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Bildrechte: pa/dpa/DB Stevenson

Wer schwierige Grünflächen zu beweiden hat mit Sumpf- und Giftpflanzen, kommt an seine Grenzen. Landschaftspfleger müssen her - aber wer ist dafür geeignet? Es gibt vierbeinige Spezialisten: Eine Soay-Herde sucht noch ein artgerechtes Winterquartier.

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Steinzeit-Tiere: 65 Soay-Schafe suchen einen Offenstall

Wer schwierige Grünflächen zu beweiden hat mit Sumpf- und Giftpflanzen, kommt an seine Grenzen. Landschaftspfleger müssen her – aber wer ist dafür geeignet? Es gibt vierbeinige Spezialisten: Eine Soay-Herde sucht noch ein artgerechtes Winterquartier.

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Von
  • Janina Nottensteiner

Schafzüchter Christian Schäfer aus Oberaudorf im Landkreis Rosenheim besucht seine Soay-Schafe an ihrem Arbeitsplatz. Die zotteligen, relativ kleinen Tiere sehen mit ihrem Gemisch aus Wolle und Fell und ihren gedrehten Hörnern aus wie eine Mischung aus Schaf und Steinbock. Die seltene Schafrasse stammt aus der Jungsteinzeit und ist robust, trittsicher und alpintauglich. Deshalb werden sie bereits seit Jahren in der Nähe von Rosenheim auf schwierigen Flächen eingesetzt.

Soay-Schafe fressen, was sonst keiner frisst

Auch im Klostergarten des Klosters Reisach verrichten die Soay auf Bitte des Klostergärtners ihre Arbeit als Landschaftgärtner – dort wächst einfach zu viel, was da nicht wachsen soll. Die Besonderheit der Soay ist: sie fressen das, was andere Schafrassen stehen lassen. "Die können genau austesten, ob eine Pflanzen giftig ist oder nicht. Ich kann sie auf eine Fläche stellen, wo ich nicht weiß, wieviel Anteil giftige Pflanzen wachsen dort. Die gehen her, probieren, und wenn sie es gut vertragen, fangen sie dann nach vier bis fünf Tagen an, auch diese Giftpflanzen zu fressen" begeistert sich Schafzüchter Christian Schäfer. Und sie verbeißen die Rinde eines Baumes oder gar junge Setzlinge nicht, und das kommt nun auch der großen Fläche des Klosters zugute, betont er.

Keine Wolle, wenig Fleisch, kaum Milch

Als landwirtschaftliche Nutztiere sind Soay-Schafe nur in der Landschaftspflege wirklich sinnvoll, denn ihre dunkle Wolle werfen sie selber ab, sie setzen nur wenig Fleisch an und die wenige und sehr fette Milch reicht gerade für ihre Lämmer. Auch vom Wesen her sind diese Schafe etwas anders als andere Rassen.

"Diese Tiere verhalten sich wie Wildtiere, ich würde sagen, wie eine Mischung von Reh und Ziege, sie sind scheu, kritisch und schreckhaft." Christian Schäfer, Schafzüchter

Domestizieren mit dem Futtereimer

Und genau hier liegt das Problem: Um sie als Arbeitsschafe einsetzen zu können, müssen sie trainiert werden. Christian Schäfer setzt sich mit einem Futtereimer auf den Boden:

"Die Schafe sollen sich jetzt dran gewöhnen, dass wenn sie fressen, mit dem Wohlsein, "oh tolles Futter", meine Hand, meine Stimme, meinen Geruch und vor allem vorher meine Rufe verbinden. Wenn ich sie rufe 'komm, komm' oder auch pfeife, dass sie wissen, 'oh irgendwo gibt's irgendwas Leckeres und der kann mich da hinführen." Christian Schäfer, Schafzüchter

Ziel Schäfers ist es, die Tiere ohne Hund oder Leine von einer Fläche auf eine andere treiben zu können und sie ihm blind vertrauen.

Wertvolle Zucht auf eigene Kosten

65 Soay-Schafe - Böcke und Auen – verschiedener Blutlinien hat Schäfer in dem von ihm gegründeten Deutschen Zentrum für Soay-Schafe zusammengeführt- alles finanziert aus eigener Tasche. Verkaufen will Schäfer seine wertvollen Tiere derzeit noch nicht.

"Für mich als Züchter ist es wichtig, dass wir diese ursprüngliche, archaische Rasse erhalten. Dafür brauchen wir Halter, die Erfahrung haben, und eine Nutzung dieser Tiere. Das können wir in der Landschaftspflege – und damit ist der Erhalt durch Nutzung gesichert von Soay-Schafen." Christian Schäfer, Schafzüchter

Um die Soay-Schafe auch im Winter artgerecht halten zu können, sucht Christian Schäfer jetzt nach einem Offenstall für seine Tiere. Wer also die Arbeit und die Zucht dieser wertvollen, seltenen Steinzeitschafe unterstützen möchte, kann sich gerne an Christian Schäfer wenden und tut damit etwas für den Erhalt dieser Tiere mit uraltem Erbgut.

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