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"Sterns Stunde"-Schöpfer Horst Stern ist tot | BR24

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© dpa / Markus Beck

Horst Stern 1997 in Hamburg

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"Sterns Stunde"-Schöpfer Horst Stern ist tot

Der Wissenschaftsjournalist und Schriftsteller Horst Stern ist im Alter von 96 Jahren in Passau gestorben. Mit der Sendung "Sterns Stunde" hat er Fernsehgeschichte geschrieben.

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Der Wissenschaftsjournalist und Schriftsteller Horst Stern ist am Donnerstag, 17. Januar, im Alter von 96 Jahren in Passau gestorben. Das bestätigten dem Bayerischen Rundfunk am Montag nahestehende Personen der Familie und Naturschutzkreise. Horst Stern lebte nach seiner Fernsehkarriere in Irland und zuletzt sehr zurückgezogen in Passau.

Er war ab 1970 durch die Fernsehsendung "Sterns Stunde" des Süddeutschen Rundfunks überregional bekannt geworden. Der damalige Fernsehdirektor des Süddeutschen Rundfunks, Horst Jaedicke, hatte ihn - angeblich nach fünfjährigem Bemühen - vom Hörfunk zum Fernsehen geholt. Horst Stern hatte in den 60er Jahren über 50 Schulfunksendungen über Tiere, auch über falsch verstandene Tierliebe, gemacht.

Studium aus dem Gefangenenlager

Horst Stern wurde am 24. Oktober 1922 in Stettin in eine arme Familie ohne Vater geboren. Er brach die Oberrealschule in Berlin nach der Mittleren Reife ab und machte eine Banklehre. Im Zweiten Weltkrieg war er Fallschirmjäger im sogenannten Afrika-Feldzug und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. In einem Gefangenenlager in den USA schaffte er es, ein Fernstudium der Rechte und der Literatur an der Universität Chicago zu beginnen.

Horst Stern schrieb Fernsehgeschichte

1948 kehrte er aus den USA zurück und wurde Dolmetscher der US-Armee in Ludwigsburg (Baden-Württemberg). Dann begann er als Gerichtsreporter der Stuttgarter Nachrichten, wechselte 1955 als Redaktionsberater etwa der Zeitschrift "Yacht" zum Delius-Klasing-Verlag in Bielefeld und kam dann zum Hörfunk des Süddeutschen Rundfunks. Mit den 20 Episoden der Serie "Sterns Stunde" schrieb er zwischen 1970 und 1979 Fernsehgeschichte. Damals wohnte er bei Wasserburg (Lkr. Lindau).

Proteste gegen Weihnachtssendung

Er berichtete ausschließlich über die heimische Tierwelt, geißelte falsch verstandene Tierliebe, informierte über Bienen, Schweine, Spinnen und das Leben von Tieren im Zirkus. Große Proteste riefen seine "Bemerkungen über den Rothirsch" hervor, die am Heiligen Abend des Jahres 1971 ausgestrahlt wurden. Wörtlich hieß es am Ende:

"Man rettet den deutschen Wald ja nicht, indem man 'O Tannenbaum' singt."

Südfunk-Fernsehdirektor Jaedicke verteidigte die Sendung mit den Worten: "Wenn jemand an Heilig Abend das Fernsehen überhaupt braucht, um sich in weihnachtliche Stimmung zu versetzen, dann soll er das ZDF anschalten. Da singen die Regensburger Domspatzen."

Ende seiner Fernsehtätigkeit

Ausschüsse des Bayerischen Landtags und des Bundestags diskutierten die Fernsehsendung, die Universität Stuttgart-Hohenheim verlieh Stern dafür die Ehrendoktorwürde. Ende der 70er Jahre beschäftigte sich Stern mit Versuchstieren in der Pharmaforschung, 1979 beendete er seine Fernsehtätigkeit. Dazu sagte er:

"Wenn es soweit ist, dass alte Damen dir die Hände küssen und in dir einen Franziskus sehen, dann bist du auf dem völlig falschen Dampfer."

Er ging nach Irland, gründete 1980 die Zeitschrift "natur" im Ringier-Verlag in Zürich und begann Romane zu schreiben, darunter "Mann aus Apulien" über Kaiser Friedrich II. (1986) und "Jagdnovelle" (1989).

Verteidigung des Nationalparks Bayerischer Wald

Im Fernsehen trat er 1997 noch einmal auf, um die scharfe Kritik am Nationalpark Bayerischer Wald zurückzuweisen, wo auf großen Waldflächen die Bekämpfung des Borkenkäfers eingestellt worden war und damit zunächst ein kahler Wald mit Fichtenstangen entstand, den die Einheimischen mit allen Mitteln bekämpften. Zu seinem 90. Geburtstag 2012 teilte eine Sprecherin der Stadt Passau mit, Stern wolle "nicht in die Öffentlichkeit und seinen Ehrentag in Abgeschiedenheit feiern".

Wegbereiter des organisierten Naturschutzes

Horst Stern gilt neben seiner publizistischen Tätigkeit auch als Wegbereiter des organisierten Naturschutzes. Er war 1975 Mitbegründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland, 1982 Mitbegründer der Deutschen Umweltstiftung.