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Symbolische Aktion der Grünen für die Steigerwaldbahn Anfang 2020

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    Steigerwaldbahn: Widersprüchliche Gutachten und Pläne

    Durch eine Potenzialanalyse war eine Reaktivierung der Steigerwaldbahn von Schweinfurt nach Kitzingen zuletzt unwahrscheinlicher geworden. Nun hoffen die Befürworter, dass die Strecke nicht voreilig verkauft wird. Die CSU hat andere Pläne.

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    Von
    • Norbert Steiche
    • BR24 Redaktion

    Die Befürworter erwarten, dass nun trotz der ungünstigen Potenzialanalyse für die Steigerwaldbahn keine voreilige Entwidmung der knapp 50 Kilometer langen Bahnlinie oder eine Zerschlagung durch den Verkauf von Teilflächen geschieht. Das schreibt der Gerolzhöfer Grünen-Stadtrat und stellvertretende Schweinfurter Landrat Thomas Vizl in einer Pressemitteilung. Eine Potenzialanalyse der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) hatte ergeben, dass zu wenige Fahrgäste die Bahnlinie zwischen Schweinfurt und Kitzingen nutzen würden.

    Ältere Gutachten gehen von höherem Bedarf aus

    Vizl ist überrascht, dass die Fahrgastnachfrage für eine Wiedernutzung der Bahn laut der Potenzialanalyse der BEG mit 563 nur gut halb so groß wäre wie es in den Regularien der Staatsregierung für eine Reaktivierung vorgeschrieben ist. Laut Vizl kamen zwei andere Studien zuvor zu einer viel höheren möglichen Passagiernachfrage.

    Dr. Konrad Schliephake vom Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg errechnete im Dezember 2016 ein "vorsichtiges Nachfragepotenzial" von 1.230 Passagieren pro Tag für die Gesamtstrecke, von 1.628 für den Nordabschnitt Schweinfurt-Gerolzhofen und 786 für den Südabschnitt Gerolzhofen-Kitzingen. Das kobra-Gutachten vom Dezember 2018 kam für die Strecke Schweinfurt-Gerolzhofen auf 1.010 Passagiere.

    Grüne: Vergleich der drei Studien nötig

    Der Grünen-Politiker Thomas Vizl schreibt: "Somit haben wir jetzt drei höchst unterschiedliche Ergebnisse." Nun müssten die drei Gutachten verglichen und sowohl in der Öffentlichkeit als auch in politischen Gremien geprüft werden. Der Förderverein Steigerwald-Express e.V. und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) wollen in den nächsten Tagen mit Fachleuten die Ergebnisse der BEG-Studie prüfen und im Detail mit den Studien von Schliephake und kobra vergleichen.

    CSU-Vorschlag: Busse statt Züge

    Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck, die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber und die Landtagsabgeordnete Barbara Becker (alle CSU) schlagen dagegen vor, die Trasse im Rahmen eines "bundesweit einmaligen Pilotprojekts" für den öffentlichen Personennahverkehr auszubauen. In einer Pressemitteilung von Eck heißt es: Das Konzept beinhalte auf der gesamten Strecke zwischen Schweinfurt und Kitzingen ein kombiniertes Verkehrssystem. Dieses bestehe aus einem gut ausgebauten Radweg, einem Grünstreifen und Sicherheitseinrichtungen. Zudem müsse vom Radweg getrennt eine Fahrbahn für autonom fahrende Busse geschaffen werden. Darauf sollten vom Hersteller ZF entwickelte Busse, sogenannte People-Mover, autonom unterwegs sein können. Diese "verrichten bereits erfolgreich auf Flugplätzen und Messegeländen in Europa ihren Dienst", so Eck.

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