Er sieht das Problem in den Grenzwerten. In einem Brief an EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc verwies Scheuer darauf, dass sich in der deutschen Ärzteschaft "Stimmen mehren", die die wissenschaftliche Herleitung des Jahresmittelwerts von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft in Frage stellten.

"Zur Gewährleistung unserer Mobilität erachte ich es daher als dringend erforderlich, dass sich die Europäische Kommission aktuell und auf geeignete Weise mit den vorgebrachten Zweifeln auseinandersetzt und eine Neubewertung der Grenzwerte prüft." Scheuer in seinem Brief an EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc.

Umwelthilfe: Große Mehrheit der Experten bestätigt Grenzwerte

Die Deutsche Umwelthilfe hält Scheuer entgegen, dass die große Mehrheit der Experten die bisherigen WHO-Grenzwerte für sinnvoll erachtet. Aktuell verweist die DUH auf ein neues Papier der Internationalen Gesellschaft für Umweltepidemiologie (ISEE) und der European Respiratory Society (ERS). Auch die 900 Mitglieder zählende Gesellschaft der Kinder-Pneumologen - Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP), das Forum of International Respiratory Societies (FIRS) und der Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner (BdP) verteidigen nach DUH-Angaben die WHO-Grenzwerte und fordern deren Einhaltung.

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Autor
  • Michael Kubitza
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