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Stichwahlen in Schwaben: Hier fallen die Entscheidungen | BR24

© BR / Julia Müller

Wegen der Ansteckungsgefahr durch Corona wird die zweite Runde der Kommunalwahl bayernweit als reine Briefwahl organisiert.

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    Stichwahlen in Schwaben: Hier fallen die Entscheidungen

    Das öffentliche Leben liegt auf Eis, nicht aber die Demokratie. Am Sonntag steht in etlichen Kommunen in Schwaben und im Allgäu die zweite Runde der Kommunalwahl an. Und die wird einigen Rathäusern und Landratsämtern neues Spitzenpersonal bringen.

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    So einen Wahlkampf hat Schwaben noch nicht erlebt: keine Parteiveranstaltungen, keine großen Auftritte der Kandidatinnen und Kandidaten – nicht einmal Händeschütteln ist in der Corona-Krise möglich. Wer tritt am Sonntag wo zur Stichwahl an? In welchen Kommunen ist das Rennen besonders spannend? Wie ist die Ausgangslage für die Kandidatinnen und Kandidaten? Alles Wichtige zu den Landratswahlen in der Region sowie zu den Bürgermeister- und Oberbürgermeisterwahlen in Städten und Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern finden Sie bei uns. Zusätzlich bieten wir Informationen zu Stichwahlen in einigen kleineren Gemeinden.

    Entscheidung in Augsburg: Weber oder Wurm?

    In Schwabens größter Stadt geht am Sonntag eine Ära zu Ende – nämlich die von Kurt Gribl. Der CSU-Politiker hatte – für viele überraschend – vor rund einem Jahr bekanntgegeben, dass er nach zwei Amtszeiten an der Augsburger Rathausspitze nicht mehr als OB-Kandidat antritt. Hoffnungen auf seine Nachfolge macht sich Gribls Parteifreundin und Vertraute Eva Weber, bisher zweite Bürgermeisterin sowie Wirtschafts- und Finanzreferentin. Sie bekam im ersten Durchgang mit 43,1 Prozent die meisten Stimmen.

    Wahlkampfthemen Wirtschaft, Digitalisierung und Wohnungsbau

    In der Stichwahl am Sonntag trifft Weber auf Dirk Wurm von der SPD – auch er als Ordnungsreferent ein bekanntes Gesicht der Augsburger Kommunalpolitik. Er schaffte es mit 18,8 Prozent in die Stichwahl. Weber räumt in ihrem Programm Wirtschaft und Digitalisierung einen großen Stellenwert ein. Wurm setzt in erster Linie auf Themen wie Bildung und bezahlbare Wohnungen.

    Schwarz-Grünes Bündnis im neuen Augsburger Stadtrat?

    Unabhängig davon, wer von beiden die Stichwahl für sich entscheidet, dürften die Karten im Augsburger Stadtrat neu gemischt werden. Bisher bilden CSU, SPD und Grüne ein Bündnis. Bei der Stadtratswahl vor zwei Wochen haben die Grünen aber so stark zugelegt, dass ein schwarz-grünes Zweierbündnis eine Ratsmehrheit hätte. Eine Wahlempfehlung für die OB-Stichwahl am Sonntag haben die Augsburger Grünen bisher nicht ausgesprochen.

    Stichwahlen auch in Mering, Bobingen und Gersthofen

    In Mering bei Augsburg geht Florian Mayer mit einem Ergebnis von 34,7 Prozent aus der ersten Runde in die Stichwahl. Der CSU-Politiker war vor sechs Jahren Manfred Kandler von der SPD knapp unterlegen. Kandler tritt diesmal nicht mehr an. Die SPD hat Stefan Hummel ins Rennen geschickt, der es mit 29,1 Prozent in die Stichwahl geschafft hat. In Bobingen tritt mit Bernd Müller (Ergebnis der ersten Runde: 34,6 Prozent) der Amtsinhaber zur Bürgermeisterwahl am Sonntag an. Der Herausforderer des SPD-Politikers ist Klaus Förster von der CSU (33,0 Prozent).

    Auch die Menschen in Gersthofen bei Augsburg wählen am Sonntag einen Bürgermeister. Im ersten Durchgang hatte Michael Wörle mit 45,6 Prozent die Nase vorn. Der Parteilose ist der gemeinsame Kandidat von Grünen, Freien Wählern und SPD. Zweiter Teilnehmer der Stichwahl ist Max Poppe von der CSU (32,4 Prozent). Auf den Wahlgewinner warten viele Aufgaben: Das Wasserleitungsnetz muss erneuert werden, nachdem es Probleme mit Keimen gab. Außerdem stehen Schulsanierungen an.

    Oberallgäu: CSU-Kandidat in Quarantäne

    Die Landratswahl im Oberallgäu hat diesmal einen gewissen Promifaktor: Für die CSU tritt Alfons Hörmann an, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (Ergebnis des ersten Wahlgangs: 44,3 Prozent). Seine Widersacherin ist Indra Baier-Müller von den Freien Wählern (23,3 Prozent). Für Hörmann lief der Wahlkampf auch persönlich anders als erwartet: Wegen eines Corona-Falls in seiner Familie befindet er sich zurzeit in häuslicher Quarantäne. Mit welchen Konzepten Hörmann und Baier-Müller die Oberallgäuer überzeugen wollen, lesen Sie hier.

    Freie-Wähler-Kandidat im Unterallgäu hätte es fast im ersten Durchgang geschafft

    Ob auch bei der Landratswahl im Unterallgäu eine Stichwahl nötig ist, war nach dem ersten Durchgang zunächst unklar. Doch dann ergab die Auszählung, dass Alex Eder, dem Kandidaten der Freien Wähler, genau 13 Stimmen zur absoluten Mehrheit fehlten. Der CSU-Politiker Rainer Schaal erreichte 25,6 Prozent und steht damit ebenfalls in der Stichwahl am Sonntag. Ob Mobilität, Klimaschutz oder Wohnen: Wir haben Eder und Schaal zu kommunalpolitischen Top-Themen befragt. Hier geht's zu den Antworten.

    Im Ostallgäu gleich drei Bürgermeister-Stichwahlen

    Im Ostallgäu kommt es in allen drei Städten des Landkreises zur Bürgermeister-Stichwahl. In Marktoberdorf ist Amtsinhaber Wolfgang Hell im ersten Wahlgang knapp an der 50-Prozent-Marke gescheitert. Der CSU-Politiker tritt am Sonntag gegen Michael Eichinger von den Freien Wählern an.

    Auch in den beiden anderen Ostallgäuer Städten, in denen jeweils ein neuer Bürgermeister gewählt wird, nachdem die Amtsinhaber nicht mehr antreten, haben die Kandidaten der Christsozialen im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit knapp verfehlt. In Füssen tritt Maximilian Eichstetter von der CSU gegen Christine Fröhlich von den Freien Wählern an, in Buchloe Robert Pöschl (CSU) gegen Maximilian Hartleitner (FDP).

    Stichwahl auch in Mauerstetten

    Auch in der 3.000-Einwohner-Gemeinde Mauerstetten wird am Sonntag gewählt: Dort tritt Amtsinhaber Armin Holderried (Freie parteilose Wählergruppe Steinholz) gegen Martina Burg (Unparteiliche Wählergruppe Mauerstetten-Hausen) an. Amtsinhaber Holderried hatte im ersten Wahlgang 45,2 Prozent der Stimmen erhalten, seine Herausforderin Burg kam auf 32,2 Prozent.

    OB-Posten in Lindau für SPD verloren

    Bei der OB-Stichwahl in Lindau können sich fast 20.000 Wahlberechtigte zwischen Claudia Alfons und Mathias Hotz entscheiden. Alfons wird von der Lindau Initiative sowie von der Bürger Union unterstützt und ist für die FDP in den Kreistag eingezogen. Hotz tritt für die Gruppierungen Freie Bürgerschaft und Junge Aktive in Lindau an. Er war bereits Lindauer Stadtrat und ist für die CSU erneut in den Kreistag gewählt worden. Beide sind Juristen, haben im ersten Durchgang fast gleich viele Stimmen geholt und ihre drei Mitbewerber auf die Plätze verwiesen. Die SPD hat damit das Lindauer Oberbürgermeisteramt verloren. Der bisherige OB Gerhard Ecker hatte sein Amt vorzeitig abgegeben. Er kandidierte bei der Stadtratswahl in Augsburg und ist jetzt auf einem Nachrückerplatz der SPD-Liste.

    Auch in Hergatz im Landkreis Lindau steht eine Stichwahl an: In der Gemeinde im Westallgäu bewerben sich Oliver Kersten-Raab (Wählergruppe Hergatz) und Christian Renn (Gemeinsame Liste Hergatz und Unabhängige Bürgerliste) um das Amt des Bürgermeisters.

    Donauwörther OB-Kandidaten wollen nach Corona zurück zur Normalität

    Eines ist klar: Der nächste Donauwörther OB wird erstmals seit vielen Jahren kein CSU-Politiker sein. In der Stichwahl treten der parteilose Jürgen Sorré und Michael Bosse von den Freien Wählern an. Nach der ersten Runde der Kommunalwahl hatte Sorré mit mehr als 41 Prozent die Nase vorn. Die SPD hatte den Parteilosen ins Rennen um die Donauwörther Rathausspitze geschickt. Bosse kam im ersten Durchgang auf knapp 31 Prozent der Stimmen.

    Sorré ist 44 Jahre alt, hat zwei Kinder und will als erfahrener Bank-Mitarbeiter die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise so gut wie möglich abfedern; ein Ziel, das sich auch Bosse gesetzt hat. Der Versicherungsfachmann ist 49 Jahre alt und Vater von drei Kindern. Er ist seit Jahren im Stadtrat und jetzt auch im Kreisrat tätig. Beide stehen im BR24-Interview Rede und Antwort.

    Nördlinger OB-Kandidaten wollen Hallenbad sanieren

    In Nördlingen hat Hermann Faul lange die Geschicke der Stadt bestimmt. Da der 70-Jährige die Altersgrenze überschritten hat, trat er nicht mehr zur OB-Wahl an. Nun entscheidet sich, wer ihm nachfolgt. In der Stichwahl am Sonntag treten David Wittner von der Parteifreien Wählergemeinschaft und der CSU-Politiker Steffen Höhn gegeneinander an. In der ersten Runde lag Wittner mit 36,2 Prozent vorn. Höhn bekam 31 Prozent.

    Wittner ist 37 Jahre alt, hat drei Kinder und leitet bisher die Nördlinger Touristinfo. Auch Höhn hat drei Kinder. Der 41-Jährige arbeitet für die CSU in Nordschwaben. Als eines der drängendsten Projekte sehen beide die Sanierung des Nördlinger Hallenbads.

    Stichwahl in Hohenaltheim kam überraschend

    In Hohenaltheim hatte vor der ersten Runde praktisch niemand mit einer Stichwahl gerechnet, weil nur eine Kandidatin antrat: Martina Göttler, aufgestellt von den Gruppierungen Bürgerblock und Unabhängige Wähler Hohenaltheim-Niederaltheim. Doch Göttler verfehlte die absolute Mehrheit, wenn auch knapp. Das lag unter anderem daran, dass fast ein Drittel der Wählerinnen und Wähler in dem Dorf im Landkreis Donau-Ries handschriftlich einen anderen Namen auf die Stimmzettel geschrieben haben: den von Friedrich Bauer. Er hatte vor der Wahl die Hohenaltheimer auf Handzetteln dazu aufgerufen, das zu tun. Bauer war von 1984 bis 1996 Bürgermeister der Gemeinde.

    Drei Entscheidungen rund um Günzburg

    Auch im Landkreis Günzburg stehen am Sonntag Stichwahlen an: in Burgau, Haldenwang und Thannhausen. In Burgau treten zwei Politiker an, die sich gut aus dem Stadtrat kennen – nämlich Bürgermeister Konrad Barm (Freie Wähler) und der stellvertretende Bürgermeister Martin Brenner (CSU). SPD und Grüne haben sich inzwischen für den Herausforderer Brenner ausgesprochen und rufen dazu auf, diesen zu wählen. Barm bekam in der ersten Runde vor zwei Wochen 39,4 Prozent der Stimmen, Brenner 37,6 Prozent. Der amtierende Bürgermeister sagte dem BR: "Bei vier Bewerbern war eine Stichwahl zu erwarten. Dass es so knapp wird, hat mich überrascht." Brenner rechnet nun damit, dass es am Sonntag ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben wird: "Ich habe mich sehr gefreut, dass ich in die Stichwahl komme. Meine Chancen schätze ich auf 50:50."

    Wer wird neuer Bürgermeister von Thannhausen?

    Auch in der Stadt Thannhausen wird es am Sonntag spannend. Nachdem Georg Schwarz nach zwölf Jahren nicht mehr antritt, muss nun ein anderer im Amt nachfolgen. Alois Held (CSU) holte im ersten Wahlgang 46,7 Prozent der Stimmen. Der 37-Jährige tritt gegen Peter Schoblocher an, den amtierenden zweiten Bürgermeister von den Freien Wählern. Er bekam 28,7 Prozent. Der Architekt ist seit 24 Jahren im Stadtrat von Thannhausen und seit sechs Jahren zweiter Bürgermeister.

    In Haldenwang treten Doris Egger von der Gruppierung Haldenwanger Block und Gegenkandidat Michael Straub (Freier Wählerblock Konzenberg) an. Beide sind in der Gemeinde im Landkreis Günzburg tief verwurzelt und in Vereinen aktiv.

    Stichwahlen am Sonntag sind reine Briefwahl

    Die Stichwahl in Bayern ist diesmal für alle Wählerinnen und Wähler ein Gang zum Briefkasten – wegen der Infektionsgefahr durch das Coronavirus. Aber auch wer erst kurz vor knapp den Brief mit dem Wahlschein bekommen hat, kann noch rechtzeitig seine Stimme abgeben. Die Deutsche Post will am Samstagabend sämtliche gelbe Briefkästen im Freistaat erneut leeren. Die Wahlbriefe werden noch am Sonntag den jeweiligen Ämtern zugestellt. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann den Brief direkt beim örtlichen Wahlamt einwerfen.

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