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"Stern von Bethlehem" heute zu sehen? | BR24

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Kurz vor Weihnachten kommen sich Saturn und Jupiter so nahe wie seit 400 Jahren nicht mehr. Diese Konstellation könnte auch der "Stern von Bethlehem" gewesen sein.

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"Stern von Bethlehem" heute zu sehen?

Die Planeten Saturn und Jupiter stehen sich so nahe wie seit 400 Jahren nicht mehr. Diese Konstellation könnte auch der "Stern von Bethlehem" gewesen sein. Die Sternwarte Ursensollen in der Oberpfalz erklärt, wie man sie sehen kann.

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Von
  • Margit Ringer

Die beiden Planeten Saturn und Jupiter kreisen wie die Erde um die Sonne. Auf ihren Bahnen kommen sie sich regelmäßig nahe, schieben sich also aus Sicht der Erde voreinander. Etwa alle 20 Jahre passiert das, was Astronomen eine "große Konjunktion" nennen. Alle 60 Jahre kommen sie sich dabei besonders nah.

Wer Nebelloch erwischt, kann Spektakel beobachten

So nahe wie am Montagnachmittag zum Einbruch der Dunkelheit aber waren sich die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems seit 400 Jahren nicht mehr. Wer ein Nebelloch erwischt, kann diese "große Konjunktion" in Richtung Südwesten mit bloßem Auge sehen sagt Franz Mädler von der Sternwarte in Ursensollen im Oberpfälzer Landkreis Amberg-Sulzbach.

Mögliche Erklärung für den "Stern von Bethlehem"

Diese Planetenkonstellation könnte auch als Erklärung für den biblischen "Stern von Bethlehem" in Frage kommen, wissenschaftlich beweisbar ist es allerdings nicht. Im Matthäus-Evangelium heißt es im Kapitel 2, Absatz 9 zu den Sterndeutern aus dem Morgenland: "Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen".

Aufgrund verschiedener Kalenderzählweisen gilt das Jahr 7 vor Christus in der Wissenschaft als das tatsächliche Geburtsjahr von Jesus. In diesem Jahr fand astronomisch gesehen drei Mal ein solche "große Konjunktion" statt, wie sie am Montag zu sehen ist.

Der Astronom und Naturwissenschaftler Johannes Kepler verbindet Anfang des 16. Jahrhunderts den biblischen "Stern von Bethlehem" ebenfalls mit einer "großen Konjunktion", zusätzlich sogar mit einer Supernova.

Supernova oder Komet?

Er ging davon aus, dass das biblische Phänomen beides war, also eine Planetenkonstellation zwischen Jupiter und Saturn und dazu eine Explosion eines Sterns an seinem Lebensende, eine sogenannte "Supernova". Nach heutiger Ansicht der Astronomen kommt dieses Zusammenspiel aber nicht in Frage. Auch, dass es nur eine Supernova gewesen sein könnte, hält Franz Mädler für sehr unwahrscheinlich.

Die dritte Variante für den "Stern von Bethlehem" ist ein Komet. Aber auch diese Variante scheidet für Wissenschaftler aus, um das biblische Phänomen zu erklären. Sie geht auf den italienischen Renaissance-Maler Giotto zurück, der den Halleyschen Kometen gesehen haben will. Dieser Komet ist etwa alle 75 Jahre für uns auf der Erde sichtbar, sagt Mädler. Giotto malte in einem Bildnis der Geburt Christi als erster den "Stern von Bethlehem" über dem Stall, mit einem Schweif in Form eines Kometen.

Wissenschaftlicher Nachweis nicht möglich

Aufgrund verschiedener Kalenderzählweisen sowie unterschiedlicher astronomischer Aufzeichnungen und Interpretationen ist der "Stern von Bethlehem" heute nicht wissenschaftlich nachweisbar. Außerdem spielt der Glaube eine Rolle und die unterschiedlichen Interpretationen zur Entstehung der Bibel.

Im 3D-Planetarium in Ursensollen - leider gerade geschlossen - gibt es eine Show zum Thema "Stern von Bethlehem", die mit dem Hinweis endet: "Wer bei der Geburt von Jesus an ein Wunder glaubt, so gibt es keinen einzigen Wissenschaftler, der das Gegenteil beweisen kann".

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