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Steinewerfer-Prozess: So begründet das Gericht das Urteil | BR24

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Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat zwei 17 und 20 Jahre alte Steinewerfer zu Haftstrafen - unter anderem wegen versuchten Mordes - verurteilt.

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Steinewerfer-Prozess: So begründet das Gericht das Urteil

Im Prozess um die Steinwürfe von Autobahnbrücken ist ein 20-jähriger Angeklagter zu vier Jahren Haft verurteilt worden, ein 17-Jähriger zu drei Jahren und sechs Monaten. Beide Angeklagten hatten unterschiedliche Tatabläufe geschildert.

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Das Landgericht Nürnberg-Fürth ist der Überzeugung, dass der 17-jährige Angeklagte in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 2018 zunächst Steine auf einen Regionalzug geworfen hat. Anschließend hätten beide Angeklagten Steine von einer Brücke auf Autos auf der A3 geworfen. Dabei wurden zwei Fahrzeuge getroffen und eine Person verletzt.

Tatbestand des versuchten Mordes erfüllt

Danach seien beide weiter nach Baiersdorf gefahren, um auch von dort nacheinander von zwei Brücken Steine und später Paletten auf Fahrzeuge auf der A73 zu werfen. Auch hierdurch wurden Fahrzeuge beschädigt.

Das Gericht sah den Tatbestand des versuchten Mordes erfüllt, da es für die Angeklagten nicht kontrollierbar gewesen sei, was durch die Steinwürfe passiere.

Immer größere und schwerere Objekte geworfen

Das Landgericht Nürnberg-Fürth stützt sein Urteil auf zahlreiche Zeugenaussagen. Die Kammer unterstellte den beiden zwar keine Tötungsabsicht, sie hätten jedoch in Kauf genommen, dass unbedarfte Menschen ums Leben kommen könnten. Zudem hätten sich die Straftaten immer mehr gesteigert – bis zum Wurf von 20 Kilogramm schweren Paletten.

Gericht glaubt 20-Jährigem

In seinem Urteil folgte das Gericht den Angaben des 20-Jährigen. Er hatte im Prozess ausgesagt, beide Jugendliche hätten die gefährlichen Würfe begangen. Der 17-Jährige, hatte dies verneint. Das Gericht betonte, der 17-Jährige habe sich durch sein Verhalten in keiner Weise von den Taten distanziert. Zudem hätten beide Angeklagte in der Nacht vom 3. auf 4. Mai 2018 eine leerstehende Düngemittelfabrik in Brand gesetzt.

"Appell" ihr Leben zu ändern

Für den 20-Jährigen sprach laut Gericht sein Geständnis, gegen ihn allerdings seine Vorstrafen. Der vorsitzende Richter Dieter Weidlich betonte, dass die beiden Jugendlichen die Strafen als "Appell" ansehen sollten, ihr Leben zu ändern. Schuld seien nicht immer die anderen. Die Verhandlung sowie die Urteilsverkündung fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.