Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Steuerbetrug durch Millionäre? "Goldfinger-Prozess" in Augsburg | BR24

© picture-alliance/dpa

Goldbarren

3
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Steuerbetrug durch Millionäre? "Goldfinger-Prozess" in Augsburg

Millionäre sollen den Fiskus um hunderte Millionen Euro betrogen haben. Das glaubt die Augsburger Staatsanwaltschaft. Das Augsburger Landgericht muss nun klären, ob die fraglichen Gold-Geschäfte legal waren, oder nicht.

3
Per Mail sharen
Teilen

Im "Goldfinger-Verfahren" geht es um den Vorwurf der Steuerhinterziehung im großen Stil. Über Firmen im Ausland sollen Gold oder andere Wertgegenstände gekauft worden sein. Mit Blick auf diese Geschäfte seien dann den deutschen Finanzbehörden Verluste gemeldet worden – mit dem Ziel, die Steuerschuld zu verringern.

Schaden von Hunderten Millionen Euro?

Die Staatsanwaltschaft in Augsburg geht davon aus, dass dieses im Raum München entwickelte "Goldfinger"-System illegal und somit als Steuerhinterziehung einstufen ist. Dem Staat sei so ein Schaden von Hunderten Millionen Euro entstanden sein, heißt es aus Augsburger Justizkreisen. Der Gesetzgeber hatte das Schlupfloch bei der Einkommenssteuer 2013 gestopft.

Zwei Münchner Juristen vor Gericht

Zunächst müssen sich zwei Rechtsanwälte aus München vor Gericht verantworten. 18 weiteren Angeklagten befänden sich in "Warteschleife", wie das Gericht mitteilte. Es handele sich um die Initiatoren des Modells und um Gesellschafter der beteiligten Unternehmen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

© BR

Gerichtssprecher Christian Grimmeisen zum Beginn des "Goldfinger-Prozesses".

Wie eine Beispielrechnung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages ergab, konnte früher ein Bürger mit einem Jahreseinkommen von einer Million Euro mittels einer "Goldfinger"-Gesellschaft in Großbritannien seine Einkommensteuerlast in der Bundesrepublik nahezu halbieren. Innerhalb eines Zwei-Jahres-Zeitraums zahlte der Einkommensmillionär demnach statt etwa 916.000 nur 467.000 Euro Steuern.

Die Staatsanwaltschaft nennt keine Summen

Wichtig dabei ist aber, dass es im Ausland tatsächlich einen Geschäftsbetrieb gab und dort nicht nur ein Scheinunternehmen bestand, um die deutschen Finanzbehörden zu täuschen. Es ist unklar, um welche Summen es bei den Ermittlungen in Augsburg geht, da die Staatsanwaltschaft wegen des Steuergeheimnisses keine Details bekanntgegeben hat.

Mammut-Prozess in Augsburg

Die Staatsanwaltschaft hat dem Gericht Beweismittel im Umfang von 21 Umzugskartons übergeben, die erste eingereichte Anklage ist 180 Seiten lang. Für den Prozess gegen die zwei ersten Angeklagten sind fast 80 Verhandlungstage angesetzt. Das Verfahren könnte also bis 2021 andauern.

Der Name "Goldfinger" geht auf den gleichnamigen James-Bond-Film von 1964 mit Sean Connery und Gert Fröbe zurück.